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Cordus ſelbſt, der uns in den Epigrammen über ſeine Namen⸗ gebung genauen Aufſchluß gibt, erwähnt einen Geſchlechtsnamen nirgends, und noch auffallender iſt, daß ein Zeitgenoße, ja Schüler von ihm, der Caſſeler Chroniſt Wiegand Lauze, zwar den Namen Henricus, aber keinen Familiennamen meldet.“ Nimmt man dazu, daß wir bei andern Gelehrten dieſer Zeit, wie bei Eobanus Heſſus,² in Bezug auf die Kenntnis ihres urſprünglichen Namens in ganz gleicher Lage ſind, ſo kann man ſich faſt der Vermutung nicht erwehren, daß ſich die Familien⸗ namen auf dem Lande im 15. Jahrh. noch nicht überall ausge⸗ bildet haben mögen.“ Doch wie dem auch ſei, gewis iſt, daß die unſerm Cordus ſeither zugelegten Namen Heinrich Urbanus oder Heinrich Eberwein auf dem klarſten Irrtume beruhen, ob⸗ wol ſich namentlich der erſtere in allen literariſchen Werken hart⸗ näckig bis auf die neueſte Zeit erhalten hat. Heinrich Urban war ein Erfurter Freund des Cordus, und nur der zufällige Umſtand, daß er ſich in einem Briefe nach deſſen Vorgange eben⸗ falls den klangvollern Namen Euricius beilegt, hat einen mit den damaligen Verhältniſſen der Univerſität Erfurt wenig vertrauten Biographen zu der ſeltſamen Verwechslung veranlaßt.“ Der
¹) Wiegand Lauze, Leben Philipps des Großmütigen, 1 T. S. 282. (tſchr. f. heſſ. Geſchichte, 2 Suppl. 1841): Sein eigener name iſt geweſen Henricus.
¹²) Selbſt der zeitgenößiſche Biograph Eobans Joachim Camerarius er⸗ wähnt deſſen Familiennamen nicht.
³) Eine ſtarke Stütze für dieſe Annahme bildet ein Epigramm des Cordus, aus welchem hervorgeht, daß der Angeredete keinen Familiennamen beſitzt, ad Theodorum II, 235: k
Quod careas, Theodore, tuae cognomine gentis, Ut quod ab eventu dem tibi saepe rogas.
*) Melchior Adami, vitae medicor. german. 1706, p. 10. Danach alle Spätern, die Nachrichten von Wetter S. 115. Kahler, vita C. p. 8. Strieder, heſſ. Gel. Geſch. 2 T. S. 283, u. A., auch Gräße in ſeiner Literaturgeſchichte. Der Brief Urbans befindet ih. epp. Eob.


