Aufsatz 
Rostands Princesse Lointaine als Schullektüre
Entstehung
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odercäsurschwachen¹) Versen, über die sich vertrocknete Klassizisten in Frankreich ganz besonders aber in Deutsch- land entrüsten. Nur der deutsche Lehrer wird seiner Auf- gabe völlig gerecht werden, der seinen Schülern einen Begriff von jenem höheren rhythmischen Prinzip beibringt, das die alte Zähl- und Klappermethode verdrängt hat der sie die Musik Rostand'scher Verse empfinden lehrt. Schaden kann es gewiss nicht, wenn er bei einer solchen Gelegenheit an Freiligraths Wüstenross aus Alexandria erinnert und zeigt, wie dieser deutsche Dichter bewusst den engen Schnürleib sprengt, in den sich die Opitz, Gottsched, Haller und noch der junge Goethe gepresst hatten, wahrhaftig nicht zum Vorteil für ihre dichterische Figur! Wollte man über diese allgemeine Charakteristik und einzelne gelegentliche Winke hinaus sich mit Rostands Verskunst beschäftigen, so müsste dadureh viel kostbare Zeit für wichtigere und fruchtbarere Aufgaben verloren gehen. Wer sich im übrigen für Rostands Metrik interessiert, den verweise ich auf die ein- schlägigen Arbeiten von Fr. Wulff²) und A. Schenk): für alles,

¹) Darunter werden Alexandriner verstanden, in denen durch dieregel- rechte Cäsur eng zusammengehörige Satzglieder Satztakte scheinbar zerrissen werden. Sie sind bei Rostand so zahlreich, dass man nicht mehr sagen kann, die in zwei Halbverse von gleicher Silbenzahl zerfallenden Alexandriner seiendie Regel. Er trennt unbedenklich in der Versmitte:

den Artikel vom Substantiv,lavonPrincesse 2. B. nicht weniger wie viermal: V. 493, 506, 883, 1710; vgl. ferner 535, 803, 886, 1067, 1200 u. ö.;

das unbetonte Pronomen von seinem Verb, etwaje von s uis⁸¹(V. 560 und 572), vgl. 194, 247, 369, 469, 760, 782, 948, 1036, 1115 u. ö.; auch das nachstehende Pronon en: trouvons-/nous(V. 671);

die Präposition von dem Nomen oder Pronomen,de von boulines(V. 6),vers vonun monstre(V. 32); vgl. V. 91, 454, 573 (par/ennui!), 575, 733, 790, 811, 994, 1180, 1267 u. s. w.

Angesichts dieser Fälle versteht es sich von selbst, dass adjektivische wie l'räpositionalattribute ohne jedes Bedenken von ihren Substäntiven ge- trennt erscheinen, Hilfsverba von ihrem Hauptverb kurzum, dass Rostands Verse die ganze Skala der Möglichkeiten aufweisen. An Stelle der auf- gegebenen Cäüsur in der Mitte treten vielfach zwei Einschnitte, doch nicht selten auch nur einer, an anderer Stelle.

²) Fr. Wulff, Rythmicité de l'alexandrin français. Lund 1900. S. 61 ff.

³) A. Schenk, Etudes sur la rime dans Cyraro de Bergerac de M. Rostand. Kiel 1900. Derselbe, L'hiatus chez K1 E. Rostand. Ztschr. f. frz. Spr. u. Lit. XXIV2, 209 ff. Typische Beispiele fürvertrocknete Klassizisten habe ich nachträglich gefunden bei Langer. Edmond Rostand. Linz 1901. S. 60 in den Franzosen H. de Régnier und dem Anonymus Alceste, wie bes. auch in dem Deutschen Ad. Bechtel, der(Zischr. f. Realschulwesen 1901) von Versen sprichtin denen der Mangel der césure oder coupe keine metrische Harmonie aufkommen läüsst.!! Ich halte es dem gegenüber mit dem gleichfalls von Langer angezogenen Otto Reuter(in der Aprilnummer derGesellschaft, Dresden 1901), der, Vvon dem Dichter mit fortgerissen, Rostandsgeniale Rhythmen preist.