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Ob freilich die sämtlichen fünf Bücher ³³⁹) dem Kaiser gewidmet sind, oder wie es infolge der gelungenen Abrundung des ersten Buches scheinen könnte, nur dieses, ist schwer zu entscheiden. Daß hier eine wirkliche Widmung vorliegt, eine Ansicht, die auch andere— ohne genaue Angabe der Gründe— teilen(Lemaire, Lanson, Bechert, Ramorino) ergibt ferner der Vergleich mit Dedikationen sonstiger Werke der Literatur. Nach Gräfenhain ist der erste Schriftsteller, der dem Kaiser Augustus ein Buch widmete, der Baumeister Vitruv. Damit die Ahnlichkeit in die Augen fällt, sei die Stelle aus diesem Schriftsteller hierhergesetzt: 5 Cum divina tua meus et numen, imperator GCaesar ¹⁰⁹), imperio potiretur orbis terrarum invictaque virtute cunctis hostibus stratis, triumpho victoriaque tua cives gloriarentur et gentes omnes subactae tuum spectarent nutum populusque Romanus et senatus liberatus timore amplissimis tuis cogitationibus consiliisque gubernaretur, non audebam, tantis occu- pationibus, de architectura scripta et magnis cogitationibus explicata edere, metuens ne non apto tempore interpellans subirem tui animi offensionem. Gum vero attenderem te non solum de vita communi omnium curam publicaeque rei constitutione habere, sed etiam..... non putavi paetermittendum, quin primo duoque tempore de his rebus ea tibi ederem Cum autem concilium caelestium in sedibus immortalitatis eum dedicavisset et imperium parentis in tuam Pofosfatem transtulisset, idem studium meum in eius memoria permanens in te contulit favorem..... haec tibi scribere coepi. Besonders beachtenswert ist, wie in beiden Widmungen der Herrscher als Friedens- kaiser gefeiert wird nach dem Vorbild des Horaz; besonders auffallend ferner ist die An-— wendung des VigenshaitsKartes invictus: bei Vitruv im Eingang der Widmung, bei Manilius am Schlusse des Buches. Dieses Epitheton scheinen beide in- Nachahmung des Horaz (Sat. II 1 Caesaris Lcen res dicere) gebraucht zu haben. Auch Ovid singt Trist. 5 5, 41 Lenior Invicti si sit mihi Caesaris ira, Carmina laetitae iam tibi plena dabo
und Epist. ex Ponto I 2, 125: Qui vincit semper, victis ut parcere possit.
Die Siegesgöttin finden wir auf Münzen des Augustus(vgl. Eckhel N. D. VI 83), und Augustus scheint die Bezeichnung Invictus nicht ungern gehört zu haben, wie aus der Anekdote bei Sueton(Tib. 17) hervorgeht. ¹)
Zur Beurteilung der Aehnlichkeiten in der Widmung des Manilius und des Vitruv ist die Abfassungszeit des Vitruvschen Werkes von einschneidender Bedeutung. Hier kann darüber nicht ausführlich gehandeld werden. Nur soviel sei bemerkt, daß die neueste Behandlung dieser Frage durch Mortet nicht befriedigt. Um sein Ergebnis zu erzielen, das er in die Worte zusammenfaßt:
„Mais ce n'est pas à Auguste qu'il se serait adressé, suivant nous: c'est bien plutôt à l'un des Flaviens, à Titus, qui, comme son père Vespasien, a le culte du fondateur de la première dynastie impériale“.
ist er genötigt, die gut überlieferte Stelle per sororis commendationem in der Einleitung, die für die vorliegende Frage von hervorragender Wichtigkeit ist, in per favoris commendationem zu ändern. ¹*)
Mit diesem Fehler in der Methode der Forschung fallen sämtliche Aufstellungen Mortets. Wir bleiben dabei: Der Techniker Vitruv widmete sein Werk dem Augustus mit einer ähnlichen Dedikation, wie wir sie bei dem Astronomen finden ¹⁴³) Der Frage nach sonstigen Beziehungen zwischen Vitruv und Manilius(vgl. bes. Vitr. IX 7) kann ich hier nicht näher nachgehen. Beachtenswert ist jedoch, daß manche Vorwürfe, die man gegen die Darstellung des Manilius erhoben hat, auch den Vitruv treffen. ⁴⁴) Bei beiden er- klären sich diese leicht aus der Schwierigkeit der zu behandelnden Aufgabe. Stofflich ist uns das Werk des Vitruv als das einzige dieser Art, das auf uns gekommen ist, gleich wichtig wie die einzigartige astrologische Dichtung aus demselben Zeitalter.—


