Aufsatz 
Ort und Zeit der Abfassung der Astronomica des Manilius
Entstehung
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Wir haben demnach gefunden: 1. Die Astronomica sind in Rom geschrieben. 1 7 2. Sie sind dem Kaiser förmlich gewidmet(ähnlich Wie das W erk des Vitruv). 3. Der Verfasser war kein Ausländer. 4. Ort und Zeit der Geburt des Manilius sind nicht zu ermittelnl. 5. Als er sein Werk pegann, war er noch kein Greis, aber auch kein Jüngling mehr.

Zweites Kapitel. Die Astronomica sind unter Augustus verfasst.

Bei den Römern war die Astrologie im ersten Jahrhundert v. Chr. Geburt von ge- waltigem Einfluß. ¹) Daß sich Männer wie Cicero(de div. I.) entschieden gegen diese ver- meintliche Kunst, das Schicksal der Menschen in den Sternen zu lesen, wandten, hat ihren Siegeslauf keinen Augenblick hindern können, besonders seit die Mächtigsten im Staat sie unter ihren Schutz genommen hatten. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß selbst Cäsar ihr huldigte. Hat er doch für seine Legionen als Signum den Stier gewählt, d. h. das Zodiakalzeichen der Venus, seiner Familiengöttin. Seit ihm haben fast alle Legionen nach und nach Signa astrologischer Bedeutung es sind ihre Nativitätszeichen bekommen. Etwa in dieselbe Zeit fällt auch das Eindringen der doch wohl auf astrologische Erwägungen zurückgehenden siebentägigen Woche. ²)

Dies ist die Periode, die am besten die Worte des Tacitus kennzeichnen:(mathematici) genus hominum potentibus infidum, sperantibus fallax, quod in civitate nostra et vetabitur semper et retinebitur.(hist. I 22). Denn während die Kaiser sich ihre Leibastrologen hielten, suchten sie zugleich aus politischen Gründen durch Verbote und Verfolgungen zu verhindern, daß die Großen des Reiches die Chaldäer über die Dauer ihrer Regierung und über die eignen Aussichten auf den Thron pefragten.

Zwar im Jahre 33 verwies Agrippa die Astrologen aus der Hauptstadt. Aber zu- sammen mit Oktavian hatte er selbst in Apollonia sich durch Theagenes das Horoskop stellen lassen. Und auch der Kaiser war der Astrologie so ergeben, daß er sich nicht scheute, seine Nativität zu veröffentlichen und sein Geburtsgestirn, den Steinbock, auch auf seine Münzen prägte. Für die weite Verbreitung der Astrologie zeugt auch, daß die Dichter dieser Zeit öfters auf sie anspielen. Selbst ein so freier Geist wie Horatius redet von dem tyrannus Hesperiae Capricornus undae, dem consensus seines Geburtsgestirnes mit dem des Mäcenas, der Jovis tutela gegenüber dem bösen Saturnus. Mag er damit auch nur scherzen wollen, Sinn hat diese Ausführung doch nur, wenn Mäcenas daran glaubte und wenn der Dichter auf ein Publikum rechnen konnte, das genügend in der Astrologie bewandert war, um ihn ohne weiteres zu verstehen. Auf Hor. c. I 11 sei nur nebenbei verwiesen:

Tu ne quaesieris(scire nefas) quem mihi. quem tibi finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios temptaris numeros.

In nicht minder hohem Ansehen wie unter Augustus stand die Astrologie unter Tiberius, ³) der sich besonders Während seines Aufenthaltes auf der Insel Rhodos mit dieser Wissenschaft beschäftigt hatte. Die Kenntnis des gestirnten Himmels gehörte in jener Zeit zur allgemeinen Bildung. Gern flochten römische Dichter Schilderungen der Sternbilder in ihre Darstellungen, gern berührten sie die mit diesen verknüpften Sagen. Auch astrologische Lehrgedichte konnten daher auf Beifall rechnen. ¹) Daß freilich die Tätigkeit der Astrologen unter Tiberius nicht ohne Gefahr war, ergibt sich aus dem, was Sueton und Tacitus berichten (S. Häbler).