Aufsatz 
Ort und Zeit der Abfassung der Astronomica des Manilius
Entstehung
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Versuch gemacht nachzuweisen, worin die Africitas des Manilius im einzelnen bestehen Soll, wie es doch ihre Pflicht wäre.¹) Ich glaube auch den Nachweis führen zu könuen, daß die Forscher, die in Manilius einen Punier sehen, irregeleitet worden sind. Auf der richtigen Fährte in dieser Beziehung sind pereits drei Gelehrte gewesen: Woltjer(S. 8), Bechert(1891, S. 3) und Ellis(S. 223), ohme indes die richtige Lösung zu finden: Der erstere hat den guten Gedanken nicht weiter verfolgt, und Bechert ist in die Irre gegangen. ¹7) Freilich war eine Lösung dieses Rätsels auch nicht möglich, solange wir keine genaue Kenntnis der Hand- schriften besaßen.

Auf den Gedanken, unser Astrolog sei ein Karthager gewesen, ist man gekommen durch den Zusatz Poeniꝰ*)(Boemi, Boeni, boeni), der sich in einigen Handschriften hinter dem Namen des Dichters findet. Dieses Poeni ist aber offenbar erst von einem Schreiber eingesetzt worden, der mit dem, was er in dem Codex, den er abschrieb, vorfand(Boeni usw.) nichts anzufangen wußte und deshalb eine Anderung vornahm, die wenigstens einen Sinn gab. Ursprünglich stand nämlich gar nicht Poeni(Boemi, Boeni) in den Handschriften, sondern Boeci(vgl. Woltjer S. 28. Bechert S. 2. Schanz S. 25, Ramorino S. 324, Ellis S. 218. 221, 222, 233). Nun geben aber dies ist ganz besonders zu beachten die Handschriften der Astronomica, die diesen Zusatz nicht haben, an dieser Stelle die Lesung: poetae clarissimi. Es ist kein Zweifel, daß von einem Schreiber aus einer Handschrift, die diesen Zusatz in Abkürzung enthielt, paläographisch macht dies keine Schwierigkeit Poeci, bezw. Boeci abgeschrieben wurde. An Stelle dieses sinnlosen Boeci haben dann andere Boeni bezw. Poeni eingesetzt. Mit dieser Erklärung, daß Boeci durch Zusammenziehung der Abkürzung von poetae clarissimi entstanden ist, fallen alle Folgerungen, die man aus diesem Zusatz gezogen hat(vgl. auch Berl. phil. Woch. 1904, No. 4, S. 107 Anm.). Demnach hat Scaliger, der an der Abfassung des Werkes in Rom nicht zweifelte, das Richtige getroffen, als er in den Prolegomena zu seiner Ausgabe der Astronomica behauptete: Scripsit igitur Romae(post cladem Varianam, quae quinquennio Augusti obitum antecessit). ²⁹)

Mit diesem Resultate wären wir nun allerdings, um mit B. Preier zu reden³⁸³), zur Lehre unserer philologischen Väter zurückgekehrt, mit diesem Resultat berauben wir die römische Provinzialliteratur einer ihrer herrlichsten Zierden.

Hinfort werden wir uns also nicht mehr mit der negativen Formel, die ich früher aufgestellt habe, nichts nötige uns, den Manilius für einen Ausländer(Provinzialen) zu halten, begnügen, sondern wir werden als gesichertes Ergebnis unserer Untersuchung betrachten dürfen, daß die Astronomica in der Hauptstadt des Römerreichs geschrieben sind.

Da drängt sich freilich denn auch der schaffende Genius ist das Kind seiner Zeit, seine Entwickelung historisch bedingt die Frage auf: ³¹) Steht dieses Resultat nicht im Widerspruch mit den allgemeinen Zuständen in Rom? Passen die Astronomica des Manilius in das literarische Milieu der damaligen Hauptstadt des Erdkreises? Die YVerneinung dieser wichtigen und anziehenden Frage war mit ein Grund dafür, daß man unseren Dichter für einen Provinzialen gehalten hat. Kein Geringerer als Bentley hat in dieser Beziehung ge- waltig geirrt.

Die damalige römische Welt, das Rom der absterbenden Republik, bot den günstigsten Boden für die Abfassung eines astrologischen Lehrgedichts. Lehrgedichte entstanden gerade in jener Zeit auch auf andren Gebieten, und da nun der Glaube an das unabänderliche Schicksal jedes Menschen, das von seiner Geburt an in den Sternen verzeichnet sei, die Gemüter beherrschte, da das Verlangen, den Schleier der Zukunft zu lichten, die Bestrebungen der Astrologen begünstigte was war unter diesen Umständen natürlicher, als daß ein Sänger auftrat, um den Sterblichen den Blick in die Bahnen der Sterne zu eröffnen? So0 paßt Manilius gut in das Rom der ersten Kaiserzeit, der Dichter, der seinen Plan bezeichnet mit den Versen(1 1 f):

Göttlichen Weltbaus Kunst und die schicksalkundigen Sterne, Die aller Sterblichen Los so mannigfaltig gestalten, Himmlischer Weisheit Werk will jetzt ich vom Aether herabzieh'n