Aufsatz 
Ort und Zeit der Abfassung der Astronomica des Manilius
Entstehung
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1 859 ff:(Mauilius trägt die richtige, erst seit Halleys Kometographie fest begründete Ansicht über die Kometen vor.)

Wundre dich nicht, daß plötzlich am Himmel erscheinen Leuchtende Fackeln, die Luft sich erhellt durch Strahlengebilde, Wann sie die trockenen Dünste erfaßt, die entsteigen dem Boden, Welche verfolgt und flieht abwechselnd das flüchtige Feuer! Siehst du ja doch den sich schlängelnden Blitz aus Regengewölken Senden den Strahl, und wie durchs feste Gewölb' er sich Bahn bricht! Sei es demnach, daß nährenden Stoff aushauche der Erde Schoß in die luftigen Höh'n und erzeuge die lichten Kometen, Oder es schuf die Natur sie zugleich mit den anderen Sternen, Die vom Gewölbe herab uns schimmern mit ewigem Lichte; Aber es ziehet mit mächtiger Glut sie Helios zu sich, Der in die eigenen Strahlen sie bald einsenket, und bald sie Wieder entläßt, gleichwie Merkurius oder die Venus Wann sie am Abend erschien und das nächtliche Dunkel heranführt Oft uns glänzen, dem Blick sich entziehen und wieder sich zeigen, Oder es sendet der Gott, sich erbarmend, des drohenden Unheils Warnende Zeichen der Erde herab durch himmlische Flammen: Niemals strahlten bedeutungslos glanzvolle Kometen!

Diese Proben mõögen geuügen, um zu zeigen, daß Manilius ein echter Dichter ist. Es ist die Klangfarbe der Sänger Roms, es ist die Sprache der augusteischen Poesie, die uns hier entgegentönt. Wir werden also Lachmann recht geben, wenn er in den obser- vationum criticarum capita tria(caput I. de aetate Manilii: Kleinere Schriften Band II., Berlin 1876, S. 42) unsern Sänger nicht den geringsten unter den römischen Dichtern nennt. Damit stimmt Lansons Urteil, der ihn als bewundernswerten Verskünstler bezeichnet, und die Ansicht Woltjers, der seine hervorragende Begabung anerkennt. Es war daher ein glück- licher Griff, als einer der rührigsten Latinisten Amerikas A. Gudemann Abschnitte der Astronomica in sein Sammelwerk Latin Literature of the Empire(Newyork und London 1899, Harper and Brothers) aufnahm; s. Neue phil. Rundschau 1900 No. 11 und Zeitschrift f. d. österr. Gymnasien 1900 Heft 7 S. 508. ²¹)

Was Lanson, der Bentley gefolgt ist, für die Herkunft des Manilius aus Asien anführt, ist durchaus nicht beweisend. Was sich über diesen Erdteil in den Astronomica findet, haben andere römische Schriftsteller bereits früher gesagt. Anders ist es, wenn wir bei Claudian unerwartet eine genaue geographische Darstellung des Landes finden, wo man allerdings ver- muten möchte, daß der Dichter dafür interessiert war, weil er von Geburt Kleinasiate ²²) war. Uber den verhältnismäßig weiten geographischen Gesichtskreis des Manilius dürfen wir uns nicht wundern. Lebte er doch in einer Zeit, wo die Römer große Reisen unternahmen, in einer Zeit, da bereits eine große Weltkarte entworfen wurde, die nach Augustus Tod in einer offenen Halle in Rom zur Schau gestellt wurde, ²³) in einer Zeit, da vielleicht auf Anlaß des Augustus eine geographische Schrift über den ganzen Erdkreis verfaßt wurde. Tatsächlich reicht des Dichters Blick über den ganzen damals bekannten Erdkreis. Er umschreibt in großen Zügen das Becken des Mittelmeers, seine Küsten und Inseln, geht Völker und Städte der drei Erdteile durch und weiß von der Verschiedenheit der Völkertypen, der Sprachen, Sitten, Produkte und Tiere Charakteristisches in knappem Ausdruck zu sagen(s. bes. IV 585). In mancherlei Berufs- und Gesellschaftskreisen, in den Stätten der Handwerker, auf Plätzen der Volkslustbarkeit, in Wald oder Feld, an Flußufern und Meeresküsten hat er sich um- gesehen und sich lebendige Anschauungen dort geholt. ²*) Von den Neueren ist es daher nur Monceaux, der den Verfasser unseres astrologischen Lehrgedichtes für einen Ausländer hält, und zwar für einen Afrikaner. Aber auch seine Beweisführung ist durchaus nicht über- zeugend. ²⁵) Nicht der geringste Grund ist vorhanden, in Afrika des Dichters Heimat zu suchen. Keiner von den Gelehrten, die den Manilius für einen Afrikaner ausgeben, hat den