Zwei Scipionen, jedoch ein Todesgeschick für Karthago;
Auch Pompejus, Besieger der Welt— dreifacher Triumph hob
Ihn frühzeitig zur Macht— und Tullius, welchem der Rede
Kraft Staatswürden errang; das Geschlecht der berühmten Meteller, Claudius' glänzender Stamm, des ämilischen Hauses Begründer; Cato, der Herr des Geschicks; Agrippa, welcher, ein Kind noch, Kampflust atmet; der julische Stamm, entsprossen der Venus,
Stieg von dem Himmel herab und bevölkerte wieder den Himmel, Welchen Augustus jetzt im Verein mit dem Donnerer lenket.“
Von Wichtigkeit ist für uns noch eine Stelle, die mit Unrecht bei der Behandlung dieser Frage außer acht gelassen worden ist; I 898: externas ¹⁴) modo per gentes. Ist die Lesart der besten Handschrift richtig, so ist diese Stelle ein untrüglicher Beweis, daß Manilius sich als Römer betrachtet(894 ff):
„Solches verkündiget oft hellleuchtender Glanz der Kometen;
Krankheit zeuget ihr Schein, und leichenverzehrende Flammen
Glüh'n rastlos, und es scheinet, als werde die ganze Natur rings
Mit von der Krankheit Leiden erfaßt und zu Grabe getragen.
Auch auf Krieg hin deutet ihr Licht, auf plötzliche Gärung,
Auf feindseligen Trug und listig bereiteten Angriff,
Wie noch eben bei fremdem Volk, als brechend das Bündnis
Grimmig gesinnt Germania schlug den betrogenen Varus,
Und mit dem Blute von drei Legionen der Boden gefärbt ward,
Glühten vom Himmelsgewölb' ringsher die bedrohlichen Flammen.
Und die gesamte Natur schien selbst uns Krieg zu verkünden,
Feindlich entgegenzuwirken und Tod und Verderben zu senden.“ Für meine Ansicht spricht, wenn ich nicht irre, auch das Folgende: V. 1 905:
Saepe domi culpa est: nescimus credere caelo
Civiles etiam motus cognataque bella significant. Oft ist unser die Schuld, weil taub wir sind für die Warnung, Innern Zwist weissagen sie oft und Bürgerbefehdung.
Eine Stelle, die gegen die Abfassung in Rom spräche, findet sich im ganzen Werke nicht. Nirgends gibt der Dichter einen Anhaltspunkt dafür, daß er Provinziale oder Aus- länder gewesen sei.
Da man aber in der Sprache des Astrologen Anzeichen für außerrömischen oder außer- italischen Ursprung hat finden wollen, so ist es nötig, hierüber ein Wort hinzuzufügen. ¹⁵) Noch Bähr schrieb 1868 im ersten Bande seiner Geschichte der römischen Literatur(4. Aufl. S. 521):„Allerdings führt uns die Fassung seines Gedichtes eher darauf, in ihm einen Fremden als einen Römer anzuerkennen“. Bei genauer Prüfung stellt sich auch hier die Sachlage für unsere Anschauung günstig. Freilich bot der neue, zum Teil spröde und unge- füge Stoff große Schwierigkeiten, daß auch ein Meister der Dichtersprache und Verskunst ihn nicht überall in gleich vollendeter Form bewältigt haben würde. Deshalb ist es nicht zu verwundern, wenn unserem Astrologen die Ausgleichung der Unterschiede im Ton nicht recht gelungen ist, wenn die Darstellung bisweilen trocken und nüchtern, bisweilen begeistert und rhetorisch aufgeputzt, oft schwülstig und gewunden ist. Auch Lukrez hat manches Un- gleichmäßige und Schwerfällige. Manilius ging eben nicht die ausgetretenen Geleise des sagenhaften und geschichtlichen Epos, er wandelte neue Bahnen, und dabei müssen wir sogar bisweilen seine Gestaltungskraft bewundern. Der Schwierigkeiten der Aufgabe ist er sich s wohl bewußt. Das drückt er aus in den Worten, an die er sich freilich nicht streng gehalten hat:
Ornari res ipsa negat, contenta doceri. Schmuck verweigert der Stoff, zufrieden, daß er gelehrt wird.


