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Er kennt die Werke Ovids, die aus der Verbannung nach Rom geschickt wurden: stufen-
weise ist Nachahmung der Tristien erkennbar. Diese kennen zu lernen hatte der Dichter in Rom Gelegenheit. ¹⁰) Er besaß römisches Staatsbewußtsein, wie auch Ribbeck in seiner wohlgelungenen Charakteristik des Dichters S. 19 zugibt, und kannte römisches Leben recht wohl aus eigener Anschauung. Mit der römischen Geschichte(bes. B. IV und V) ist er vertraut, und die Ereignisse der- selben— von den armseligen Hütten am Tiberstarnde(IV 27 Roma casis enata) bis zur stolzen Weltbeherrscherin(IV 718 Martia Romanis urbis pater induit ora)— sind vom römischen Standpunkte aus betrachtet. ¹¹) Besonders verrät die Art, wie er von Hannibal und Karthago(I 792, IV 40, 48, 566, 599, 658 ff. 778) ¹²) spricht, die römische An- schauung. Ebenso redet Horaz:(c. II 12, 2; III 5, 39; 6, 36;: IV 4, 49, 69. 8, 16 fl: ep. 7, 5; 8, 16; 9, 25, 16, 8; sat. II 1, 66). Der dirus Hannibal(perfidus oder abominatus) ist bei den römischen Dichtern wiederbolt zu finden bis zur improba virtus in den Punica des Silius Italicus, der V 603 ff den Hannibal nauchenden Atem bplasen läßt. ¹³)
Wo der Dichter die Schlachten am Trasimenischen See und bei Cannä erwähnt, glaubt man die Worte des Livius herauszuhören: Haec est nobilis ad Trasumenum pugna atque inter paucas memorata populi Romani clades(XXII 7) und Haec est pugna Cannensis, Alliensi cladi nobilitate par(XXII 50); und ebenso klingen durch manche Stellen, wo von den Kriegstaten der Römer die Rede ist, die Worte des römischen Historikers: Audendo atque agendo res Romana crevit(XXII 14).
Da, wo Manilius den miles Romanus(J 910), das imperium(I 912) und die Roma (1 917, 925, IV 26 ff u. a.) erwähnt, lassen seine Worte den Stolz des alten Römers auf sein Vaterland und seine Einrichtungen deutlich erkennen. Besonders atmet seine Sprache
Begeisterung— das Schönste bekanntlich nach Goethe, was wir von der Geschichte haben— wenn er auf die großen Männer Roms zu sprechen kommt.
Man lese die schöne Stelle I 750 ff., wo er in ergreifenden Worten schildert, wie die
Seelen der Helden,„frei von den Banden des Leibes, verlassend die niedere Erde“, in der Milchstraße ihren Sitz finden, wie sie dort im Himmel, den sie durch Taten errungen, Jahre der Götter in vollem Genuß unsterblicher Wonnen verleben. Dort werden von unserem Sänger außer anderen gesehen(771 fl):
„Die Weisen, die geistige Kraft und gewichtige Klugheit
Glänzend vereinten und tief in dem eig'nen Gemüte den sicheren
Reichtum trugen, die Schöpfer des Rechts, Lykurgus und Solon;
Plato der Göttliche; Sokrates auch, sein Meister und Bildner,
Welchen verdammend Athen zur Schmach sich selber verdammte.—
Jener, der Persiens Flotte besiegt, die deckte die Meerflut.
Romas Helden, die zahlreich schon sich erheben im Glanze,
Unsere Könige außer Tarquin; die Horatier, drei nur,
Aber ein völliges Heer; ruhmvoll mit verstümmeltem Arme
Scävola; Clölia dann, die männerbesiegende Jungfrau,
Cocles, welchem das Haupt hell schmückt die verteidigte Mauer,
Und Corvinus, dem Phöbus im Kampf, als Rabe gestaltet,
Hilfe verlieh, und den Sieg ihm gab und den rühmlichen Namen.
Der sich den Himmel erwarb durch Jupiter, Romas Erbauer,
Weil er sie rettet, und Brutus, den Staat vom Tyrannen befreiend,
Dann Papirius, der Rom rächte an Pyrrhus, dem Feinde.
Curius und Fabricius, auch Marcellus, der einen
Feindlichen König erlegend gewann hochehrende Beute,
Ferner die Decier, gleich durch Todesgelübd' und Triumphe,
Fabius, der durch Säumnis groß, und Livius, der mit
Nero dem Kampfesgenossen den Hasdrubal schlug, den verruchten;


