Aufsatz 
Ort und Zeit der Abfassung der Astronomica des Manilius
Entstehung
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Blitz und Donner entriß er dem Zeus und gab dem Gewölke Flammenerzeugende Kraft und den Winden das Dröhnen des Donners; Als er gesucht und erspähet die Gründe für jede Erscheinung. Strebte der menschliche Geist den im Kreis ihn umgebenden Weltbau, Als ein gegliedertes All von geordneten Kräften zu fassen,

Gab den Gestirnen bezeichnende Form und geeignete Namen,

Fand die Gesetze des Laufs in bestimmten Bezirken des Himmels, Und sah klar, daß alles genau sich füge dem Machtwink Kreisender Sterne gemäß, die wechselnd gestalten das Schicksal. Dies zu besingen im Lied, was vor mir keiner versuchte,

Ist mein Ziel; hold lächle das Glück dem verweg'nen Beginnen! Möge zu teil mir werden ein hohes und ruhiges Alter,

Daß ich bewältigen könne die Last der gewichtigen Massen

Und gleichmäßigen Fleiß zuwenden dem Großen und Kleinen.

Leider gewinnen wir aus dieser Stelle für unseren Zweck nichts. Die Worte des Manilius sind nicht so ergiebig wie etwa die ähnliche Stelle des Phädrus ³), die deutliche Schlüsse über das Alter des Dichters zuläßt. Sie beweist nur, daß unser Astronom, als er an die Ausarbeitung seines Werkes ging, noch kein Greis, aber auch kein Jüngling mehr war. ¹)

Beachtung verdienen besonders folgende Stellen:

1. IV. 37 ff.: Quid referam Cannas admotaque moenibus arma?

Varronemque fuga magnum Fabiumque morantem?) Postque tuos, Trasumene, lacus cum vincere posset, Accepisse iugum victae Carthaginis arces? Speratum Hannibalem nostris cecidisse catenis Exiliumque rei furtiva morte luisse?

2. IV. 773 Hesperiam sua Libra tenet; qua condita Roma Orbis et imperio retinet discrimina rerum, Lancibus et positis gentes tollitque premitque Qua genitas cum fratre Remus hanc condidit urbem.)

3. 1. 2 Hunc mihi tu, Caesar, patriae princepsque paterque. Das animum.)

Hätten wir sonst gar kein Anzeichen in den Astronomica, so müßten schon diese Stellen für die Lösung unserer Frage ausschlaggebend sein: An der ersten Stelle betrachtet sich der Dichter als Römer; ist an der zweiten die Uberlieferung richtig, so ist ein anderer Schlaß, als daß V. IV 776 in Rom selbst geschrieben wurde, nicht möglich; an der dritten Stelle ist zu patriae aus dem Zusammenhange meae oder nostrae zu ergänzen. ³) Die zweite Stelle würde in ihrer Bedeutung für unsere Frage verstärkt, wenn IV 718 die Lesart urbis (andere orbis) pater richtig ist, die Bechert in seine Ausgabe aufgenommen hat(Pingré folgend).

War der Verfasser der Astronomica ein Römer, so verstehen wir leicht folgende Tat- sachen, für die wir bei den Gelehrten, die ihn für einen Ausländer halten, keine rechte Er- klärung finden:

1. Seine Außerungen über Germanien I 896 fl, III 633, IV 692, 715, 794(Teque feris dignam tantum, Germania, matrem);) für einen afrikanischen oder asiatischen Provinzialen wäre bes. die Anrede in IV 794 höchst auffällig.

2. Die Art und Weise, wie er die römische Sprache der griechischen(II 888) gegenüber- stellt und wie er fremde Bezeichnungen und Wörter, besonders technische Ausdrücke in sein Werk aufnimmt. Hierbei befolgt er die Gewohnheit anderer römischer Schriftsteller, Prosaiker und Dichter: II 897, 909, 916, 937; III 36 ff; IV 818, 848; V 645, vgl. z. B. Lucret. de rer. nat. ed Lachmann 1871, III 210.

3. Er ist in der römischen Literatur und wie die anderen zeitgenössischen römischen Dichter auch in der griechischen Literatur wohl bewandert und ist stolz darauf, daß er zZuerst unter den Römern die astrologische Lehre in Versen zur Darstellung gebracht hat.