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der Unkenntnis der einfacheren Erſcheinung, oder in der Unfähigkeit zu abſtrahieren, oder in der Unfähigkeit eine längere Schlußkette zu überblicken und zuſammenzuziehen.
In den Darſtellungen der Phyſik wird zur Zeit nur das Geſetz äußerlich vor der übrigen Entwickelung hervorgehoben, und der ſich wiederholende Denkprozeß ſoll in der Induktion des Geſetzes beſtehen, die auf Grund einer Reihe von Thatſachen erfolgt. Die Induktion umfaßt aber nur einen ganz geringen Teil der vorkomm enden Denkoperationen. Viel häufiger kommt das deduktive Denken zur Anwendung, und gerade bei der Deduktion könnte vielleicht der logiſche Zuſammenhang in ſchärferer Weiſe zur Darſtellung kommen, denn der Vorzug, den die Phyſik den übrigen Erfahrungswiſſenſchaften gegenüber hat, liegt in dem Umſtande, daß die Geſetze und Erſcheinungen ſich vielfach als die Folgen aus einfachen Vorausſetzungen ableiten laſſen. Der Glaube an die Richtigkeit der mathematiſchen Sätze beruht darauf, daß ſich dieſelben auf Grund einer geringen Anzahl von Axiomen beweiſen und empiriſch prüfen laſſen. Die empiriſche Prüfung wird aber ganz übergangen, weil weder in die Richtigkeit der Axiome noch in die Richtigkeit des Schlußverfahrens ein Zweifel geſetzt wird. Der Satz z. B., daß die Volumina von Kegel, Kugel und Cylinder bei gleicher Grundfläche und Höhe im Verhältnis 1: 2: 3 ſtehen, läßt ſich empiriſch mit der Wage durch Gewichtsbeſtimmung, oder durch Beſtimmung des Rauminhaltes entſprechen⸗ der Hohlkörper feſtſtellen, aber von dieſer empiriſchen Beſtätigung ſieht man ab.
Die Ueberzeugung von der Richtigkeit vieler phyſikaliſchen Geſetze beruht auch darauf, daß ſich die⸗ ſelben aus einfachen Erſcheinungen und Vorausſetzungen ableiten laſſen unter Ausſchluß aller empiriſchen Hilfsmittel nur durch das Schlußverfahren mit gelegentlicher Benutzung der geometriſchen Conſtruktion und der Rechnung. Von einer empiriſchen Beſtätigung durch das Experiment wird aber ſelbſt in den Fällen, wo die Vorausſetzungen feſtſtehen, wo demnach wie in der Geometrie das Experiment logiſch überflüſſig iſt, nicht Abſtand genommen, weil der Phyſik auch noch die Aufgabe zufällt, ſoviel als möglich, die Sinneswahrnehmung in Thätigkeit zu ziehen.
Aber die Sinneswahrnehmnung alſo jede Beobachtung iſt keine geiſtige Thätigkeit, die mit dem Denken in Gegenſatz tritt. Die Beobachtung iſt nicht reine Receptivität ſondern immer mit einem Akt der Denk⸗ thätigkeit verbunden. Wenn dieſelbe aber in Gegenſatz zu dem Denken geſtellt wird, dann bezieht ſich der Gegenſatz nur auf die Objekte, denen ſich das Denken zuwendet. Die Objekte des Denkens überhaupt ſind entweder die concreten Außendinge, oder es ſind concrete Vorſtellungen der Phantaſie, oder abſtracte Begriffe. Soweit ſich das Denken den inneren Vorſtellungen zuwendet, ſteht es im Gegenſatz zu dem Denken, das ſich bei der Sinneswahrnehmun g bethätigt. Die mangelhafte Auffaſſung der Sinneswahr⸗ nehmungen iſt daher nur, wie die Unfähigkeit abſtracte Begriffe zu bilden, ein logiſcher Fehler. Sie beſteht in der Unfähigkeit von dem ſonſtigen Inhalt des Bewußtſeins zu abſtrahieren und die Objekte der Sinne einer Apperception zu unterziehen.
Was ſich im phyſikaliſchen Unterricht der Sinneswahrnehmung darbietet, ſind zunächſt die Apparate. Die Erſcheinungen treten nur ſelten mit ſinnlicher Lebhaftigkeit hervor, ſo daß ſie, wenn die Aufmerkſam⸗ keit nicht abſichtlich auf ſie gerichtet wird, in den meiſten Fällen überſehen werden.
Es wird aber immer wieder als die einzige formale Seite des phyſitaliſchen Unterrichtes die Uebung im Beobachten hingeſtellt, als ob eine Beobachtung möglich wäre, ehe irgend welche Vorſtellungen vor⸗ handen ſind, welche der Beobachtung eine beſtimmte Richtung anweiſen. Selbſtverſtändlich hat das wirklich Geſehene und Erlebte einen höheren Wert, als wenn dasſelbe nur in der Phantaſie entworfen wird, weil hierdurch lebhaftere und richtigere Vorſtellungen zu ſtande kommen. Es iſt im allgemeinen auch leichter, ſich irgend eine Vorſtellung durch die mehr receptive Anſchauung zu bilden, als dieſelbe Erkenntnis durch die Bethätigung der Phantaſie zu ſtande zu bringen.


