— 11—
Da der Strom bewegend auf die Magnetnadel wirkt wie ein anderer Magnet, und da ein anderer Magnet in weichem Eiſen durch Influenz Magnetismus hervorruft, ſo konnte vermutet werden, daß auch durch den Strom in weichem Eiſen Magnetismus hervorgerufen werde, und dieſe Vermutung fand dann ihre Beſtätigung in der Entdeckung des Elektromagnetismus, die Arago und Faraday verdankt wird. Wenn aber der elektriſche Strom fähig iſt Magnetismus zu erregen, ſo folgt durch Umkehrung der Cauſalreihe, daß auch der Magnetismus im ſtand ſei, Strom zu erregen, welche Annahme zur Entdeckung der Magnetinduktion führte.
Auf der vorher feſtgeſtellten Umkehrbarkeit eines doppelten Cauſalverhältniſſes beruht dann auch die Erfindung der Dynamomaſchine. Wenn nämlich der Strom Magnetismus erzeugt und dadurch die Rotation von Magneten hervorbringt, dann ergiebt die Umkehrung derCauſalreihe, daß die Rotation von Magneten durch Influenz in weichem Eiſen Magnetismus und damit in den umgebenden Drahtrollen Strom hervorbringt. Die Umkehrung des Cauſalverhältniſſes iſt im allgemeinen nicht erlaubt. Auf eine ſchwere Kugel, die auf eine eindrückbare Unterlage gelegt wird, folgt eine Vertiefung, aber umgekehrt folgt auf die Vertiefung nicht die Kugel, oder um ein anderes Beiſpiel zu wählen, wenn eine Kugel durch den galvaniſchen Strom auf einer kreisförmigen Rinne in Umlauf geſetzt wird(Gores rotierende Kugel), dann wird nicht umgekehrt durch die Rotation der Kugel ein Strom erzeugt. Immerhin iſt aber die Umkehrung des Cauſalverhältniſſes eine Forſchungsmaxime, welche den Uebergang zu einer neuen Ent⸗ deckung bilden kann.
Die Apparate ſind als Erfindungen und Conſtruktionen ebenfalls Erzeugniſſe einer Syntheſe, aber das Ziel dieſer Syntheſe iſt nicht die Hervorbringung einer neuen Erſcheinung, ſondern eine Vereinigung verſchiedener Bedingungen, die eine ſonſt bekannte Wirkung in einer einem beſtimmten Zweck entſprechenden Weiſe ſicher hervorbringen. Daß der galvaniſche Strom Magnetismus errege, und daß ein Magnet be⸗ wegend auf einen Anker einwirke, waren bekannte Erſcheinungen, welche die Veranlaſſung zur Conſtruktivn verſchiedener Apparate, wie Telegraph, elektriſche Schelle, Elektromotor u. ſ. w. wurden. Das übliche Verfahren die Apparate zu erklären geſchieht in der Form der Analyſe, indem der Apparat zuerſt nach ſeiner Zuſammenſetzung beſchrieben, und dann die cauſale Erklärung, wie und durch welche Vorgänge die Teile auf einander wirken, gegeben wird. Allein die Apparate ſind doch keine gegebenen Naturobjekte wie Pflanzen und Tiere, ſondern Kunſtprodukte, Erfindungen, Conſtruktionen.
Vor dem Apparat iſt der Zweck gegeben, dem er zu dienen hat, und deshalb iſt es richtiger, den Apparat aus dem Zweck, dem er entſprechen ſoll, zu conſtruieren.
Dieſes Verfahren iſt aber ſynthetiſch und entſpricht dem Gang, wie die Erfindung zu ſtande kam. Auch tritt dabei mit Deutlichkeit der Unterſchied zwiſchen den weſentlichen und unweſentlichen Teilen hervor, woraus es ſich erklärt, weshalb ein Apparat oft die verſchiedenartigſten Conſtruktionen zuläßt.
Wie aus dem Zweck, welchem ein Apparat entſprechen ſoll, ſich die Conſtruktion desſelben ergiebt, ſei an einem beſtimmten Fall ausgeführt. Die Erzeugung der Induktionsſtröme verlangte eine raſch abwechſelnde Unterbrechung und Schließung des primären Stroms. Nachdem dies zunächſt durch das Blitzrad, welches mit der Hand gedreht wurde, ſich erreichen ließ, kam man auf den Gedanken, den primären Strom ſelbſt zur Erzeugung einer Bewegung, die das gleiche bewirkt, zu verwenden. Man ſuchte alſo einen ſelbſtthätigen Stromunterbrecher herzuſtellen. Es war dies erreicht, wenn es gelang, einen Teil des Stromkreiſes an der Unterbrechungsſtelle in eine ſchwingende Bewegung zu verſetzen, ſo daß durch dieſe Bewegung der Strom unterbrochen und geſchloſſen wurde. Die Kraft, welche den ſchwingenden Teil nach der einen Seite treibt und den Strom etwa ſchließt, kann durch die Elaſticität desſelben be⸗ wirkt werden, und es handelt ſich jetzt darum im Moment, wo der Stromſchluß eintritt, eine Gegenkraft


