neten Experimente der Beobachtung zeigten. Dieſe Thatſache, daß durch den Contact der Metalle Elektricität erregt werde, die zunächſt nur zur Erklärung der Beobachtung Galvanis feſtgeſtellt wurde, erwies ſich von Grund legender Bedeutung für ein ganz neues Gebiet von Erſcheinungen, was die Unter⸗ ſuchung urſprünglich nicht beabſichtigt hatte.
Es iſt alſo ein Unterſchied, ob die Syntheſe nur den Zweck verfolgte, die Ergebniſſe der Analyſe auf ihre Richtigkeit zu prüfen, oder ob die Syntheſe die Entdeckung neuer Erſcheinungen und Erſcheinungs⸗ gebiete ſich als Ziel geſetzt hatte. Wenn die Unterſuchung auf die abſichtliche Entdeckung eines neuen Gebietes von Erſcheinungen ausging, dann mußten ſelbſtverſtändlich auch gewiſſe Vermutungen vorliegen, wie die neuen Erſcheinungen beſchaffen ſein würden, denn die Zuſammenſetzung gewiſſer Bedingungen, womit die Unterſuchung begann, erfolgte immer auf Grund einer Vermutung, worin etwa die neue Erſcheinung beſtehen werde, wenn dieſe Vermurung auf noch ſo unbeſtimmt und allgemein gehalten war. Derartige Entdeckungen kamen vielfach dadurch zu ſtande, daß gewiſſe Gruppen von Erſcheinungen nach Analogie anderer vorausgeſagt werden konnten, nachdem dieſe Analogie für einzelne Fälle erkannt worden war. Weil die Wärme wie das Licht von den Körpern in gerader Linie ausſtrahlt und auch reflectiert wird, ſo kam Melloni auf den Gedanken, daß dieſe Erſcheinungen in allen Einzelheiten ſo ſeien, wie die des Lichtes, und daß auch die übrigen Erſcheinungen, die beim Licht zu beobachten waren, wie die Brechung, die prismatiſche Zerlegung, die Beugung ſich bei der ſtrahlenden Wärme hervorrufen laſſen müßten. Ganz dieſelbe Vorausſetzung lag den Unterſuchungen von Hertz zu Grunde. Von der Annahme ausgehend, daß die Fernewirkung der elektriſchen Kräfte nach Art des Lichtes als eine Wellenbewegung des Aethers erfolge, war ſein Beſtreben darauf gerichtet, die für die Lichtſtrahlen geltenden Erſcheinungen der Reflexion, Brechung u. ſ. w. auch für die Strahlen der elektriſchen Kraft herzuſtellen. In dieſer ſynthetiſchen Weiſe ſind auch die Entdeckungen Faradays zu ſtande gekommen. Keine ſeiner Entdeckungen verdankt ihren Urſprung dem blinden Zufall, ſondern er ging immer von Vorausſetzungen ſehr allgemeiner Art aus, und wenn er eine Unterſuchung in Erwartung auf gewiſſe Gegenſtände in Angriff nahm, ſo vermochte er ſeinen Geiſt frei zu erhalten, ſo daß ihm auch andere als die erwarteten Ergebniſſe wegen dieſer Voreingenommenheit nicht entgingen. Gerade für die Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektricität läßt es ſich verfolgen, wie auf Grund einer Analogie, oder durch Umkehrung der Cauſalreihe, oder durch Anwendung des für Kräfte geltenden Satzes der Wechſelwirkung, daß jeder Wirkung auch eine Gegenwirkung correſpondiere, die Entdeckung einer neuen Gruppe von Erſcheinungen möalich war.
Durch die Beobachtung von Oerſted war nämlich die bewegende Wirkung des galvaniſchen Stroms auf die Magnetnadel feſtgeſtellt worden. Hieraus ergab ſich dann nach dem Geſetz der Wechſelwirkung, daß umgekehrt auch ein Magnet auf einen beweglichen Stromleiter eine bewegende Wirkung ausüben müſſe. Durch Ampere wurde dieſe Vermutung als richtig nachgewieſen. Weil jetzt ſowol zwei Magnete, wie auch ein Magnet und ein Stromleiter eine bewegende Wirkung ausübten, ſo lag der Gedanke nahe, daß auch in dem letzten noch möglichen Fall nämlich bei zwei Stromleitern eine bewegende Wirkung wahrzunehmen ſei, welche Vermutung ebenfalls durch Ampere ihre Beſtätigung fand. Ferner hatte man auf dem Gebiet der Reibungselektricität nicht nur die gegenſeitige Anziehung und Abſtoßung der durch Mitteilung elektri⸗ ſierten Körper beobachtet, ſondern auch in den Influenzerſcheinungen die Erzeugung der Elektricität durch Fernewirkung wahrgenommen, deshalb war zu erwarten, da man auch bei den beweglichen Stromleitern der galvaniſchen Elektricität eine Anziehung und Abſtoßung feſtgeſtellt hatte, daß auch der galvaniſche Strom in anderen Leitern einen Strom erzeugen müſſe. Dieſe Vermutungen führten Faraday zur Entdeckung der elektriſchen Induktionserſcheinungen.


