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zeigen. Es liegt keine Veranlaſſung vor, eine Thatſache, für die eine Erklärung zu ſchwierig oder überhaupt nicht zu geben iſt, aus dieſem Grunde zu übergehen, wenn ſie für ſich Intereſſe erregt oder ſonſt von Bedeutung iſt. In logiſcher Beziehung ſind dieſe unerklärten Erſcheinungen inſofern von Nutzen, als hierdurch der Unterſchied zwiſchen der Beſchreibung und der cauſalen Erklärung zum Bewußtſein gebracht wird.
Gewöhnlich wurde ein neues Gebiet von phyſikaliſchen Unterſuchungen durch die Analyſe gewiſſer Erſchei⸗ nungen eröffnet, die ſich vielfach oder zufällig in der Natur der Beobachtung darboten und zu einer Frageſtellung Anlaß gaben. Es konnte aber auch ſein, daß auf Grund anderer Erſcheinungen und auf Grund von allge⸗ meinen Vorausſetzungen beſtimmte Vermutungen aufgeſtellt wurden, die unter Benutzung von experimentellen Hilfsmitteln zur Entdeckung einer neuen Gruppe von Erſcheinungen führten. Im Anfangsſtadium der Wiſſen⸗ ſchaft war natürlich der Ausgang von gewiſſen in der Natur gegebenen Erſcheinungen der vorherrſchende. Die Unterſuchung knüpfte zunächſt an diejenigen Erſcheinungen an, die ſich fortgeſetzt der Beobachtung aufdrängten. Es gehören dahin die beſchleunigte Fallbewegung, die krummlinige Bahn geworfener Körper, die Bewegungen der Himmelskörper, die Spiegelbilder, gewiſſe Brechungserſcheinungen, wie die eines im Waſſer gebrochenen Ruders, der Regenbogen u. ſ. w.
Dieſe Erſcheinungen wurden bereits frühzeitig einer vielfach ungenauen Beſchreibung unterzogen, aber es dauerte ſehr lange, bis es gelang dieſe complexen Erſcheinungen nach ihrem Cauſalzuſammenhang zu entwirren.
Im Gegenſatz zu dieſen Erſcheinungen, die man ſtets vor Augen gehabt hatte, ſtanden andere, die nur unter zufälligen Umſtänden beobachtet wurden, ſo daß die Entdeckung derſelben weſentlich dem Zufall verdankt wird. Es gehören dahin die Beobachtung der Farbenzerſtreuung in Glasecken, die Doppelbrechung, die Eigenſchaft des Bernſteins und der Magnetnadel, die Fluorescenz. Während in dieſen Fällen die Beobachtung an gewiſſen zufällig vorhandenen Körpern gemacht wurde, konnte auch die Zuſammenſtellung gewiſſer Bedingungen die Veranlaſſung zu einer nicht beabſichtigten Beobachtung geben. Eine derartige Zuſammenſtellung gewiſſer Umſtände war vorhanden, als Oerſted die Ablenkung der Magnetnadel durch den Strom beobachtete, ferner bei der Entdeckung Galvanis, bei der der Beugungserſcheinungen, der Frauenhoferſchen Linien, der Polariſation durch Spiegelung u. ſ. w. Die Erſcheinungen, wie ſie ſich entweder fortgeſetzt oder zufällig der Beobachtung darboten, waren ſtets complexer Art und damit war der Anlaß für eine Beſchreibung und Erklärung gegeben.
In einem gewiſſen Gegenſatz zu den zufällig gemachten Beobachtungen ſtehen jene Fälle, bei welchen beſtimmte Vermutungen über ein noch unbekanntes Gebiet von Thatſachen abſichtlich aufgeſucht werden konnten. Mit der Ausbildung der Wiſſenſchaft wurde dies mehr und mehr die Art, zu neuen Entdeckungen zu kommen, ohne daß jedoch die zufälligen Beobachtungen ganz aufhörten. Je nach dem verſchiedenen Grad der Klarheit und Beſtimmtheit, den dieſe Vermutungen hatten, war natürlich der Gang, den die Unterſuchung zu nehmen hatte, mehr oder weniger geregelt. Die Vermutungen bezogen ſich entweder auf gewiſſe Vorausſetzungen, die bei der Erklärung einer Erſcheinung gemacht wurden, und die nachträglich als Thatſachen zu beſtätigen waren, oder ſie bezogen ſich auf gewiſſe neue fundamentale Erſcheinungen, durch deren Entdeckung ein neues Gebiet von Erſcheinungen eröffnet wurde. Für dieſe Gruppe von Er⸗ ſcheinungen war aber die Unterſuchungsmethode nicht mehr die analytiſche, ſondern zunächſt die ſynthetiſche, indem es darauf ankam, die Bedingungen zuſammenzuſetzen, unter welchen die vermutete Erſcheinung zu ſtande kommt.
Dieſe Unterſuchungsmethode fand ihr Hilfsmittel in der Anwendung des Experimentes. Die Be⸗ deutung des Experimentes war alſo eine doppelte, einmal war es inſofern von Bedeutung, als es die


