Aufsatz 
Der logische Zusammenhang in der Physik / von K. Kost
Entstehung
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ſtellen ſind, nämlich einmal die Annahme, daß alle Körper Licht ausſtrahlen, und dann die Vorausſetzung, dieſes Licht werde von dem Spiegel zurückgeworfen. Läßt man die Sonnenſtrahlen in ein dunkeles Zimmer einmal auf eine weiße Wand und dann auf einen Spiegel fallen, dann ſind dieſe beiden Vermutungen direkt als Thatſachen zu beobachten, indem die vom Sonnenlicht getroffene Stelle der weißen Wand das Zimmer beleuchtet und der Spiegel das Licht in beſtimmter Richtung reflectiert, wie an dem Gang der Lichtſtrahlen in dem Staub des Zimmers zu ſehen iſt.

Bei einer derartigen Analyſe findet fortgeſetzt im Intereſſe der Darſtellung eine Bildung von Begriffen ſtatt, die durch Definitionen beſtimmt und ſprachlich beſonders bezeichnet werden, indem gewiſſe Beſtand⸗ teile, die ſich aus der Analyſe ergeben, zu einem Begriff zuſammengefaßt werden. In dem angeführten Beiſpiel entſteht in dieſer Weiſe der Begriff ebener Spiegel, Symmetrie, Reflexion, einfallender und reflectierter Strahl u. ſ. w. Das Verfahren bei dieſer Art der Begriffsbildung wird die iſolierende Abſtraction genannt im Gegenſatz zur generaliſierenden Abſtraction, die zu Gattungsbegriffen und Regeln und in der Phyſik ſpeziell zu Geſetzen führt. Das Weſen der iſolierenden Abſtraction beſteht darin, daß gewiſſe Beſtandteile, die ſich aus der Analyſe ergeben, eliminiert und die übrig bleibenden als Elemente eines Begriffs feſtgehalten werden. Dieſes Verfahren begleitet fortgeſetzt die Analyſe, indem gewiſſe Beſtandteile, in welche die Analyſe die Erſcheinung zerlegt hat, als Objekte der Begriffsbildung ſich darbieten.

Ein anderes Beiſpiel zur Erläuterung des Gangs der Analyſe möge die Beobachtung Galileis an einer Saugpumpe in Florenz bilden, welche die Veranlaſſung zur Entdeckung des Luftdrucks gab. Die Beſchreibung umfaßte die allgemeine Conſtruktion der Saugpumpe und die Angabe, daß bei Anwendung derſelben das Waſſer nur bis zu einer beſtimmten Höhe ſteigt. Die cauſale Erklärung, die bei geringer Steighöhe mit dem vorausgeſetzten Abſcheu vor dem leeren Raum ſich geben ließ, erwies ſich bei der vorliegenden Beobachtung, nach welcher die Steighöhe eine feſtliegende Grenze hatte, als unhaltbar und führte zur Vermutung, daß vielleicht die Luft Gewicht habe, und daß die auf der Erde ruhende Luftſäule durch ihr Gewicht das Waſſer bis an die beſtimmte Stelle in die Höhe treibe. Die Annahmen von dem Gevicht der Luft für ſich und von dem großen Druck der Luft auf die Erde waren Vorausſetzungen, die ſich der unmittelbaren Beobachtung entzogen. Dieſe Vorausſetzungen wurden dann zunächſt durch den Toricelliſchen Verſuch beſtätigt und dann nach der Erfindung der Luftpumpe durch den Verſuch mit den Magdeburger Halbkugeln und durch die Gewichtsbeſtimmungen der Luft als Thatſachen in überzeugender Weiſe ſicher geſtellt.

Es giebt auch Erſcheinungen, die eine einſtweilige Beſchränkung der Analyſe auf die Beſchreibung gebieten, weil entweder die Erklärung zu ſchwierig oder zur Zeit noch ſtreitig iſt. Eine Erſcheinung dieſer Art iſt die Doppelbrechung bei einem Kalkſpathrhomboeder. Außer den geometriſchen Verhältniſſen des Rhomboeders zeigt die Beſchreibung, wie der Lichtſtrahl in zwei Strahlen zerfällt, von denen der eine bei ſenkrechter Incidenz auf die Grenzfläche ungebrochen hindurchgeht, während der andere in einer beſtimmten Ebene verſchoben iſt. Aber die Erklärung dieſer Erſcheinung, wie ſie durch die Hugyensſche Conſtruktion zunächſt geometriſch und dann durch Fresnel auch phyſikaliſch gegeben wurde, entzieht ſich ſelbſtverſtändlich wegen ihrer Schwierigkeit der Behandlung. Ein anderer Fall, in welchem man ſich auf die Beſchreibung zu beſchränken hat, ſind vielfach die Erſcheinungen aus der phyſiologiſchen Optik, wie z. B. die Erſcheinungen des ſimultanen Contraſtes bei farbigen Schatten u. ſ. w. Da für dieſe Erſcheinungen überhaupt keine phyſikaliſche Erklärung gegeben werden kann, ſondern nur eine pſychologiſche, die aber zur Zeit noch nicht feſtſteht, ſo iſt auch hier die Beſchränkung auf die Beſchreibung geboten, die in der Angabe der allgemeinen Umſtände beſteht, unter welchem dieſe Contraſterſcheinungen ſich