Aufsatz 
Der logische Zusammenhang in der Physik / von K. Kost
Entstehung
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es auffällig, daß bei der praktiſchen Anwendung ihr Nutzen ſo völlig gleich null iſt. Es iſt daher ſonder⸗ bar, wie trotz dieſes Mißerfolgs der Glaube an den Nutzen der logiſchen Geſetze ſich aufrecht erhalten konnte.

Hier ſteht, wie es ſcheint, die ſeitherige Erfahrung mit einem Poſtulat in Widerſpruch. Nach der ſeitherigen Erfahrung ſcheint wirklich der praktiſche Nutzen, den man aus der Logik ziehen kann, ſo gering zu ſein, daß ſie nur Anſpruch auf einen theoretiſchen Wert hat als eine beſtimmte Art von Erkenntniſſen. Aber andcrerſeits muß man doch von einer Lehre, welche die Geſetze für das Denken enthalten will, verlangen, daß dieſe Geſetze auch auf gegebene Fälle anwendbar ſeien, womit für die Wiſſenſchaft wie für das tägliche Leben viel gewonnen wäre. Daher iſt der Zweifel berechtigt, ob dieſe allgemeinen Formen und Normen für das Denken wirklich das ſind, wufür ſie ausgegeben werden. Die Formen der elementaren Logik, wie die Einteilung der Begriffe in über⸗ und untergeordnete, die Einteilung der Urteile nach Quamtität und Qualität, der Schluß mit ſeinen Figuren u. ſ. w. beziehen ſich auf das verſchiedenartigſte und ſind daher die letzten Elemente, in welche ſich die Denkthätigkeit auflöſen läßt.

Aber wie Leben und Verkehr beſtimmte Formen hat, und wie gerade die Kenntnis der ſpeziellen Formen unter Umſtänden von Nutzen iſt, ſo hat auch das Denken auf einem beſtimmten Gebiet ſeine ſpeziellen Formen, deren Kenntnis für das beſtimmte Gebiet vielleicht mehr Nutzen gewährt, als die allgemeine Logik. In dieſem Sinne laſſen ſich die angeführten Klaſſenbegriffe der Beſchreibung und Erklärung, der Induction und Deduction, der Erfahrungserkenntnis und der Hypotheſenbildung, der thatſächlichen Wahrnehmung und der Vermutung als ſpezielle Formen des Denkens auffaſſen. Sie ſind erhalten durch Analyſe und Abſtraction aus dem, was ſpeziell als Inhalt der Phyſik vorliegt. Aber die Analyſe iſt nicht vollſtändig zu Ende geführt, ſondern bleibt bei dieſen zuſammengeſetzteren Denkformen ſtehen, weil dieſe vielleicht mehr praktiſchen Nutzen gewähren, wie die letzten Elemente der Denkthätigkeit Selbſtverſtändlich ſind dieſe Elemente in jenen als Beſtandteile enthalten. Jede Beſchreibung, Induction, Vermutung u. ſ. w. ſetzt ſich zuſammen aus Urteilen, die aber nicht iſoliert daſtehen, ſondern ſtets im Zuſammenhang mit andern durch Schlüſſe verbunden ſind. Ganz ſelbſtſtändig treten ſie nur ſelten auf, gewöhnlich iſt jedes Urteil die Begründung anderer, die Conſequenz aus anderen.

Mit dem folgenden ſei der Verlauf, wie dieſe Formen für ein beſtimmtes Gebiet von Erſcheinungen auf einander folgen, im allgemeinen geſchildert.

Den Ausgangspunkt bildet die Beobachtung. Dieſelbe muß aber eine genaue und ins einzelne gehende Analyſe ſein, und aus der Zuſammenfaſſung dieſer Einzelheiten der Beobachtung entſteht die Beſchreibung. Bei der Beſchreibung bleibt indeſſen die Unterſuchung nicht ſtehen, es handelt ſich jetzt darum, die Einzelheiten der Beobachtung in einen urſächlichen Zuſammenhang zu bringen. Darin beſteht die Aufgabe der Erklärung. Die Erklärung veranlaßt aber vielfach, um einen vollſtändigen Zuſammenhang zu erhalten, die Aufſtellung gewiſſer Vermutungen über Thatſachen, und erfordert dann die Beſtätigung dieſer Vermutungen.

Es kann aber auch ſein, daß ſich dieſe Vorausſetzungen eines Nachweiſes ihrer thatſächlichen Rich⸗ tigkeit überhaupt entziehen, aber trotzdem zur Erklärung der Erſcheinungen nötig ſind, dann liegt in dieſer Nötigung der Grund zur Bildung von Hypotheſen. Aus der Abändernng gewiſſer Bedingungen einer Erſcheinung ergiebt ſich eine Reihe coordinierter Erſcheinungen, deren gemeinſames die Induction eines Geſetzes veranlaßt. Von gewiſſen einfachen vernunftgemäßen Poſtulaten und Maximen ausgehend, erhält dann das Geſetz durch Deduktion ſeine Begründung. Inſolge des Charakters der Allgemeinheit, der dem Geſetz zukommt, umfaßt dasſelbe eine große Reihe von Erſcheinungen und führt ſo zur Deduktion von Erſcheinungen durch Unterſtellung unter das Geſetz. Sofern es ſich um die zweckmäßige Zuſammen⸗ ſetzung gewiſſer Bedingungen, die eine Erſcheinung hervorrufen, handelt, bethätigt ſich das Denken als Conſtruktion in der Erfindung von Apparaten.