Aufsatz 
Der logische Zusammenhang in der Physik / von K. Kost
Entstehung
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Gegen die übliche Ueberſchätzung der Induction haben ſich gerade namhafte inductive Forſcher ausgeſprochen wie Liebig.In den Naturwiſſenſchaften, ſagt er,iſt alle Forſchung deductiv oder aprioriſch; das Experiment iſt nur Hilfsmittel für den Denkproceß ähnlich wie die Rechnung, der Gedanke muß ihm in allen Fällen und mit Notwendigkeit vorausgehen, wenn es irgend eine Bedeutung haben ſoll. Eine empiriſche Naturforſchung in dem gewöhnlichen Sinn exiſtiert gar nicht. In gleichem Sinne äußert ſich Tyndall mit Beziehung auf Faraday.Man hat Faraday einen ausſchließlich inductiven Forſcher genannt. Ich fürchte, wenn Sie mir erlauben wollen, dies zu ſagen, daß in unſerem guten England eine große Menge von Unſinn geredet wird über inductives und deductives Verfahren, viele erklären ſich für Induction andere für Deduction, während der Beruf eines Forſchers wie Faraday in Wahrheit in einer ſteten Vereinigung beider Methoden beſteht.

Auf pädagogiſchen Gebiete hat dieſe Anſicht, wonach die Erfahrung die einzige Grundlage der Phyſik ſei, ihren Ausdruck gefunden in einer falſchen Auffaſſung über die Stellung, welche dem Experiment im Unterricht zukommt. Weil nämlich jede Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, ſo ſoll das Experiment in logiſcher Beziehung die Bedeutung als Quelle der Erkenntnis erhalten, ſo daß es für jeden einzelnen Fall den Ausgangspunkt bilde.

Die Erſcheinung, das Geſetz und die Urſache bezeichnen die Stufen, wie die Erkenntnis fortſchreitet. Die pädagogiſche Wichtigkeit des Experimentes liegt indeſſen nicht in der logiſchen Stellung, die es in der Gewinnung der Erkenntnis hat, ſondern ſeine Bedeutung liegt auf pſychologiſchem Gebiete.

Durch dasſelbe wird nämlich ſtatt eines dogmatiſchen Wiſſens ein erfahrungsmäßiges zu ſtande gebracht, bei welcher Art der geiſtigen Auffaſſung die Sinneswahrnehmung in Thätigkeit kommt. Wenn demnach in pſychologiſcher Beziehung das Experiment die erſte Stellung hat, ſo folgt daraus nicht, daß es in logiſcher Beziehung ſtets den Ausgangspunkt bilde, vielmehr iſt die Stellung des Experimentes je nach der verſchiedenen Art, wie die Erkenntnis gewonnen wurde, eine verſchiedene. Gewiſſe Experimente ſind natürlich auch logiſch das erſte, indem ſie die Ausgangspunkte für ein neues Gebiet von Erſcheinungen bilden, aber in den meiſten Fällen beſtand gerade das experimentelle Verfahren in einer Zuſammenſetzung gewiſſer Bedingungen, die zur Feſtſtellung einer vermuteten Thatſache erſonnen waren, und in dieſem Fall kam natürlich das Experiment an das Ende einer Unterſuchung zu ſtehen.

Infolge des Umſtandes, daß der Inhalt der Phyſik zum Teil der Erfahrung entnommen iſt, zum Teil auf Begriffsbildungen beruht, ſind die Methoden der Unterſuchung und der Erkenntnisgewinnung ſehr vielſeitig. Dieſe Vielſeitigkeit tritt zunächſt in den folgenden Gegenſätzen hervor. Bei den einzelnen Thatſachen treten diejenigen, die wirklich beobachtet werden, in Gegenſatz zu andern, die nur erſchloſſen ſind. Bei der Angabe der Einzelheiten einer Erſcheinung tritt die Beſchreibung in Gegenſatz zur Erklärung, die in der cauſalen Verbindung der Einzelheiten beſteht. Dem geſammten Erfahrungsinhalt ſtehen gegen⸗ über gewiſſe Poſtulate, Principien und Hypotheſen, die erſonnen ſind, um die Thatſachen in Zuſammen⸗ hang zu bringen, oder welche als Forſchungsmaximen zur Entdeckung neuer Thatſachen dienten. Die Geſetze unterſcheiden ſich hinſichtlich ihbres Urſprungs, je nachdem ſie ourch Induction aus einzelnen Er⸗ ſcheinungen oder durch Deduction aus gewiſſen Prinzipien gewonnen werden. Gewiſſe Erſcheinungen ſind in der Natur beobachtbar, während im Gegenſatz dazu andere nur durch zum Teil complicirte experi⸗ mentelle Hilfsmittel hervorgerufen werden. Mit dieſen Gegenſätzen iſt die Verſchiedenheit der allgemeinen Formen angedeutet, in denen ſich das Denken bewegt.

Nach der formalen Logik ſind Begriff, Urteil und Schluß die Elemente der Denkthätigkeit oder die allgemeinſten Formen des Denkens. Aber wenn die Logik, was eigentlich ſelbſtverſtändlich iſt, mit dieſen Elementen beſtimmte Normen für die Praxis des Denkens an allen beliebigen Gegenſtänden giebt, dann iſt