Aufsatz 
Bemerkungen über den fremdsprachlichen Unterricht im Realgymnasium / von Kortegarn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

veröffentlichten Berichte ſprechen ſich in übereinſtimmend günſtiger Weiſe über die praktiſche Er⸗ probung der Reformvorſchläge aus. Es liegen derſelben bis jetzt vier gedruckt vor: 1. von Gym⸗ naſiallehrer Dr. E. Naumann in der Zeitſchrift für das Gymnaſialweſen 1881 S. 193 ff. über die Erfahrungen am Kgl. Friedrich⸗Wilhelms⸗Gymnaſium in Berlin; 2. von Gymnaſialdirektor Hofrat Dr. G. Richter und den beiden Fachlehrern Dr. B. Ritter und Dr. O. Schrader in dem Programm des Gymnaſiums zu Jena 1881; 3. von dem Berner Gymnaſiallehrer Dr. Pfander in einer im Pädagogiſchen Archiv 1882, Heft 9 erſchienenen Abhandlungdie Perthes'ſchen Re⸗ formvorſchläge für den lateiniſchen Elementarunterricht gegenüber Theorie und Erfahrung, wo am Schluſſe über die am Gymnaſium in Bern erzielten Erfolge berichtet wird und der Gym⸗ naſiallehrer G. C. Hegg ſeine eignen Erlebniſſe mitteilt; 4. im Pädagogiſchen Archiv 1880 S. 508 ff. über die Erfahrungen an der Kortegarn'ſchen Realſchule in Bonn, wo die Perthes'ſchen Bücher auf Grund der Genehmigung des Herrn Miniſters vom 20. April 1876 bereits Oſtern 1876 Einführung gefunden hatten.

Dem Verfaſſer dieſes vierten Berichtes wurde 1880 die Leitung der Wöhlerſchule übertragen. Er trat ſein Amt mit der feſten Abſicht an, zunächſt den großen damals aus 23 Klaſſen be⸗ ſtehenden Organismus eingehend zu ſtudieren und an den beſtehenden Einrichtungen jedenfalls während des erſten Jahres womöglich Nichts zu ändern. Aber ſchon nach kurzer Zeit konnte er Auge und Ohr der Thatſache nicht verſchließen, daß die mit dem lateiniſchen Unterricht betrauten Kollegen mit den Reſultaten ihres Unterrichtes nicht zufrieden waren, daß die Erfolge in keinem richtigen Verhältnis zu der aufgewandten Mühe und Zeit ſtanden, und daß die Urſache dieſer Erſcheinung in den damals gebrauchten Lehrbüchern und der durch dieſelben bedingten Lehrweiſe lag. Die Wirkungen dieſes lateiniſchen Elementarunterrichtes zeigten ſich aber nicht nur in den lateiniſchen Stunden der mittleren und oberen Klaſſen, ſie beeinflußten auch die Leiſtungen im Franzöſiſchen und Engliſchen, wie durch die damals und ſeitdem zu beſtimmten Zeitpunkten in den drei fremden Sprachen in allen Klaſſen angefertigten und aufbewahrten Probearbeiten dar⸗ gethan werden kann. Nach eingehendſter Erwägung aller einſchlägigen Punkte kamen in den Fach⸗ konferenzen vom 16. und 23. November 1880 die vierzehn den Sprachunterricht an der Schule erteilenden Kollegen einſtimmig zu der Erklärung, daß die damals in Sexta und Quinta ge⸗ brauchten lateiniſchen Lehrbücher den Zwecken der Wöhlerſchule nicht mehr entſprächen, und daß an deren Stelle das lateiniſche Leſebuch nebſt der lateiniſchen Formenlehre und dem Vokabularium von Hermann Perthes zur Einführung vorzuſchlagen ſei, zu welcher Veränderung der Herr Miniſter auf Antrag des Kgl. Provinzial⸗Schulkollegiums in Kaſſel unter dem 21. Februar 1881 die Genehmigung erteilte. Mittlerweile hatte ſich der Akademiſche Lehrerverein mit der Ange⸗ legenheit beſchäftigt; er unterzog den Gegenſtand am 24. Februar 1881 einer Beratung, in deren Verlauf ein Schreiben des Direktors des Berliner Friedrich⸗Wilhelms⸗Gymnaſiums vor⸗ gelegt wurde, welches ſich nicht nur ſehr günſtig über die dort mit den Perthes'ſchen Büchern gemachten Erfahrungen ausſprach, ſondern auch hervorhob, daß die Lehrer nach denſelben im allgemeinen gern unterrichteten und wenn ſie von VI bis IV mit ihren Schülern aufgeſtiegen wären, bisher den Wunſch ausgeſprochen hätten, wieder in VI anfangen zu dürfen; es trat das Gymnaſium einerſeits und die Muſterſchule(Realgymnaſium) andererſeits der Frage näher;