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und es ergab ſich, daß die drei großen Doppelanſtalten Frankfurts, welche das Lateiniſche in ihrem Lehrplane haben, nämlich das Gymnaſium, die Muſterſchule und die Wöhlerſchule, gleich⸗ zeitig zu Oſtern 1881 die Perthes'ſchen Bücher einführten, nach welchen demnach zur Zeit hier in zwölf Klaſſen unterrichtet wird.
Es muß an dieſer Stelle darauf verzichtet werden, die Prinzipien der Perthes'ſchen Reform⸗ vorſchläge für den lateiniſchen Unterricht zu analyſieren und zu begründen: dieſelben ſind zudem den Fachgenoſſen zweifelsohne bekannt. Die oben angeführten fünf Abhandlungen von Perthes „Zur Reform ec.“, ſein„Begleitwort zur Cäſar⸗Wortkunde“ 1880, ſein Aufſatz über„Das Latein an der Realſchule und die Zulaſſung zum Medizin⸗Studium“(Päd. Archiv 1880) und die Vor⸗ rede zur 2. Auflage des Quinta⸗Kurſus des lateiniſchen Leſebuchs(1882, von der Weidmann'ſchen Buchhandlung beſonders zu beziehen) müſſen eben eingehend ſtudiert werden; ſie enthalten außer den Reſultaten umfaſſender philoſophiſcher und philologiſcher Forſchungen ſo viele wertvolle pſychologiſche und pädagogiſche Unterſuchungen, daß ſie einen weiteren Kreis intereſſieren dürften. Verfaſſer beſchränkt ſich hier darauf, auf Grund ſeiner eigenen Beobachtungen und Erfahrungen eine kurze Charakteriſierung der von Perthes durchgeführten Methode zu geben, behufs des Nach⸗ weiſes, wie ſie ſich in der Praxis geſtaltet.
Während nach dem bisher üblichen Verfahren eine Anzahl ohne innere Verbindung nur zum äußern Zwecke der Einübung grammatiſcher Schemata und Regeln zuſammengeſtellter Vokabeln vom Schüler memoriert und ebenſo zuſammenhangsloſe, ſofort ſchon auch aus dem Deutſchen ins Lateiniſche zu übertragende Sätze vorgenommen werden, macht Perthes das Leſebuch zum Aus⸗ gangs⸗ und Mittelpunkt des Unterrichts und beginnt mit dem lateiniſchen Satze. Durch Vor⸗ leſen und langſames wörtliches, nach Bedürfnis wiederholtes Vorüberſetzen des Lehrers erhält der Schüler für das zur beſſeren Kontrolle der geſamten Klaſſe auch bei geſchloſſenem Buche zu fordernde Nachſprechen, ſowie ſein unter ununterbrochener Leitung des Lehrers vor ſich gehendes Nachüberſetzen, das beſte Muſter und vermeidet zugleich die Fehler, die durch ſofortige ſich ſelbſt überlaſſene ſchriftliche Überſetzung entſtehen und, weil ohne gleich eintretende Verbeſſerung ſich immer wiederholend, nur ſchwer wieder zu beſeitigen ſind. Dann wird der Satz in ſeine Teile zerlegt und dieſe nach ihren Beziehungen in demſelben betrachtet. Es folgt Einüben der erklärten Formen, dann nochmaliges Vor⸗ und Nachüberſetzen. Nun erſt ſind beſtimmte, durch den Druck hervorgehobene Worte, zunächſt nur Primitiva, vom Schüler zu Hauſe zu memorieren. Hier zeigt ſich, welchen Vorteil es bringt, wenn das Wort mit anderen durch Begriffsverwandtſchaft oder grammatiſche Konſtruktion mit ihm verbundenen gelernt wird. Wenn dem blos aufnehmenden Gedächtnis das Wort entfallen iſt, ſchafft es der Schüler im Wege der Jeeenaſſoziation leicht wieder herbei und macht es ſich allmählich zum unverlierbaren Eigentum; das gewöhnliche Leben zeigt nicht minder in Hunderten von Exempeln den Wert einer rationellen mnemoniſchen Bei⸗ hülfe. Am folgenden Tage wird das durchgenommene Penſum auf dieſelbe Weiſe wiederholt und nunmehr für die dritte Unterrichtsſtunde eine mündliche Überſetzung als Ergebnis häuslicher Präparation verlangt; dieſe iſt, ebenſo wie das Einprägen der wenigen fettgedruckten Vokabeln mit Energie und ſelbſt Strenge zu fordern, überhaupt aber im ganzen Verlauf der Stunde un⸗ ausgeſetzt geſpannte Aufmerkſamkeit aller Schüler zu verlangen, die freilich weiterhin durch das


