Aufsatz 
Bemerkungen über den fremdsprachlichen Unterricht im Realgymnasium / von Kortegarn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

Unterrichts gekennzeichnet und auch wohl verurteilt. Hier liegt die wahre Urſache der Uberbürdung der Schüler, gegen welche mediziniſche Gutachten und Verwaltungsmaßregeln wenig, die verſtändnis⸗ volle Arbeit der Lehrer ſelbſt aber alles vermögen.

Es iſt eine erfreuliche Thatſache, daß ſolche Erkenntnis ſich in der Schulwelt immer mehr zu verbreiten beginnt. Je mehr es gelingt, in den Schulen die formale und materiale Bildung in das richtige Verhältnis zu ſetzen, deſto mehr wird bei den Schülern Intereſſe und Freudigkeit am Lernen wieder erwachen, deſto leichter wird es für ſie werden, mit geringerer Kraftaufwen⸗ dung zu beſſeren Reſultaten zu kommen; deſto gründlicher wird das Geſpenſt der Überbürdung von der Bildfläche verſchwinden.Luſt und Liebe ſind Fittige zu großen Thaten, das gilt vom Sextaner wie vom Primaner.

Das Verdienſt, nach dieſer Richtung hin entſchieden die Bahn gebrochen zu haben, gebührt dem Geheimen Hofrat und Gymnaſial⸗Direktor a. D. Dr. Hermann Perthes, der in ſeinen von 1873 bis 1876 erſchienenen AbhandlungenZur Reform des lateiniſchen Unterrichts auf Gymnaſien und Realſchulen¹) eingehend nachgewieſen hat, wie die Methode des lateiniſchen Unterrichtes allmählich auf Abwege geraten iſt, und dann ein Lehrſyſtem konſtruiert, welches in der Schulwelt ein immer lebhafter werdendes Intereſſe in Anſpruch nimmt. Seine Reformvorſchläge haben in zahlreichen Beſprechungen verſchiedener Zeitſchriften hohe Anerkennung gefunden, ſelbſt ihre Gegner erklären die ihnen zu Grunde liegenden Prinzipien für höchſt beachtenswert. So iſt es denn nicht zu verwundern, daß dieſelben in verhältnismäßig kurzer Zeit in eine Anzahl von Schulen Ein⸗ gang gefunden haben, und daß die nach ihnen gearbeiteten Übungsbücher für Sexta und Quinta ſchon in 2., die Formenlehre ſogar in 3. Auflage vorliegen. Nach den beſtehenden Vorſchriften iſt die Erſetzung eines Schulbuches durch ein anderes mit ziemlich viel Umſtänden verbunden; es muß zuerſt in konferenzmäßiger Beratung feſtgeſtellt werden, daß das abzuſchaffende Buch nicht mehr den Bedürfniſſen der betreffenden Schule genügt, das einzuführende dieſen vollauf ent⸗ ſpricht; Dauer des Gebrauches des alten und Preis des neuen fallen ins Gewicht; auf Grund motivierter Berichte und Gutachten beſtimmt dann das Provinzial⸗ Schulkollegium; iſt das vor geſchlagene Buch jedoch noch nicht an einer Schule der betreffenden Provinz eingeführt, ſo geht die Angelegenheit nach Berlin zur Entſcheidung des Unterrichtsminiſters. Es kann alſo ein neues Schulbuch nicht ohne die ſorgfältigſte bis in die höchſte Spitze der Unterrichtsverwaltung hinein⸗ reichende Unterſuchung ſeines Wertes in irgend eine Schule eingeführt werden: die Einführung allein iſt demnach ſchon die Anerkennung, daß es brauchbar und zweckmäßig iſt. Die von einzelnen der Lehranſtalten, in welchen die Perthes'ſchen Schulbücher ſeit einigen Jahren gebraucht werden,

¹) I. Über den Plan einer lateiniſchen Wortkunde im Anſchluß an die Lektüre und insbeſondere über den Kurſus in Tertia. 24 S.(Separat⸗Abdruck aus der Zeitſchrift über das Gymnaſialweſen 1873.) II. Desgl. über den Lurfus für Sexta. 32 S. Zuerſt erſchienen als Separat⸗Abdruck aus der Zeitſchrift über das Gymnaſialweſen 1874. 2. Aufl. 1880. III. Zur lateiniſchen Formenlehre. Sprachpiſſenſchaftliche Forſchungen und didaktiſche Vorſchläge. Erſte Hälfte. Zur regelmäßigen Formenlehre. VIII und 68 S. 1874. IV. Die Principien des Überſetzens und die Möglichkeit einer erheblichen Verminderung der Stundenzahl. VIII und 169 S. 1875. V. Erläuterungen zu meiner lateiniſchen Formenlehre. VIII und 175 S. 1876.