Aufsatz 
Bemerkungen über den fremdsprachlichen Unterricht im Realgymnasium / von Kortegarn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

und der ſtreng logiſchen Gliederung ſeines Satzbaues beſonders geeignet iſt. Es darf indes nur das Notwendigſte, feſt gewonnene Reſultate, mitgeteilt werden, dasjenige, was wirklich zur Verwendung kommt. Beim lateiniſchen Unterricht in der Sexta iſt auch der propädeutiſche Cha⸗ rakter deſſelben gebührend zu berückſichtigen. Es kommt darauf an, daß der Knabe durch ein möglichſt einfaches und regelmäßiges Verfahren befähigt werde, ſich überhaupt in eine fremde Sprache hinein zu denken, daß er ein Verſtändnis für grammatiſche Formen im allgemeinen bekomme. Der lateiniſche Lehrer der Sexta ſollte es im Auge halten, daß in der Quinta das Franzöſiſche, in der Unter⸗Tertia das Engliſche folgt, und daß er die gemeinſchaftliche Unter⸗ lage für beide Sprachen herzuſtellen hat. In der Sexta iſt im Lateiniſchen die regelmäßige Formen⸗ lehre zu erledigen; an ſie ſchließt ſich in Quinta die franzöſiſche regelmäßige Formenlehre, da⸗ neben als Neues die lateiniſche unregelmäßige, die ſich in Quarta im Franzöſiſchen wiederholt. Quarta und Tertia haben die lateiniſche Syntax, die im Franzöſiſchen der Tertia und Sekunda vorbehalten iſt. Nachdem im Lateiniſchen und dann im Franzöſiſchen bereits die regelmäßige und unregelmäßige Formenlehre, ſowie im Lateiniſchen auch der erſte Teil der Syntax vorge⸗ kommen, tritt in der Tertia im Engliſchen die regelmäßige und die unregelmäßige Formenlehre, die nun nicht mehr getrennt zu werden brauchen, und in der Sekunda die Syntax hinzu. Die Prima hat keinen Raum mehr für ſyſtematiſchen Unterricht in der Grammatik; man beſchränkt ſich auf durch das Bedürfnis zu beſtimmende Repetitionen; hinzu kommt für das Franzöſiſche die Stlliſtik. So findet ſich daſſelbe in ähnlicher Behandlung wiederholt und ſtets ſelbſtändig erweitert wieder; der Schüler wird angehalten, das ſchon Gelernte zwei Mal nach einander neuen Verhältniſſen anzupaſſen; durch die nicht ſchablonenmäßig, ſondern frei ſich bewegende Anwendung werden ſein Denkvermögen und ſein praktiſcher Sinn zugleich geſtärkt und erzogen, und er wird befähigt, in den oberen Klaſſen nicht nur auf dem ſprachlichen Gebiete ſich ſelbſtändig zurecht zu helfen, ſondern auch allen andern Aufgaben der Schule und des Lebens beobachtend und denkend ent⸗ gegen zu treten. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß der Lehrer in der Sexta bei der lateiniſchen Formen⸗ lehre die Schüler nicht auf das künftige Franzöſiſche der Quinta hinzuweiſen hat, aber er muß ſeinen Unterricht in dem Bewußtſein geben, daß Alles, was die Schüler bei ihm lernen, im nächſten Jahre im Franzöſiſchen verwertet werden wird. Ebenſo ſelbſtverſtändlich iſt es, daß beim franzöſiſchen Unterricht in der Quinta nicht mit Worten, wohl aber in der That fortwährend an das Lateiniſche in der Sexta angeknüpft werde. Damit dies richtig geſchehe, ſollten, und das nicht minder in den mittleren und oberen Klaſſen, wo die Technik des Unterrichts immer ſchwie⸗ riger wird, Lehrbücher und Überſetzungsſtoffe aus einem Guß gearbeitet ſein; ſollte, da nicht aller Unterricht in einer Hand liegen kann, ſich der eine Lehrer auf das Genaueſte mit der Lehrmethode, der Penſenverteilung und dem unterrichtlichen Fortſchreiten des Andern bekannt erhalten. Man wird vielleicht einwenden, das verſtehe ſich ja Alles ganz von ſelbſt: wer aber Gelegenheit hat, öfters durch eine große Doppelſchule mit Wechſelcoeten hoſpitierend von unten nach oben und von oben nach unten zu wandern, der wird finden, daß ſehr viel guter Wille und Selbſtbeſchrän⸗ kung unter allen Beteiligten, daß ein gutes kollegialiſches Einvernehmen, wo der Nachbar gern vom Nachbarn lernt, dazu gehören, um dieſe allerdings abſolut notwendige Einheit in der Me⸗ thode zu erzielen. Iſt dieſe Einheit aber vorhanden, ſo wird es nicht ſchwer ſein, den geſamten