Aufsatz 
Bemerkungen über den fremdsprachlichen Unterricht im Realgymnasium / von Kortegarn
Entstehung
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war, kaum imſtande; es fehlte an brauchbaren Schulbüchern, an der Füßhigkeit einesteils, ſich im Lateiniſchen von der althergebrachten gymnaſialen Lehrweiſe loszulöſen und eine organiſche Verbindung dieſes Unterrichtszweiges mit dem Franzöſiſchen und Engliſchen herzuſtellen, andernteils auf die bisher übliche mechaniſche und bloß auf Utilitätszwecke gerichtete Betreibung der neueren Sprachen zu verzichten und an ihre Stelle eine wiſſenſchaftliche und geiſtbildende Methode zu ſetzen. Es hat der ununterbrochenen Fürſorge der Staatsbehörden, großer Geiſtesarbeit der Univerſitätsdozenten, emſigen Studiums der beteiligten Lehrer, einer faſt vollſtändigen Um⸗ wälzung der Lehrmethode, der Umarbeitung der Schulgrammatiken, der Herſtellung von Schrift⸗ ſtellerausgaben bedurft, um den Intentionen von 1859 auf dem fremdſprachlichen Gebiete der Realſchulen zu genügen: die Leiſtungen der Realſchulen I. Ordnung, die Erfolge ihrer Abi⸗ turienten in den Univerſitäts⸗ und Staatsprüfungen, laſſen es deutlich erkennen, daß die außer⸗ ordentliche Rührigkeit aller Faktoren reiche Früchte getragen hat.

Die Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6. Oktober 1859 beſtimmte für die Real⸗ ſchulen erſter Ordnung:

[u. O. u. 5 u. O. Im AILE 1.. Gm

an wöchentlichen Unterrichtsſtunden(excl. Turnen und Singen) 30 31 32 32 12 32 32 32 32 285

davon für Sprachunterricht überhaupt. 1 12 15 14 16 16 14 14 13 13 127 und zwar für Deutſch 4 4 3 3 3 3 3 3 3 29 Latem........... 3 6 6 5 5 4 4 3 3 44 Franzbſiſch.......... 5 3 4 4 4 4 4 4 34 ihoh 1 3 3 3 20

VI v. IV. u. O u.

. I. fi. IL. I. I. Ganzer

an wöchentlichen Unterrichtsſtunden(exel. Turnen und Singen) 28 30 30 32 32 2 32 62 3 ae 2 280 davon für Sprachunterricht überhaupt..... 5 15 33 17 17 15 15 15 135

und zwar für Deutſch......... 3 3 3 3 5 3 3 3 27

Latein.e. 5 5 5 5 54

Franzöſtſeh......... 5 3 4 4 4 4 4ʃ4 34

. Geni 4 4 4 3 3 3 20

Zunächſt begrüßen wir die für die drei unteren Klaſſen eingetretene Verminderung der wöchentlichen Stundenzahl: Sexta 28 ſtatt 30, Quinta 30 ſtatt 31, Quarta 30 ſtatt 32. Wer ſich viel mit der Jugend beſchäftigt, wer, ſelbſt Kinder in den Schulen hat und ihre Tagesarbeit überwacht, der weiß, wie ſchwer auch nur eine einzige Unterrichtsſtunde mit Allem was damit zuſammenhängt, für einen neun⸗ oder zehnjährigen Knaben wiegt. Heutzutag wird ſchon in den unteren Klaſſen der höheren Schulen in jeder einzelnen Stunde tüchtig gearbeitet; es iſt da⸗ her auch jede einzelne Lektion mit geiſtiger Anſtrengung für den Schüler verbunden. Dazu kommt, daß der Eintritt in die Sexta, welcher früher zumeiſt erſt im Alter von 10 Jahren erfolgte, nun