Aufsatz 
Die Bildsäule des Bacchus von Uhland, nadowessische Todesklage von Schiller, Hochzeitslied von Goethe, für die Schule erklärt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Jagd, hier des Krieges. Aber dort mahnt zugleich das wehmuthhauchende Wo, wodurch an das Sonſt das Jetzt geknüpft iſt, daß Alles dahin, daß das Leben dem Tode gewichen, und wahrt ſo die Einheit der Darſtellung und des Charakters

derſelben.

Hochzeitlied von Goethe. (Bone, Leſeb. 2. Th. S. 319.)

1. Wir ſingen und ſagen vom Grafen ſo gern, Der hier in dem Schloſſe gehauſet, Da, wo ihr den Enkel des ſeligen Herrn, Den heute vermählten, beſchmauſet. Nun hatte ſich jener im heiligen Krieg Zu Ehren geſtritten durch mannigen Sieg; Und als er zu Hauſe vom Röſſelein ſtieg, Da fand er ſein Schlöſſelein oben, Doch Diener und Habe zerſtoben.

2. Da biſt du nun, Gräflein, da biſt du zu Haus, Das Heimiſche findeſt du ſchlimmer! Zum Fenſter da ziehen die Winde hinaus, Sie kommen durch alle die Zimmer. Was wäre zu thun in der herbſtlichen Nacht? So hab' ich doch manche noch ſchlimmer vollbracht, Der Morgen hat Alles wohl beſſer gemacht; Drum raſch bei der mondlichen Helle Ins Bett, in das Stroh, ins Geſtelle.

3. Und als er im willigen Schlummer ſo lag, Bewegt es ſich unter dem Bette. Die Ratte, die raſchle, ſo lange ſie mag! Ja, wenn ſie ein Bröſelein hätte! Doch ſiehe, da ſtehet ein winziger Wicht, Ein Zwerglein, ſo zierlich, mit Ampelen⸗Licht, Mit Rednergebärden und Sprechergewicht, Zum Fuß des ermüdeten Grafen, Der, ſchläft er nicht, möcht' er doch ſchlafen.

4.Wir haben uns Feſte hier oben erlaubt, Seitdem du die Zimmer verlaſſen, Und weil wir dich weit in der Ferne geglaubt, So dachten wir eben zu praſſen; Und wenn du vergönneſt, und wenn dir nicht

graut,

So ſchmauſen die Zwerge behaglich und laut Zu Ehren der reichen, der niedlichen Braut. Der Graf, im Behagen des Traumes:

Bedienet euch immer des Raumes!

5. Da kommen drei Reiter, ſie reiten hervor, Die unter dem Bette gehalten; Dann folget ein ſingendes, klingendes Chor Poſſierlicher kleiner Geſtalten; Und Wagen auf Wagen mit allem Geräth, Daß einem ſo Hören und Sehen vergeht, Wies nur in den Schlöſſern der Könige ſteht; Zuletzt auf vergoldetem Wagen Die Braut und die Gäſte getragen.

6. So rennet nun Alles in vollem Galopp Und kürt ſich im Saale ſein Plätzchen; Zum Drehen und Walzen und luſtigen Hopp Erkieſet ſich jeder ein Schätzchen. Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt, Da ringelt's und ſchleift es und rauſchet und wirrt, Dapiſpert's undkniſtert's undfliſtert's undſchwirrt; Das Gräflein, es blicket hinüber, Es dünkt ihn, als läg' er im Fieber.