Es ist wohl eine mit den Ergebnissen vergleichender Statistik völlig übereinstimmende Behauptung, die wir gelegentlich von wohlwollenden Beobachtern unserer siebenbürgisch-⸗säch- sischen Verhältnisse zu hören bekommen, dass unserem Volke ein zu seiner numerischen Bedeutung in vorteilhaftem Verhältnis stehender Perzentsatz eine höhere Bildung besitzender Faktoren nach- gerühmt werden müsse. Ebenso richtig scheint es uns andererseits zu sein, wenn wir behaupten, dass die intelligenten Kräfte, worüber unser Volk verfügt, im Allgemeinen nicht etwa als nur zufällig vorhanden oder zeitweilig gegeben zu betrachten sind, vielmehr bilden sie zusammen jenes Mass von Intelligenz, das zu besitzen wir im Interesse unseres Volkes für nötig erachten und welches wir hauptsächlich durch das Mittel unseres verhältnismässig wohlentwickelten Schul- wesens dem Volkskörper planmässig abzuringen bemüht sind. Territorial getrennt und isoliert, nur ideell geeinigt durch das lebendige Bewusstsein gemeinsamer Abstammung und den Besitz gemeinsamer Kulturgüter bilden die zerstreuten Teile unseres Volksganzen für sich wiederum kleinere, in sich geschlossene Organismen, die namentlich in unseren mit Mittelschulen ausge- statteten Städten ihre geistigen Zentren haben, woher ihnen die erhaltende Kraft höherer Bildung ununterbrochen zuströmt.
Liegt hierin schon ein hinreichender Erklärungsgrund für die relativ grosse Anzahl unserer Mittelschulen, so wird das lebhafte Interesse, welches wir für ihre Erhaltung hegen, um so be- greiflicher, wenn wir bedenken, dass die durch sie vermittelte Bildung keineswegs der ausschliessliche Besitz eines das gewöhnliche Durchschnittsmass der Volksbildung weit überragenden Gelehrten- oder Gebildetenstandes ist, dass sie vielmehr zufolge der gesamten Organisation unseres Volks- lebens und der hiedurch bedingten mannigfaltigen Teilnahme und Mitbethätigung unseres Bürger- und Bauernstandes an den Berufs- und Lebensidealen der höher gebildeten Stände von vielen Punkten aus bis in die tiefsten Schichten des Volkes hineingetragen wird, wie denn alle unsere Kultur- einrichtungen nebst ihrem besonderen Zwecke auch die Aufgabe haben, das unserem Volke schon zufolge seiner geschichtlichen Erlebnisse eingepflanzte, intensive Bedürfnis nach idealen Anregungen zu befriedigen. Darum ist kaum je ein Sohn unseres Volkes zu volkstümlicher Berühmtheit gelangt, dem es nicht vergönnt gewesen, in idealer Selbstbegeisterung für alles Hohe und Edle auch sein Volk anzufeuern und mitzureissen zu der Uberzeugung, dass Wissen und Bildung und ein tieffrommer Glaube jene Schätze seien, die dem Leben des Einzelnen wie Demjenigen eines ganzen Volkes seinen höheren Wert verleihen. Diese von unseren Gymnasien ausgehende Lichtwelle idealen Denkens ist daher ein allgemeines Kulturgut unseres Volkes, über dessen ganzes Dasein sie dahinflutet und man kann wohl sagen, dass wir ohne diese Schulen das Volk nicht wären, welches wir sind. Wie sie uns aber einerseits eine sichere Gewähr dafür bieten, dass unsere Gesamtkultur von ihrem Feingehalte nichts verliere, so erblicken wir andererseits mit Recht in ihnen ebensoviele, bewährte Stützen der weit zerstreuten, in ihrem nationalen Fortbestande vielfach bedrohten Volksteile. Wie begreiflich also unsere Sorge um ihre Erhaltung und Fortentwickelung.


