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ſchen, ſondern lediglich in Bezug auf die Juden und folglich in ſpezieller Anwendung auf den Gegenſtand der ganzen Erörterung aufzufaſſen. Der Artikel vor Adexic iſt demgemäß nicht etwa generiſch, ſondern individuell zu nehmen und bezeichnet mithin nicht die Ungerechtigkeit uͤberhaupt(71 α.☛eω α⁴ ααeν vgl. Cap. 1, 18), ſondern diejenige Art derſelben, von welcher Paulus vorher(V. 3) geredet hatte. Es folgt hieraus, daß der Begriff 20νich hier ganz ſynonym mit dem Begriffe deeorla genommen iſt, eine Bezeichnung, die von dem untreuen Gebrauche anvertrauten Gutes auch ſonſt vorkommt und in dem Ausdruck 07½0„0. 1o 1ν ωσηιας bei Luc. XVI, S einen ſicheren Beleg findet. Vertauſcht aber ſind beide Begriffe ſowie folgeweiſe auch die Begriffe dοναιοοσνν und lorig aus dem Grunde, weil der ſachliche Zuſammenhang des Gedankens mit dem vorhergehenden Citate dies forderte. Durch den poſſeſſiven Genitiv„ ferner bezeichnet Paulus in communicativer Redeweiſe die a⁴tzic als eine ſolche, die bei ſeinem Volke d. i. bei den Juden Statt finde. Wenn er hierbei ſo redet, als ob er ſelbſt bei dieſer 20 zic betheiligt wäre, un⸗ geachtet er gerade zu denjenigen in Iſrael gehörte, die bereits zu dem Heile in Chriſtus gelangt waren, ſo iſt dies die Sprache lebendiger Theilnahme, in welcher er die Sache ſeines Volkes als ſeine eigene an⸗ ſchauend von dieſem nach ſeiner Geſammtheit ausſagt, was dem Zuſammenhange zufolge nur von einem Theile und zwar von der großen Mehrzahl deſſelben gelten konnte. Obwohl der Form nach allgemein, weil das ganze jüdiſche Volk mit Einſchluß des Sprechenden ſelbſt umfaſſend, iſt jenes„ vim Sinne des Apoſtels, der hier wie überall denkende Leſer vorausſetzt, dennoch der Sache nach beſchränkt auf⸗ zufaſſen, ähnlich wie auch wir z. B. ohne Bedenken ſagen würden:„wir haben geſiegt,“„wir ſind ge⸗ ſchlagen,“ während wir eigentlich nur unſer Heer bei dieſer Ausdrucksweiſe im Auge haben. Gemeint alſo ſind hier keineswegs alle Juden, ſondern eben nur jene rννοις, die mit dem anvertrauten Wort Got⸗ tes untreu geweſen waren und eben in dieſer Sphäre ihre A⁴αl« bewieſen hatten.— Der Folgerungsſatz: ri&ο⁵(νλεκν ευmGςe ⁴ ϑες εμmισαιςιαν 1 ⁶̈ꝙν;, zeigt uns deutlich, daß wir in dem ganzen Verſe nicht die Rede Anderer(etwa der unbußfertigen Juden), ſondern die Rede des Apoſtels ſelbſt zu erkennen haben. Es geht dies namentlich aus dem Fragewort in, hervor, welches, wie ſchon zu V. 3 be⸗ merkt wurde, wenigſtens nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche eine verneinende Antwort erwarten läßt. Offenbar nämlich würde, wenn die Frage aus dem Sinne verſtockter Juden geſprochen wäre, wie dies manche Ausleger annehmen, vielmehr eine bejahende Antwort erwartet werden, und Paulus müßte in die⸗ ſem Falle nicht„az, ſondern od zur Einführung des Frageſatzes gebraucht haben. Zu überſetzen iſt dem⸗ nach:„was ſollen wir dann ſagen? Doch nicht ungerecht iſt der Gott, der(deshalb) ſeinen*) Zorn(über uns)**) verhängt?“ Zum Verſtändniß des Satzes, der offenbar den Sinn hat:„ſo werden wir doch nicht gar zu der Folgerung hingedrängt, daß ungerecht ſei der Gott, devau. ſ. w.,* iſt zunächſt erforderlich, daß wir den Artikel vor Erιρέοον ins Auge faſſen. Das Verhängen des Zor⸗ nes auf Grund der 6eziæ bezeichnet derſelbe deutlich als etwas Erwähntes, weshalb man auch nicht überſetzen darf:„wenn er ſeinen Zorn verhängt,“ gleichſam als ob das Verhängen des Zornes noch pro⸗ blematiſch wäre. Erwähnt aber war, was durch den Artikel vor àm*τιραέοσον angedeutet wird, der Sache nach bereits Cap. I, 18, und man braucht hier den Umſtand, daß der bezügliche Gedanke allerdings ſehr entfernt iſt, nicht etwa anſtößig zu finden, da Erſcheinungen dieſer Art im Gebrauche des Artikels auch ſonſt(ſ. K.
*) Der Artikel vor 6% Qꝙ iſt nur ſchwächeres Poſſeſſicvum den Artikel wiedergegeben werden. ſ. Krüger Gr. Spr.§. 50. 2. Anm. 3) und darf daher in**) Als beſtimmende Objecte zu Er⁴†ρένοο nehmen wir, der Ueberſetzung weder unberückſichtigt bleiben, noch durch wie aus der Ueberſetzung erhellt, 7)400„ d0* uν an.


