Aufsatz 
Exegetische Abhandlung über Röm. III, 1-20 / G. W. Matthias
Entstehung
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des Originals, inſofern ſie Weſentliches betreffen ſollte, gänzlich vermieden iſt. Gegen die letztere Behauptung freilich könnte man einwenden, daß die Begrifferichten und rechten doch offenbar durchaus von einander verſchieden ſeien. Hiergegen muß ich jedoch Etwas bemerklich machen, was die Ausleger, wie es faſt ſcheinen möchte, ganz und gar überſehen haben, was aber gleichwohl zur Entſcheidung der Frage von weſentlicher Bedeutung iſt, daß nämlich die Begrifferichten und rechten, obgleich ſie in menſchlichen Verhältniſſen allerdings als durchaus verſchiedene zu betrachten ſind, doch in dem vorlie⸗ genden Falle, da derjenige, welcher mit dem Sünder in das Gericht geht, eben der Richter ſelbſt iſt, kei⸗ neswegs auseinanderfallen, und daß folglich, wenn auf Seiten Gottes von einem Rechten die Rede iſt, dieſer Ausdruck nur das göttliche Richten nach ſeinem Anfangspunkte bezeichnen kann.*) Als abweichend vom Original iſt fernerer᷑mᷣ(= obſiegeſt) bemerkt worden. Analog dem lateiniſchen vincere im ge⸗ richtlichen Sinne, ſteht das Wortνα vvon dem Gewinnen in einem Rechtshandel als der gewöhnliche Ausdruck, und eben dies hätte fuͤr das Verſtändniß der Worte»» 1 ποιν ε α αe denn mit Rückſicht auf dieſe iſtννo gebraucht worden einen wohl zu beachtenden Fingerzeig geben müſſen. Seinem Sinne nach iſt es ſo aufzufaſſen, wie wenn es hieße: 2⁴ σ¶ μμαε qaxrns d*νοο(nach dem Hebräiſchen = 1.ϑ⁴ρα⁴),ν 2.μαόις(= d.νἀ⁴ἀᷣ μαρις) und bildet folglich mit dεαμιαmς einen vollkom⸗ menen Parallelismus. Daß bei dieſer Auffaſſung des Ganzen der Ausdruck nicht nach Laune und Willkür, ſondern nach gutem Bedachte und mit ſicherem Tacte gewählt ſei, ſcheint von ſelbſt einleuchtend und be⸗ darf mithin keiner näheren Nachweiſung. Iſt nun aber die Ueberſetzung von e durch 2 2 0- 609αε nicht als weſentliche Abweichung anzuſehen, ſo kann auch die Ueberſetzung von 75710 durch ixοꝝs nicht als ſolche betrachtet werden, und es ergibt ſich daher als Schluß dieſer Unterſuchung, daß Ueberſetzung und Original an unſerer Stelle durchaus in dem nöthigen Einklang ſtehen.

Noch iſt die Erörterung einer Frage übrig, die bei Erklärung des vorliegenden Citates weſentlich in Betracht kommt, wir meinen die Frage, wie Paulus die Worte des Pſalmiſten hier anführe, ob dem urſprünglichen Sinne treu bleibend oder ihn außer Acht laſſend. Die Entſcheidung darüber hängt haupt⸗ ſächlich von der Faſſung des vorhergehenden Satzes ab. Nimmt man in dieſem die Begriffe 1* und Weuors nach ihrer engeren Sphäre, ſo muß man ohne Weiteres darauf verzichten, den Sinn des Cita⸗ tes mit dem Sinne des Originales irgend wie in Uebereinſtimmung zu bringen. Anders aber verhält ſich die Sache, wenn wir jene Begriffe nach ihrer weiteren Sphäre deuten. In dieſem letzteren Falle nämlich enthält der Satz, wie wir ihn oben entwickelten, die Aufforderung zum Bekenntniß der Wahrheit, daß Gott ſein ſittliches Weſen weder verlengne, noch verleugnen könne, während bei dem Menſchen das Gegentheil Statt finde. Wie nun der Apoſtel durch dieſen Satz, vom Beſonderen zum Allgemeinen aufſteigend, mit⸗ hin auf analytiſchem Wege bewieſen hatte, daß die Treue Gottes durch die theilweiſe Untreue der Iuden nicht könne zunichte gemacht werden, ſo will er nun auf demſelben Wege jenen Beweis begründen, d. h⸗ er will durch Zurückgehn auf einen allgemeineren Satz darthun, daß bei Gott von einer Verleugnung ſeines ſittlichen Weſens durchaus keine Rede ſein könne, ſo ſehr auch bei Menſchen das Gegentheil als wahr

*) Das Wort 20009 bedeutet in medialer Faſſung 385 der Ausdruck 20ιι Moud erläutert wird). Als urſprünglichſich richten laſſen. Iſt nun dieszwiſchen die rechtenden Parteien erſcheinen hier Gott und der fündige ſich und einem Andern(dem Gegner) entſcheiden laſſen, ſo Menſch, gleichſam als richterliche Inſtanz aber, welche das geht es in den Begriffrechten über.(Vgl. Nägels⸗ Entſcheidungsurtheil zu fällen hat, das Geſetz als Ausdruck bach Anmerk. zur Ilias. 2. Ausg. S. 195, wo zu Il. II, der göttlichen Heiligkeit.