Aufsatz 
Exegetische Abhandlung über Röm. III, 1-20 / G. W. Matthias
Entstehung
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wendung halten wir eine genauere Unterſuchung um ſo mehr für erforderlich, als uns die darüber verbrei⸗ teten Anſichten theils geradezu irrig, theils wenigſtens unvollſtändig begründet ſcheinen. 4

Entlehnt iſt die Stelle bekanntlich aus Pſ. LI, 6 und wörtlich angeführt nach der alerandriniſchen Ueberſetzung. Als abweichend vom Originale erſcheinen die Ausdruͤcke*νiνο und 2 τ¶mννυννκ⁴˙α von denen der erſte im Hebräiſchen 7210(rein bliebeſt), der zweite odn(in deinem Richten) lautet. Offenbar enthalten nun die Worte, verbunden mit ihrem Hauptſatz(o0* 116 ⁴ιαοον uᷣ 1. I.), mögen wir ſie nun nach dem Urtert oder nach der Ueberſetzung der LXX leſen, das Bekenntniß eines reuigen Sünders, der ſeine Suünde ſelbſt richtet und eben dadurch Gottes Richterſpruch uͤber dieſelbe als vollkom⸗ men gerechtfertigt anerkennt. Der Sinn des Originals iſt unſerer Anſicht nach dieſer:an dir allein hab' ich geſündigt u. ſ. w., auf daß es offenbar würde, wie du gerecht biſt in deinem Reden und rein in dei⸗ nem Richten, d. h. wie du in vollkommener Angemeſſenheit zu deinem Geſetze(als dem Ausdruck deiner Heiligkeit) mit mir verſährſt, wenn du über mich, den Ungerechten, deinen Richterſpruch(= dein Ver⸗ werfungsurtheil) fällſt, und im Lichte deiner Reinheit(= Heiligkeit) daſtehſt, wenn du mich, den Unrei⸗ nen(= Suͤnder), für verdammungswerth erklärſt. Der Kern des Gedankens iſt hiernach der, daß der Pſalmiſt ſeine Sünde als eine ſolche betrachtet, die nach höherer Veranſtaltung dazu dienen ſollte, die Ge⸗ rechtigkeit und Reinheit(Beides= Heiligkeit) Gottes im Gegenſatze zu ſeiner(des Menſchen) Ungerech⸗ tigkeit und Unreinheit(Beides= Sünde) ins Licht zu ſtellen. Daß dieſe Verherrlichung Gottes, inſo⸗ fern ſie durch die Sünde des Menſchen vermittelt wird, hier als etwas Beabſichtigtes erſcheint, kann nur demjenigen auffallen, dem die bibliſche Anſchauungsweiſe überhaupt fremd iſt. Es heißt natürlich nicht: ich ſündigte, und indem ich ſündigte, hatte ich dabei die Abſicht u. ſ. w.3 ſondern der Sinn iſt viel⸗ mehr:ich ſündigte, und indem du meine Sunde geſchehen ließeſt, hatteſt du dabei die Abſicht u. ſ. w. So aufgefaßt, beruht der Satz auf einer Gottes durchaus würdigen idealen Betrachtungsweiſe und bedarf daher keiner weiteren Rechtfertigung.(Bgl. hierzu Winer Gramm.§. 57. 8. S. 537 f.).

Es fragt ſich nun aber, ob die Ueberſetzung der LXX vom urſprünglichen Sinne, wie wir ihn eben entwickelten, nicht vielleicht weſentlich abweiche. Allerdings würde dies entſchieden der Fall ſein, wenn man die Worte: 2 1 ινν̈ι α⁴ ſo faſſen muͤßte, wie die meiſten Ausleger fordern, d. h. wenn man zu überſetzen hätte:weun du gerichtet(d. i. falſch beurtheilt) wirſt(von den Menſchen). Aber ſollte wohl, müſſen wir billiger Weiſe fragen, dey alerandriniſche Ueberſetzer einen ſo klaren Wortſinn, wie das hebräiſche Original ihn darbietet, ſo durchaus falſch und verkehrt aufgefaßt haben, daß er nicht bloß einen völlig anderen Sinn untergeſchoben, ſondern namentlich auch den Marallelismus der betreffen⸗ den Satzglieder auf eine ſo plumpe und ungeſchickte Weiſe zerſtört hätte? Wir können es nicht glauben, ſelbſt abgeſehn davon, daß im Citate des Apoſtels, wie uns ſcheint, die fragliche Ueberſetzung nicht einmal paſſen würde. Es bleibt demnach unſeres Crachtens nur die Möglichkeit uͤbrig, die Worte: 10 2 G α α ſo zu verſtehen, daß man überſetzt:in deinem Rechten Dieſe Bedentung von a0ireose iſt ſprachlich vollkommen geſichert und findet ſich z. B. Jeſ. MAII. 26 L. S; Jer. II, 35, na⸗ mentlich auch in der alerandriniſchen Ueberſetzung. Beweiſe aus dem(laſſiſchen Sprachgebrauch beizu⸗ bringen, iſt überflüſſig, da die Wörterbücher ſie darbieten. Für das N. L. perweiſen wir nur auf Matth. V, 40; 1. Kor. VI, 1. 6. Was heißt nun;in deinem Rechten? Unſtreitig nichts Anderes als:wenn du mit mir, dem Sünder, in das Gericht gehſt. Es leuchtet ein, daß bei dieſer Grklaͤrung nicht bloß der Parallelismus mit 2 εoς 10*(έ‿ in deinen Sprüchen, d. h. ſo off du uͤber mich, den Sim⸗ der, deinen Richterſpruch fällſt) vollkommen gewahrt, ſondern namentlich auch jede Abweichung vom Sinne