Aufsatz 
Exegetische Abhandlung über Röm. III, 1-20 / G. W. Matthias
Entstehung
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nun jene Untreue ſich nicht bloß als Mangel an Buße, ſondern namentlich auch als Mangel an Glau⸗ ben darſtellte, Letzteres in der Art, daß das jüdiſche Volk ſeiner großen Mehrzahl nach denjenigen, in dem die Verheißungen des alten Teſtamentes erfüllt waren, in der Perſon Jeſu von Nazaret nicht an⸗ erkannte, inſofern iſt nun wohl einleuchtend, daß die gegebene Erklärung mit jener anderen, welche dem Begriff deriorey hier die Bedeutung vonung läubig ſein vindiciren will, wenigſtens in einer we⸗ ſentlichen Beziehung zuſammentrifft. Man gewinnt aber durch dieſelbe den doppelten Vortheil, daß einer Seits den verwandten Formen iεᷣαρυσσάη, πιοτνιυασυν, ditioα, aioris überall auch die verwandten Bedeutungen entſprechen, anderer Seits der Agsdruck 1 10οαά 100 900 nicht dem Sprachgebrauche zuwider auf die Verheißungen zu beſchränken und mithin vom Geſetze, welches die Juden ſo hoch ſtellten und als ihren größten Vorzug betrachteten(vgl. Röm. II, 17. 20; Jeſ. Sir. XXIV), ganz und gar Umgang zu nehmen iſt. Eine Milderung des Ausdrucks mag man in zuueg inſofern immerhin an⸗ erkennen, als der durch dieſes Pronomen bezeichnete Theil des Volkes, der den Meſſias in der Perſon Jeſu von Nazaret verworfen und dadurch in Bezug auf das Anvertraute ſich untreu erwieſen hatte, eben doch die große Maſſe der Juden war. Nur ſoll man nicht etwa meinen, jenes zꝛé« bezeichne an ſich einen geringen Theil, wie man bei der Ueberſetzung durchEtliche freilich mit Nothwendigkeit glauben müßte; vielmehr bezeichnet es, entſprechend dem im populären Sprachgebrauch üblichen(irgend) welchen, oder dem veraltetenEtwelche nur eine unbeſtimmte Anzahl, wobei es an ſich ganz unentſchieden bleibt und ſtets auf den concreten Fall ankommt, ob Viele oder Wenige*) gemeint ſind.(Man vergleiche über dieſen Sprachgebrauch K. W. Krüger Griech. Sprachlehre§. 51. 16. Anm. 14). Rückert ſindet auch darin eine Milderung der Ausdrucksweiſe, daß der Satz bedingt ausgeſprochen ſei; dieſe Form des Ge⸗ dankens aber ſcheint mir, da Paulus in Bezug auf einen wirklichen Fall einen Einwand erheben will, durch die Sache ſelbſt ganz natürlich herbeigeführt, und man kann daher, ohne den Sinn zu verändern, die Meinung des Apoſtels ſo faſſen:wenn ein Theil des Volkes, wie dies als Thatſache vor⸗ liegt, untreu geweſen iſt.

Soviel über den Bedingungsſatz. Betrachten wir nun auch den in Frage geſtellten Folgerungsſatz. mit ihm zugleich den Sinn des Ganzen zuſammenfaſſend. Aus den Worten: 2lioτοωἀ tves konnte gefolgert werden, daß dieſe à/παοeν, weil ſie eben bei der großen Mehrzahl der Juden Statt fand, den erwähnten Vorzug unwirkſam machen, d. h. als einen ſolchen darſtellen werde, der dem Volke in ſeiner Geſammtheit, da der Zweck jenes 1ντQ̈νοην ναάανα᷑‧ ⁶eφωιατο 5 bei den Einen erreicht, bei den An⸗ deren fehlgeſchlagen ſei, nun Nichts weiter helfen könne. Wie irrig aber eine ſolche Folgerung ſein wuüͤrde, deutet der Apoſtel ſchon durch die Form der aufgeworfenen Frage an, indem dieſe, durch ¼ eingeführt, eine verneinende Antwort erwarten läßt(vgl. Winer Gramm.§. 61. 3. S. 598), mehr aber noch da⸗ durch, daß er ein Moment in dieſelbe aufnimmt, welches den Leſer gleich auf den richtigen Standpunkt der Beurtheilung ſtellen mußte. Indem er nämlich das Object vonrαοεα nicht, wie man nach dem Zuſammenhange erwarten könnte, durch 20 r1ει⁶% 100 10, ſondern durch 2ν*πιοσινπτιυ qτοι ϑο bezeich⸗ net, gibt er ſchon einen Fingerzeig, durch welchen er andeutet, daß jene Folgerung mit der Annahme der miorig auf Seiten Gottes in Widerſpruch treten würde. Was nun unter der 11011½ 105 9205 zu ver⸗ ſtehen ſei, werden wir am natürlichſten aus dem Gegenſatze, der d‿αιααεαα αιν ⁷οιααiονπ, entwickeln können.

*.) So verbindet Plato in einer von Krüger(Griech. 0440e, wie es an unſerer Stelle, ohne daß der Sinn Sprachl.§. 51. 46. Anm. 14) angeführten Stelle zνε na irgend verändert würde, ebenfalls heißen könnte