Aufsatz 
Exegetische Abhandlung über Röm. III, 1-20 / G. W. Matthias
Entstehung
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gehende begründet, ſondern nur, wie andere Ausleger annehmen, durch Wegräumung eines entgegenſtehen⸗

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den Zweifels beſtätigt werden. Ein Zweifel gegen die Richtigkeit der aufgeſtellten Behauptung aber ließ ſich daraus entnehmen, daß ein Theil der Juden und zwar bei Weitem der größere in Bezug auf das An⸗ vertraute ſich untreu erwieſen habe. Zugeſtanden, konnte man ſagen, daß Gott den Juden, indem er ihnen ſein Wort vertraute, einen großen Vorzug vor den Heiden einräumte, ſo iſt doch bei der großen Mehrzahl derſelben der eigentliche Zweck, zu welchem ihnen jener Vorzug verliehen wurde, durch ihre Un⸗ treue im Gebrauche des Anvertrauten vereitelt worden, und es kann alſo nun nicht mehr davon die Rede ſein, daß dem jüdiſchen Volke jener Vorzug in Zukunft überhaupt noch zu Statten komme. Dieſer Zwei⸗ fel alſo iſt es, der ſich gegen das ει G‿τ,⁷⁶ο⁴α⁴o u, inſofern daſſelbe nach V. 1 noch fortwährend in Kraft ſein ſollte, aus dem in V. 2 Bemerkten erheben ließ. Der Apoſtel ſpricht ihn, wie er dies bei ſelbſterhobenen Einwendungen zu thun pflegt, in der Form einer Frage aus, ſtellt dieſe jedoch in einer ſolchen Weiſe, daß darin gleich die Löſung jenes Zweifels unſchwer zu errathen iſt. Bevor wir nun den Satz: el rtoταἀν τ⁷και. 1. 1. in dieſem Sinne erläutern, müſſen wir die Einzelheiten deſſelben näher ins Auge faſſen. Zunächſt betrachten wir den Bedingungsſatz. Hier iſt vor Allemelornoc« ſtreitig. Die Einen nehmen den Begriff in dem Sinne vonungläubig, die Anderen in dem Sinne von un⸗ treu ſein, Letzteres beziehend auf die Haltung des Bundes, der durch Geſetz und Verheißung zwiſchen Jehova und dem iſraelitiſchen Volke geſchloſſen war. Beide Bedeutungen ſind ſprachlich vollkommen ge⸗ ſichert. Die erſte muß ich jedoch deshalb entſchieden zurückweiſen, weil das Wort an die Begriffe eme- orεινινυασαυ*τε und dπκςστα(vgl. V. 2 und 3) viel zu beſtimmt anklingt, als daß ſich der Zuſam⸗ menhang dieſer Bezeichnungen wie ihrer Form ſo auch ihrem Inhalte nach irgend verkennen ließe Die zweite Bedeutung ſcheint mir daher, zumal da ſie dem Pragmatismus der Darſtellung vollkommen ent⸗ ſpricht, hier allein zuläſſig; nur glaube ich, daß der Begriff mit Unrecht auf die Haltung des Bundes bezogen wird, theils weil im Vorhergehenden von einer ſolchen durchaus keine Rede war, theils und hauptſächlich weil zur Haltung des Bundes doch vor Allem die Erfüllung des Geſetzes gehören müßte, Paulus aber gerade in Beziehung auf dieſe ſo nachdrücklich darthut, daß Keiner ſich derſelben zu rühmen habe, viel⸗ mehr alle ohne Ausnahme Uebertreter des Geſetzes ſeien, und er folglich ſich ſelbſt offenbar widerſprechen würde, wenn er jenes vrrloτα⁶σσηe, welches in dem angenommenen Sinne von Allen geſagt fein müßte, hier nur von einem Theile des Volkes(r οι) geſagt hätte. Man kann dieſe Schwierigkeit nicht etwa dadurch beſeitigen, daß man entweder zuveg als mildernden Ausdruck zur Bezeichnung des Voltes auffaßt, oder auch wohl von der Annahme ausgeht, Paulus habe jenen Begriff nur auf einen Theil des Bundes, nämlich auf die Verheißung, beziehen wollen. Denn eine Milderung des Ausdrucks müßte doch immer auf Wahrheit beruhen und durfte am wenigſten auf Widerſprüche hinauslaufen; die Beſchränkung des Begriffes auf die Verheißung aber wuͤrde unſtreitig, da der Ausdruck ganz allgemein lautet und der Begriff der 10 το5 ϑoú im Vorhergehenden nicht auf die Verheißung allein zu beziehen iſt, als eine durch⸗ aus willkürliche erſcheinen müſſen. Es bleibt demnach, wie uns ſcheint, nichts Anderes übrig, als die Beziehung auf das Halten des Bundes, zumal da ſie im Zuſammenhange keine ſichere Stuͤtze ſindet, völ⸗ lig aufzugeben und dagegen im genauen Anſchluß an das Vorhergehende zu dem Worte Iniornocr zu ergänzen: olg Srισεεινσιφιαάν Der Sinn des fraglichen Satzes iſt daher in Gemäͤßheit deſſen, was bereits oben zu Anοeνααά bemerkt wurde, ſo aufzufaſſen:wenn ein Theil der Juden das An⸗ vertraute(die 10Q₰α τ ϑεο) nicht dazu gebraucht hat, wozu es beſtimmt war, d. h enn er ſi durch Geſetz und Verheißung nicht zu Chriſtus und durch Chriſtus zum Heile hat führen laſſen. Inſofern