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weil ihnen vertrauet ward das Wort Gottes.“*) Aus der Anknüpfung durch 100010„ 14*„**) geht unverkennbar hervor, daß dem Apoſtel noch andere Vorzüge vorſchwebten, die durch 2 erre(&LG.) da angeknüpft noch weiterhin folgen ſollten, die jedoch als minder bedeutend und dieſem einen Vorzug unter⸗ geordnet im Fluſſe der Rede hinwegbleiben. Daß alſo dem jüdiſchen Volke die 10„+ααχ τ0*εο anver⸗ traut ſeien, dies bezeichnet hier Paulus als deſſen erſten und weſentlichſten Vorzug, und inſofern die Zugehörigkeit zu dieſem Volke eben durch die Beſchneidung bedingt war, zugleich als den erſten und we⸗ ſentlichſten Vorzug der Beſchneidung. Welches ſind nun aber dieſe 16„οια το ⁷ϑεο? Offenbar dürfen wir dieſen Begriff, da der Artikel hier nicht individuell, ſondern nur generiſch gebraucht ſein kann, nicht willkürlich zu beſchränken ſuchen. Nach dem klaſſiſchen Sprachgebrauche bezeichnet das Wort bekanntlich Orakel⸗ und Götterſprüche, und nach dieſer Analogie kann es, entſprechend dem hebräiſchen R Px, auch hier nichts Anderes bedeuten, als ſolche Offenbarungen, die durch Worte oder Ausſprüche Gottes vermittelt ſind. Dieſe Offenbarungen Gottes nun, die dem jüdiſchen Volke vertraut wurden,— die Of⸗ fenbarungen im Worte, ſtellen ſich auf altteſtamentlichem Standpunkte unter einer doppelten Form, als Geſetz und Verheißung, dar, und es unterliegt daher unſerer Anſicht nach durchaus keinem Zweifel, daß es hier nicht Eines von Beidem, ſei es nun allein das Geſetz, oder, wie beſonders neuere Ausleger behaupten, allein die Verheißu ng, ſondern daß es eben Beides zuſammen iſt, was dem Apoſtel bei dem Ausdruck 1 10„1 τ⁶ ⅓⁴ει vorgeſchwebt haben muß. Nächſt dem Begriffe 10 10„tc iſt es der Begriff 2rειανενοννασσαάν, der um ſo mehr einer Erläuterung bedarf, als er mit den Begriffen„1 G dmαταςα und xioris, die im Verfolge der Darſtellung vorkommen und für die Auffaſſung des ganzen Zu⸗ ſammenhanges von weſentlicher Bedeutung ſind, in offenbarem Bezuge ſteht. Als Subjekt zu 2ftiored- 9„Gœl⅞άαßat man natürlich ol 106ανιοο oaus dem collectiviſch gebrauchten 100 1001o, V. 1 zu ergänzen, und die Worte:„weil ihnen vertrauet ward das Wort Gottes“ haben nach der gegebenen Ent⸗ wicklung den Sinn:„weil ihnen die Offenbarungen Gottes in Geſetz und Verheißung als ein überaus wichtiges Gut zu treuer Bewahrung verliehen wurden.“ Zu bewahren aber hatten ſie das Wort Gottes nicht als etwas Todtes, ſondern als etwas Lebendiges d. i. als ein Gut, welches ſie nach der Abſicht des Gebers dazu gebrauchen ſollten, um dadurch zu Chriſtus und durch Chriſtus zum Heile geführt zu werden. Indem nun Gott den Juden ſeiu Wort anvertraute, damit es ihnen zur Vorbereitung auf Chriſtus diente, verlieh er ihnen den doppelten Vorzug, daß ſie, nachdem der göttlichen Veranſtaltung gemäß(Joh.IV, 22) das Heil unter ihnen erſchienen wäre, nicht bloß fruͤher als andere Völker, ſondern namentlich auch leich⸗ ter als dieſe zur Seligkeit in der Lebensgemeinſchaft mit Chriſtus gelangen ſollten. Jenes 1900 10y, wo⸗ durch der Apoſtel Cap. 1, 16 den Juden einen Vorzug vor den Heiden einräumt, erſcheint eben hierin begründet, daß dieſem Volke das Wort Gottes vertrauet war. 28
Was aber die Juden nach V. 2 vor den Heiden voraus hatten, konnte leicht in Zweifel geſtellt wer⸗ den, und Paulus ſucht daher das Bemerkte gegen einen möglichen Einwand in Schutz zu nehmen.„Denn wie?“ ſagt er V. 3,„wenn ein Theil von ihnen untreu geweſen iſt, ſo wird doch ihre Untreue nicht etwa Gottes Treue zunichte machen?“ Hier fragt ſich zunächſt, wie wir die Formel 26„αο; zu verſtehen haben. Es ſoll damit keineswegs, wie Rückert behauptet, das Vorher⸗
*) Der collective Singular in ſeiner abſtracten Allgemein⸗) Vergl. Winer Grammatik des neuteſtamentlichen heit dürfte wohl dem deutſchen Sprachgebrauche beſſer entipre⸗ Sprachidioms.§. 64. II. 2. c. Anm. S. 625. 5. Auflage. chen, als der concrete, mehr individualiſirende Plutal. Leipz. 1844.


