Aufsatz 
Über den Rhetor Seneca und die römische Rhetorik seiner Zeit / vom ... Koerber
Entstehung
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prosaischer Darstellung, indem jene vielfach zu dieser herab- stieg, und diese mit den Mitteln der ersteren einen grösseren Eindruck zu machen suchte. Dazu kam eine besonders gegen den Ciceronianismus sehr abstechende Freiheit in der Benutzung der verschiedenen Sprachmittel. Die Syntax wurde leicht und präcis, die Phraseologie fein und geistreich; dagegen zeigte der Sprachschatz neben Geist und Erfindsamkeit auch Willkür und Ueberspannung. Der Gebrauch abstracter Substantiva, schon von Cicero angebahnt, wurde jetzt ein allgemeiner. Die Composition endlich setzte an die Stelle des kunstvollen Perioden- baus ein Nebeneinander von Sätzen und Satztheilen, wobei die Verbindung durch Partikeln beschränkt, die Wortstellung vom Gefühl abhängig, der Numerus vernachlässigt wurde ¹17).

Je mehr das Interesse für das öffentliche Leben erlosch, um so eifriger wandte man sich, da der Thätigkeitstrieb auf irgend eine Weise befriedigt werden musste, den mannig- fachsten wissenschaftlichen Bestrebungen zn. Diese wurden von Augustus selbst begünstigt und von hervorragenden Männern, unter denen Mäcenas den ersten Platz behauptete, in jeder Weise gefördert, namentlich aber dadurch, dass die- selben ihr Haus zu einem Vereinigungsorte von Künstlern und Dichtern machten. Solche literarische Cirkel, in denen man sich im Allgemeinen über Wege und Ziele des Denkens und Dichtens zu vereinigen suchte und im Besonderen seine Ent- würfe dem Urtheil der Kunstgenossen unterbreitete, verwan- delten sich allmählich in öffentliche Vorlesungen, die dazu dienten, ein grösseres Publikum mit neuen Erzeugnissen des Geistes bekannt zu machen 118). Auf diese Weise gewann die Neigung zu wissenschaftlicher Thätigkeit einen immer grösse- ren Spielraum, so dass dem ganzen Jahrhundert dadurch ein eigener Charakter aufgeprägt wurde ¹¹⁹).

117) Vgl. Bernhardy S. 291. 11¹⁶) Vgl. das. S. 70.

11³⁹) Das. S. 74: Dass kein früheres Zeitalter mehr Empfänglich- keit für feine, wol auch überfeinerte Form oder mehr durchgebildeten Geschmack besass, lehren alle literarischen Thatsachen neben einigen

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