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und römischen Rhetoren beträgt gegen 120; von nicht wenigen derselben erfährt man freilich nicht viel mehr als ihre Namen; von anderen aber, deren Zahl sich auf zwanzig belaufen mag, werden so viele Aussprüche mitgetheilt, dass man sich eine ziemlich genaue Ansicht von ihrer rhetorischen Befähigung bilden kann, besonders wenn man das zu Hülfe nimmt, was Seneca selbst in den Proömien und sonst an zahlreichen Stellen über sie urtheilt.——
Mit der politischen Freiheit war auch die freie Bewe- gung der Geister zu Grabe gegangen; langsam aber sicher hatte das Principat seinen bestimmenden und beschränkenden Einfluss auch auf dem geistigen Gebiete geltend zu machen gewusst. Die Literatur war in ihrem naturgemässen Entwicke- lungsgang gestört und auf neue Bahnen verwiesen worden, auf denen sie, durch beengende Formen eingeschränkt, keinen Spielraum mehr für die ungehemmte Entfaltung der Charaktere bot und als Ziel das Geistreiche und Interessante er- strebte. Eigenthümlich ist für diese Zeit das Aufkommen des Gebrauchs, durch literarische Auto-da-Fé's eine Censur der Geister auszuüben; von ihr wurde zuerst Labienus betroffen. Dass man sich nur mit verhaltenem Unwillen in die neue Ein- richtung fügte, zeugt ebenso sehr von der Allgewalt des Prin- cipats, als von dem noch nicht erloschenen republikanischen Geiste. Eine neue und seltsame Weise, die Geister zu züch- tigen! sagt Seneca 116). An die Studien die Brandfackel zu halten und gegen die Denkmale der Wissenschaft einzuschreiten, wie gross ist diese Grausamkeit und wie wenig zufrieden mit ihren übrigen Mitteln!
Dem veränderten Geiste der Literatur entsprach natürlich eine Veränderung der Form: die Sprache zeigt trotz der mannigfaltigen Spielarten einen bestimmten Grundcharakter, den der silbernen Latinität. Ein Hauptzug desselben ist die theilweise Aufhebung des Unterschiedes von poetischer und
11⁶) Pr. C. X, 5. 7.—


