Aufsatz 
Der kirchengeschichtliche Unterricht im Gymnasium / von E. Kölsch
Entstehung
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8. Die Kirchengeſchichte wird mit dem Lichte der göttlichen Wahrheit auch diejenigen Erſcheinungen der neueren und neueſten Zeit beleuchteu, die mit der chriſtlichen Weltanſchauung gebrochen und an die Stelle des Geiſtes die Materie geſetzt haben, den Materialismus in ſeinen verſchiedenen Geſtaltungen wie wiſſenſchaftlichen und praktiſchen Conſequenzen, mit ſeinen verderblichen Folgen für die Sinnes⸗ und Denk⸗ weiſe des Volkes, als eine Weltanſchauung, in welcher im Grunde ſo wenig wie der Geiſt auch die Sitt⸗ lichkeit eine Stelle hat. Aber auch den in ſeinen letzten Conſequenzen materialiſtiſch geſinnten, demo⸗ kratiſchen Socialismus, der in ſeiner wahren Geſtalt ebenſo eine Verleugnung der idealen Güter des Volkes iſt und es auf dem Wege der Gewalt auf einen Umſturz der beſtehenden rechtlichen und ſittlichen Verhältniſſe abgeſehen hat, um auf deren Trümmern einen neuen, ſocialiſtiſchen Genoſſenſchafts⸗ und Glückſeligkeitsſtaat der Brüderlichkeit und Gleichheit im bürgerlichen wie geiſtigen Leben zu errichten, ein Phantom, das ſich nicht realiſieren läßt. Der Socialismus hat freilich auch ſeine berechtigten Forderungen. Sie betreffen eine Beſſerung der Lage der arbeitenden Claſſe, und Staat und Kirche haben dies anerkannt. Die Kirche als ein wichtiger Faktor der Cultur muß zu dieſer Frage Stellung nehmen und hat es zum Teil ſchon gethan. Es wäre zu zeigen, in welcher Weiſe ſie an der Milderung der ſocialen Gegenſätze mitzuarbeiten hat, und zu betonen, daß geſetzliche und polizeiliche Maßregeln allein nicht genügen, ſondern daß es eben doch auf der einen Seite der Geiſt der chriſtlichen Bruderliebe und des Erbarmens mit den Notleidenden, der Geiſt des gegenſeitigen, freiwilligen Dienens, auf der andern Seite des Gehorſams und der Billigkeit iſt, der vor allem zur Mitarbeit an der Herbeiführung eines erträglichen Verhältniſſes be⸗ rufen iſt, und daß, wo dieſer Geiſt lebt, auch erträgliche Verhältniſſe beſtehen.

Die Aufgabe der augelcehn Kirche, der Kirche der Reformation iſt die der Einigung, der Einigung aller derer im deutſch⸗evangeliſchen Volke, die da wiſſen, daß ihre Kirche eine hohe Miſſion hat gegenüber den auflöſenden und zerſetzenden Mächten der Zeit, vor denen es gilt, unſere Jugeud zu bewahren. Und ſie wird bewahrt werden können, wenn es der Schule im Vereine mit den übrigen Faktoren der Jugend⸗ erziehung gelingt, an dem ſchwierigen Werke der Erziehung ſegensreich zu arbeiten im Geiſte der Furcht Gottes und der Scheu vor der Sünde, der Zufriedenheit und Arbeitſamkeit, ernſter Zucht über ſich ſelbſt und wahrer Liebe zu den Menſchen und dem Vaterlande. Das iſt der beſte Damm, der ſich aufrichten läßt. Auch der kirchengeſchichtliche Unterricht kann dazu ſein Scherflein beitragen.