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wichtige Zeitbestimmung für das Origi- nal der Menaechmi; es gehört der besonders mit dem Mittel der Travestie arbeitenden mittleren griechi- schen Komödie an und ist so mit der Vorlage des„Persa“ (vgl. U. von Wilamowitz-Moellendorff, Ind. lect., Göttingen 1893/94) das älteste griechische Original la- teinischer Komödien.
Ahnliche Stellen kommen im Mercator“ des Plau- tus vor. Der Greis Demipho(Merc. 325, hic homo ex amore insanit) führt seinen Liebeswahnsinn auf eine gött- liche Einwirkung zurück(Vs. 319: Humanum amarest atgue id ui optingit deum). Aber auch der Sohn Charinus hat dasselbe Leiden. Er stellt sich(Vs. 921 ff.), als fahre er im Wagen umher, habe die Zügel in der Hand, um nach Cypern, Chalkis, Zakynthus zu fahren, die Geliebte zu suchen. Dann kehrt er, als er hört, daß sie da ist, ebenso wieder in Gebärden zurück. Erinnert auch diese Szene in leisen Anklängen an die Stelle in Euripides' „‚Herakles', so fehlt doch das Hauptmotiv; ein Wutanfall bricht nicht aus. Viel näher liegt der Vergleich des Ge- dankens mit solchen Stellen, in denen ein unglücklich liebender Jüngling den Plan gefaßt hat, ins Ausland zu gehen und in der Fremde Kriegsdienste zu leisten. Auch könnte man annehmen, daß dem Dichter des Originals des „‚Mercator“’(Philemon) die oben behandelte Szene im Origi- nal der ‚Menaechmi' vorschwebte. Aber eine unmittelbare Einwirkung des Euripideischen„‚Herakles' können wir in den untergeordneten und abgeleiteten Motiven des ‚Mer- cator' nicht feststellen.
Je mehr die Literatur der folgenden Zeit die Griechen nachzuahmen, zu erreichen und zu überbieten suchte, um so mehr finden wir die von jenen dargestellten Motive wieder. Mit der griechischen Götter- und Helden- sage dringen auch die zahlreichen Stoffe aus dem Ge- biete der Geisteskrankheiten ein. Orestes wird geradezu sprichwörtlich, wie Plaut. Capt. 562, so auch Cic. Tusc. 3, 5, 11; in Pison. 20, 47, Horaz, Sat. 2, 3, 137, Persius 3, 118. Von dem gegen Wahnsinn gebrauchten elleborus(Nieß- wurz) ist mehrfach die Rede(Catull 99, 14; auch Plaut. Men. 950, Pseud. 1185); der Ort, an dem dieses Kraut am besten gedieh, trat, zunächst euphemistisch, zur Bezeich- nung der Krankheit ein: Anticyra. Daher heißt Hor. Sat. 2, 3, 166: Napiget Antichram: er ist verrückt; 2, 3, 83: Nescio an Anticyram ratio illis destinet omnem, ars poet. 300: tribus Antichris caput insanabile; vgl. Ovid, ex Pont. 4, 3, 53; Pers. 4, 16; Juvenal 13, 97; Auson ep. 4, 69.
Auch im Glauben des gewöhnlichen Volkes ist die Vorstellung von der Mitwirkung der Götter bei wahn-


