Aufsatz 
Zur Auffassung und Darstellung des Wahnsinns im klassischen Altertum
Entstehung
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wirklicher Halluzinationen eines Irrsinnigen. Nicht weni- ger naturalistisch ist die Erzählung von dem schrecklichen Tode der von Medea verzauberten Glauke in des Euripides Medea. Kaum hat Glauke den von Medea übersandten Schmuck angelegt, da wird sie bleich, zittert an allen Glie- dern, wankt zurück, sinkt auf einen Stuhl, während weißer Schaum dem Mund entquillt, die Augen sich ver- drehen, das Antlitz blutlos und starr wird(Vs. 1167). Eine alte Magd glaubt, der Zorn Pans oder einer anderen Gott- heit sei über sie gekommen. Wenn auch der weitere Ver- lauf der plötzlichen tödlichen Erkrankung noch rätsel- haftere Wirkungen der Verzauberung zeigt, so gleicht doch der Anfang den bei epileptischen Anfällen beobach- teten Erscheinungen.

Sehr lehrreich ist in diesem Zusammenhang ein Ver- gleich mit des SOPHOKLES DramaTrachinierin- nen, das nach dem Urteil der besten Kenner nach dem Rasenden Herakles verfaßt und von diesem abhängig ist. Da man aus politischen Anspielungen dieses Stück nach 424 setzt, wäre es, wenn die Vermutungen richtig sind, auch nach der 431 aufgeführtenMedea entstanden. An diese erinnert das von Deianira dem Herakles übersandte Gewand, nur daß Medea den Mord beabsichtigt, Deianira in bester Absicht handelt. Die Wirkung ist die nämliche. Auch Herakles wird von unsäglichen Qualen ergriffen, so daß er sich von seinem Sohn Hyllos auf einem Scheiter- haufen verbrennen läßt. In dem Krankheitsbilde selbst erinnert an die althergebrachte mythische Darstellungs- weise die einwandfreie, von keiner Sinnestäuschung ge- trübte Darstellung seines Zustandes. Wie Io bei Aschy- lus, spricht er in klarer Erkenntnis von seinem Leiden, dem Krampf und dem Stich(vgl. oforoo«, Bremse, Asch. Prom. 566, 580 und Soph. Trach. 1255). Andrerseits aber scheint die weitläufige Art der Darstellung von des Hera- kles Leidenszustand-(Vs. 983 ff.) mehr dem Euripides ver- wandt. Wie das ganze Stück eine Vermengung zweier sich widerstrebender Stilgattungen ist und in der kari- kierenden Darstellung der schwachen, kopflosen Frau be- denklich dem neuen Geschmack sich nähert, so scheint auch in der Darstellung des Wahnsinns eine Ver- mischung eingetreten zu sein. Wenn in Vs. 1000 nach einem 7euorégns iarooias einem kunst-, d. h. sachver- ständigen Arzte gerufen wird, so dringt das Neue durch, wenn aber sofort wieder Zeus als der einzige Retter be- zeichnet wird, so sehen wir die Reste des Alten. Auch das Wort des Hyllos(Vs. 1230), schwer sei es, mit dem Kran- kenden zu zürnen, aber noch schwerer sei es zu ertragen. ihn so bei Sinnen zu sehen, verleiht dem doppeldeutigen Sachverhalt Ausdruck.