Aufsatz 
Zur Auffassung und Darstellung des Wahnsinns im klassischen Altertum
Entstehung
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fällt er von neuem dem Grolle der Hera. Nachdem soeben der Chor des zurückkehrenden Herakles Ruhm gepriesen hat, erscheinen Iris und Lyssa, die Personifikationen des Wahnsinns auf der Schwebemaschine(Vs. 822). Iris er- zählt dem erschreckten Chore, daß die erzürnte Juno Herakles sogleich in Wahnsinn versetzen werde, und er- mahnt Lyssa, seinen Geist zu stören und auf jede Weise zu quälen. Obwohl ungern leistet Lyssa Folge. Sofort bemerkt man die ersten Anzeichen des Wahnsinns an Herakles. Kaum hat der Chor in einem neuen Liede des Helden Schicksal beklagt, da verkündet ein Bote das ge- schehene Unglück, das sich hinter der Bühne ereignet hat (Vs. 922 1015). In durchaus realistischer Art wird er- zählt, wie Herakles auf einen Wagen zu steigen und zur Bestrafung des Eurystheus nach Mykenae zu fahren glaubt, seine eigenen Kinder, die er für die des Feindes hält, samt der Mutter tötet und zuletzt in der Erschöp- fung des Tobsuchtsanfalles bewußtlos niedersinkt. Als er von der Ohnmacht erwacht, weiß er von dem ganzen Vor- gange nichts(Vs. 1089 1108). Erst sein Vater Amphi- tryon erzählt ihm seine schrecklichen Taten(Vs. 1112 bis 1145). Auch Herakles denkt an Selbstmord, beschließt aber auf des Theseus Zureden, den schweren Kampf mit dem Leben von neuem aufzunehmen. Da Herakles erst im Stücke selbst wahnsinnig wird, so zerfällt das Drama in zwei durchaus verschiedene Teile. Durch den plötzlichen Umschwung soll der Zuschauer erschüttert werden. Der UÜbergang wird durch das Auftreten von Iris und Lyssa vermittelt. Während aber bei Aschylus die Eumeniden, bei Sophokles Athene einen notwendigen Bestandteil des Stückes bilden, sind die Wahnsinnsdämonen des Euripides nur äußerliche Zutat ohne organische Verbindung, so daß die ganze Szene ohne Schaden für die Handlung fehlen könnte. Aber trotz seiner aufgeklärten Anschauung von den Göttern konnte Euripides die UÜberlieferung nicht ändern, Heras Feindschaft mußte die Schuld des Wahn- sinns sein. Daher teilt er die Beschreibung der Krank- heit in zwei verschiedene Teile: im ersten kam er der mythischen Denkweise der Alten entgegen, im zweiten gab er seine geläuterte Auffassung. So berücksichtigt er das Göttliche. ohne sich dadurch in der Handlung stören zu lassen. Keine Gottheit redet mit einem Menschen. Alles Göttliche ist für sich, alles Menschliche ebenso. Auch davon, daß der Wahnsinn als Strafe empfunden würde, ist bei Euripides keine Spur. Herakles schüttelt vielmehr ausdrücklich jede Schuld von sich ab und erklärt, er sei der Krankheit unterlegen, nicht dem Zorne der Götter, an deren Macht er sogar zweifelt(Vs. 1303 f., 1341 f.). Sein Wahnsinn selbst hat durchaus realistische Züge. Statt der