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Nein, Weiber nicht, Gorgonen mögen's eher sein, Und doch nicht, auch Gorgonen sehen sie nicht gleich.“
Hier sind also die Eumeniden nicht nur Wahngebilde, sie werden von der Priesterin, dann sogar von den Zu- schauern selbst gesehen. An keiner Stelle des Dramas er- scheint dagegen Orestes selbst als irr; die ganze Schilde- rung des Wahnsinns besteht in dem Auftreten der Eume- niden. Wo Orestes selbst spricht, ist er in seinem Denken und Fühlen völlig gesund; keine Gewissensbisse zeigen sich, keine Reue wegen des Muttermords. Klaren Sinnes spricht er den Eumeniden geradezu das Recht ab, ihn zu verfolgen; ohne jene würde niemand den Geisteszustand des Orestes als leidend betrachten.
So trennt also Aschylus die Schilderung des Wahn- sinns, den er durch Xußerlichkeiten bezeichnet, von der Person, die in ihrem Reden und Handeln als geistig ge- sund erscheint. Wie der fromme Dichter alle Erschei- nungen auf den Willen der Gottheit bezog, so glaubte er auch, den Wahnsinn habe eine Gottheit verhängt. Daher legt er den Wahnsinn nicht in das Wesen der Menschen, sondern er schildert, wie er von außen durch den Willen der Götter an den Menschen herankommt.
Unter den Stücken des SOPHOKLES beschäftigt sich besonders der„Aias“ mit der Frage des Wahnsinns. Aias, der, im Kampfe um die Waffen des Achilles hinter dem verschlagenen Odysseus zurückgesetzt, gegen alle Feldherren der Griechen Rache sinnt, wird von Athene, der Beschützerin des Odysseus, in Wahnsinn versetzt. Athene selbst erzählt dem Odysseus, wie sie den rache- schnaubenden Aias mit Wahnsinn bestraft und von dem Anschlag auf die verfeindeten Feldherrn zu dem Morde der Herden getrieben habe(Vs. 51— 70). Alsdann zeigt sie dem Odysseus den geistesgestörten Aias selbst und läßt ihn ihre Unterredung mit anhören. Noch immer glaubt Aias, seine Feinde getroffen zu haben, noch immer freut er sich, den Odysseus und die übrigen Gegner büßen zu lassen. Selbst Odysseus ist durch den Anblick gerührt, der ihm so recht die Nichtigkeit aller menschlichen Größe zeigt (Vs. 118 ff.). Die sich anschließenden Worte der Athene belehren uns über den wahren Grund, weshalb Aias so tief sinken mußte, den Neid der Götter(Vs. 127 ff.). Als jedoch Aias selbst auftritt, ist er bei völligem Bewußtsein; laut beklagt er die unselige Tat, die ihn vor allen Griechen lächerlich macht, von der er wohl weiß, daß sie nur dem Zorn seiner Feindin Athene entsprungen ist. Dies spricht er mit klarem Urteil Vs. 450 f. aus, während sonst ein wirklich Geisteskranker nach dem Tobsuchtsanfall kaum etwas davon zu wissen pflegt. Da er den Göttern sicht-


