Aufsatz 
Zur Auffassung und Darstellung des Wahnsinns im klassischen Altertum
Entstehung
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an die vernichtende Wirkung despanischen Schreckens gedacht sein. KAhnlich wird die eigenartige Abneigung der Enarer gegen Frauen und ihr zwitterhaftes weibisches Wesen, wohl der erste Fall sexueller Psychopathie, aus einem gegen die Gottheit begangenen Frevel erklärt: sie hätten nämlich den Tempel der Aphrodite Urania ge- plündert(I, 105).

Besonders zeigt sich diese Auffassung von dem gött- lichen Ursprung der Geisteskrankheiten bei den TRAGI- KERN. Stets ist auch hier eine Gottheit die Ursache des Wahnsinnes. Irgend ein Frevel, eine übermütige Hand- lung hat den Zorn des Gottes erregt. Ein merkwürdiger Unterschied in der Behandlung besteht aber darin, daß bei Aschylus und Sophokles die Kranken sich ihres Leidens bewußt sind und mit völlig klarer Erkenntnis darüber reden, daß also die eigentlichen Symptome der Krankheit hinter einer mehr symbolischen Darstellung zurücktreten, daß dagegen bei Euripides meist eine mehr naturalisti- sche Wiedergabe des klinischen Krankheitsbildes einsetzt. In jener szenischen, bühnenmäßigen Behandlung bei den älteren Tragikern macht es übrigens keinen Unterschied, ob jemand wie lIo und Orestes verfolgt zu sein glaubt, oder ob er wie Aias andere hinzumorden beabsichtigt.

ImGefesselten Prometheus des XASCHXY- LUS tritt die unglückliche Io auf, die von Hera verfolgte Geliebte des Zeus. Die Hörner an ihrem Haupte bezeich- nen ihre Verwandlung zur Kuh. Sie befindet sich, wie sie uns erzählt, in wildem Wahnsinn, kann uns aber klar und deutlich ihr Unglück, dessen Ursache und die Anzeichen ihres Leidens beschreiben. Nur durch die etwas unge- wöhnliche Ausdrucksweise und den besonderen Reichtum an poetischen Bildern unterstützt der Dichter die Glaub- würdigkeit ihrer Worte. Beim Auftreten jammert sie (Vs. 566 ff., Obersetzung nach Droysen):

Weh mir!, weh mir!

Es sticht mich Arme, mich die Bremse wieder!

Des Argos Riesenbild, des Erdgebornen Gespenst, ha, Ent- Den tausendäugigen, meinen Hüter seh' ich![setzen, Und er umschleicht mich schon tückischen Haß im Blick, Den auch erschlagen nicht der Erde Nacht birgt!

Nein von den Tiefen aufwärts wider mich Arme steigt er, Und scheucht mich, jagt mich lechzende fort

UÜber den sandigen Strand ruhlos!

Zu mir herüber trägt der wachsgefügten Rohrflöte Schall. Sein schlafscheuchend Lied. Wehl, wohin, wohin

Schweif ich, irr' ich fern in die Ferne fort?

Was denn an mir, o Kronos Sohn, was denn an mir