Aufsatz 
Zur Auffassung und Darstellung des Wahnsinns im klassischen Altertum
Entstehung
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rütteten, krampfhaft gewalttätigen Epileptikers werden von ihm(III, 33 f.) überliefert: er vollzog aus nichtigen Gründen die Todesstrafe, ließ seinen Bruder aus dem Wege räumen, heiratete in offensichtlicher Verachtung der heimischen Bräuche und Rechtsanschauungen seine eigene leibliche Schwester, schändete die Gräber und Heiligtümer und zeigte sich, durch die geringste Veranlassung maßlos gereizt, als schrecklichen Wüterich. Herodot spricht hier die richtige UÜberzeugung aus, daß Verwirrung des Ver- standes als Folge körperlicher Erkrankung aufgefaßt werden könne, und berichtet außerdem, daß Kambyses dem Weingenuß unmäßig ergeben war; es ist also wahr- scheinlich, daß die ihm wohl schon angeborene krankhafte Veranlagung durch Alkoholmißbrauch noch verschlim- mert und gesteigert wurde. An Säuferwahnsinn hat wohl auch der Spartanerkönig Kleomenes gelitten(V, 42; VI. 75, 84). Als er nach längerem Aufenthalt in Thrakien zu- rückkehrte, tobte und raste er, so daß ihn seine Verwand- ten an einen Pfahl binden und bewachen lassen mußten. Mit dem Schwerte eines Wächters schlug er sich tod- bringende Wunden. Während die Argeier die Ursache der Raserei in der Strafe der Götter für eine Freveltat des Kleomenes sahen er hatte nämlich den heiligen Hain des Argos samt den dorthin geflüchteten Schutzflehenden in offenem Bruch des Völkerrechts verbrennen lassen, waren die Lakedämonier der wohl richtigeren Ansicht, Kleomenes habe sich im Verkehr mit den Skythen das maßlose Trinken ungemischten, schweren Weines ange- wöhnt und auch in Sparta nicht mehr davon ablassen können, so daß er zum Schluß völlig die Besinnung und den Verstand verloren habe. Es ist bezeichnend für den frommgläubigen Sinn und die gesamte Weltanschauung des Herodot, daß er hier der mythischen Erklärungsweise, wenn auch mit anderer Begründung, den Vorzug gibt. Ferner berichtet Herodot noch von einem Charilaos aus Samos, der nicht recht bei Verstande war und wegen irgend eines Frevels von seinem Bruder Mäandrios in Fesseln gelegt wurde(III, 145); doch fehlen hier alle nähe- ren Angaben über die Ursache des Leidens. Durch das Eingreifen einer Gottheit und wunderbare Geschehnisse werden mehrfach ganze Heere in Schrecken gesetzt. So wurden die Athener, die geraubte Götterbilder in Agina gewaltsam zurückholen und von ihrem Gestelle reißen wollten, durch ein plötzliches Gewitter und Erdbeben so erschreckt, daß sie wahnsinnig wurden und in Raserei sich selbst erschlugen(V, 85). Ein ähnlicher Schreck er- griff das Heer des Xerxes am Skamandros(VII, 43); wenn ferner Pan dem Eilboten Pheidippides(VI, 105) seine Hilfe vor der Schlacht bei Marathon verspricht, so wird