VI, 428; XXIV, 606; Od. 11, 324). Mit den nämlichen Mitteln mythologischer Ausdeutung wird auch bei den geistigen Leiden verfahren. Als die Kyklopen(Od. 9, 409 f.) den Polyphem, der von„Niemand“ verletzt zu sein erklärt, für verrückt halten, antworten sie ihm, das sei eine vom großen Zeus gesandte Krankheit, die man nicht heilen könne. Ganz ähnlich ist(Od. 20, 360) die UÜber- legung der Freier, die des Theoklymenos Prophezeiungen nicht verstehen und ihn unter Verspottung für verrückt erklären. Beim Streit des Agamemnon und Achill sehen wir den wohltätigen Einfluß der Athene, die den Peliden von schlimmer Gewalttat zurückhält(Ilias I, 207). Da- gegen bezeichnet dieser den verhängnisvollen Entschluß des Königs, die Briseis holen zu lassen, als schlimme Ver- blendung: der wütende König rase zu seinem Verderben und denke in törichter Blindheit weder vorwärts noch rückwärts(I, 342). Die Gottheit, die Agamemnons Denken verwirrt habe, wird hier nicht genannt. Aber später, als Agamemnon seinen Fehler einsieht und eingesteht, erklärt er(XIX, 86), er sei nicht schuldig, sondern Zeus und das Schicksal und die im Dunkeln wandelnde Erinys, die ihm im Rat arge Verblendung ins Herz gelegt habe. Und der versöhnte Achill billigt diese Auffassung(XIX, 270): Zeus sende den Menschen manche Verblendung; andernfalls hätte der Atride von sich aus ihm nicht so viel Zorn er- regt. Zeus habe vielen Achäern den Tod bereiten wollen. [In einem Zusatz zu den Worten des Agamemnon(XIX. 95— 136) wird sogar von der Verblendung des Zeus durch Ate gesprochen, die den Vorrang des Eurystheus vor Herakles listig durchzusetzen wußte. Doch erscheint diese Stelle als spätere Einfügung.] Auch Helenas Vergehen sucht der Dichter zu mildern, indem er bemerkt, die Gott- heit, hier(nach 4, 261) Aphrodite, habe sie zu der unge- bührlichen Tat veranlaßt, deren Folgen sie sich nicht im voraus klar gemacht habe(23, 222). Wie Zeus dem sonst so tapferen Hektor Mutlosigkeit einflößt, daß er sich zur Flucht wendet(XVI, 656), so verführt er im verhängnis- vollen Augenblick den Patroklos zu weiterem Vordringen, wie ja stets sein Wille stärker ist als der der Menschen (XVI, 685). Den Freiern gegenüber spielt Athene diese Rolle. Als Odysseus den Amphinomos warnt, will sie dessen Verderben und läßt ihn in seiner Verblendung(18, 155). Auch als Telemachus ihnen zuredet, verwirrt sie den Sinn der Freier, so daß diese in ein lautes, aber unbegründetes Lachen ausbrechen(20, 346). Im Kampfe erschreckt sie mit der Xgis den Sinn der Freier, wie die umherflatternde Bremse die Rinder scheucht(22, 298). An anderen Stellen ist es ein„Daimon“, ein meist schädigender Geist, der nie in Menschengestalt, nie redend vorgestellt wird. Sobald
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