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(oνια), bald als Rauch(zaνς). In dem Worté Suνμας, das dem lateinischen fumus urverwandt ist, liegt ebenfalls der Sinn des Rauchartigen. Das lateinische animus(= grie- chisch dreuos, Wind) stellt die Seele ebenso wie spiritus und wredua« als etwas Luft- und Hauchartiges dar. Die Homerischen Gedichte, besonders der 11. und 24. Ge- sang der Odyssee, erzählen von einem düsteren Reich der Toten, denen allerdings der Regel nach das persönliche Bewußtsein fehlt. Nur Teiresias hat dieses als besondere Auszeichnung bewahrt; alle anderen müssen, wenn sie die Erinnerung an ihr irdisches Leben gewinnen sollen, zu- vor Blut trinken. Nur selten gelingt es einem Lebenden, wie Odysseus, in diese ferne Welt einzudringen; die Toten selbst bleiben, sobald sie einmal bestattet sind, von dieser Erde verschwunden, die helle Homerische Welt ist von jeglicher Gespensterfurcht befreit. Daß diese Vorstellung nicht die ursprüngliche war, beweisen die ältesten Be- stattungsgebräuche, wie sie z. B. die Ausgrabungen in Mykenä erkennen lassen. Wenn dort die Leichen unver- sehrt beerdigt sind, wenn ihnen kostbarer Schmuck mitgegeben wird, wenn Spuren von Rauch, Reste von Asche und Kohlen, ja sogar von verbrannten Opfertieren auf ein Totenopfer deuten, wenn eine Röhre, die von dem Opferherd aus in das geschlossene Grab führte, sogar dauernde Totenverehrung nach der Bestattung vermuten läßt, so erkennen wir deutlich eine ältere Auffassung, von der sich bei Homer selbst nur wenige Spuren er- halten haben. Die Opferung der zwölf trojanischen Jüng- linge am Grabe des Patroklos(IJlias XXIII, 175) ist ein deutlicher Rest jener ursprünglichsten Seelenverehrung, deren Formen sich auch dann erhielten, als sie infolge der veränderten Glaubensansichten sinnlos geworden waren. Der Wechsel ist wohl damals eingetreten, als die Griechen, weil sie bei ihren Auswanderungen die im Grabe ruhenden UÜberreste ihrer Ahnen nicht in die neue Heimat mit- nehmen konnten, von der Beerdigung zur Leichenver- brennung übergingen. Im Gegensatz zu der Aufgeklärt- heit Homers zeigt sich später in den Sitten des gewöhn- lichen Volkes, besonders im Kult der Erdgottheiten und in den Mysterien, wieder eine größere Furcht vor den Toten. Dagegen hat sich bei den Gebildeten die Vorstellung von der Seele in einer langen Entwicklungsreihe vertieft. Des Sokrates größter Schüler Plato lehrte ihr Bestehen vor der Geburt in jenem überirdischen Reich der Ideen, an das sie sich während der Vereinigung mit dem Körper beim Lernen wieder erinnere und in das sie, von den Fesseln des Stofflichen durch den Tod befreit, aus dem„traurigen Sarkophage“(Schiller) geläutert wieder zurückkehren könne(νι¶ απmσᷣ νν).


