Aufsatz 
Physikalische Versuche / von August Köhler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Klemmt man mit einem geeignet gebogenen Meſſingblech gerade geſtreckte Stücke einer dün⸗ rer Uhrfeder auf die Zinken einer Stimmgabel, ſo gerathen dieſe ebenfalls in Schwingungen. Am freien Ende liegt immer ein Bauch, an dem befeſtigten Ende, an der Stimmgabel, muß ein Knoten liegen, wenn das Maximum des Mitſchwingens erreicht werden ſoll. Je nach der Länge des Stäb⸗ chens iſt nur dieſer eine Knoten oder mehrere vorhanden. Auch dünne Meſſing⸗ oder Stahldrähte zeigen die Schwingungen. Da die Bäuche ziemlich klein ſind, ſo projiciert man die Erſcheinung mit dem Skioptikon.

5. Sinfaches Elektroſkoep.

Ein recht brauchbares Elektroſkop, das ſich auch ein Schüler leicht anfertigen kann, ſtellt man folgendermaßen her:

Aus Paraffin von 70800 Schmelzpunkt gießt oder ſchneidet man eine Platte von 12 em Dicke und 56 cm Durchmeſſer. Sie darf rund oder eckig ſein. Das Gießen erfolgt am be⸗ ſten in einer Blechform, die mit einem Gemiſch von 1 Theil Glycerin und 810 Theilen Alkohol beſtrichen iſt, um das Ankleben zu verhüten. Der Alkoholzuſatz bezweckt, daß die Form gleichmäßig benetzt wird, reines Glycerin oder Glycerin mit Waſſer verdünnt benetzt nur unvollkommen.

In die Mitte der Platte bohrt man ein Loch, am bequemſten mit einem Drillbohrer, damit das Paraffin nicht ſpringt. In das Loch ſteckt man einen ſtramm paſſenden Meſſingdraht von 68 em Länge und 1 mm Dicke. Oben und unten biegt man eine Oeſe von 34 mm Durchmeſſer. Dann fertigt man auf ein geeignetes Glas(Einmachglas oder Batterieglas) mit Hilfe der Laubſäge einen Deckel aus Holz oder dicker Pappe. Derſelbe beſteht einfach aus einer kreisförmigen Scheibe, deren Durchmeſſer etwas größer iſt, als der Durchmeſſer des Glaſes. In die Mitte der Scheibe kommt ein Loch von 45 cm Durchmeſſer. Auf die Unterſeite des Deckels klebt man drei kleine Holzklötzchen, die, wenn der Deckel richtig auf dem Glaſe liegt, den Rand gerade von innen berühren; ſie verhindern, daß der Deckel herabrutſcht.

Das Loch in dem Deckel bedeckt man nun mit der Paaraffinſcheibe, ſo daß der Draht in die Mitte des Glaſes herabhängt. Die Paraffinplatte befeſtigt man durch drei kurze Nadeln, die man in vorgebohrte, etwas engere Löcher durch das Holz in die Paraffinſcheibe hineinſticht.

Iſt alles ſoweit vorbereitet, ſo befeſtigt man an der unteren Oeſe die Goldblättchen in der üblichen Weiſe.

Ein ſolches einfaches Elektroſkop hält ſeine Ladung mehrere Stunden. Will man die Gold⸗ blättchen projicieren, ſo benutzt man ſtatt des Glaſes eine viereckige Schachtel von Blech. Um die Goldblättchen einzuführen, ſägt man in den Deckel der Schachtel ein viereckiges 45 em großes Loch, auf dem man die Paraffinplatte wie auf dem Holzdeckel befeſtigt; in zwei einander gegenüberliegende Flächen ſägt man noch zwei rechteckige Fenſter, durch die man die Goldblättchen beobachten kann. Dieſe Fenſter bedeckt man mit dünnen Glimmerplatten, die ſich leicht mit Tiſchlerleim auf das er⸗ wärmte Blech aufkleben laſſen. Man ſägt das Blech mit einer Laubſäge; iſt es ziemlich dick, ſo benetzt man die Säge mit Oel oder auch Waſſer, dünnes Blech ſägt man trocken gleichzeitig mit einem unter gelegten Stück Pappe, dann verbiegt es ſich nicht. Am beſten ſägt ſich Zinkblech.

Die Goldblättchen eines ſolchen Elektroſkops laſſen ſich mit einem Skioptikon leicht auf eine Scala projicieren, auf der man die Ausſchläge meſſen kann, man muß nur acht geben, daß das In⸗ ſtrument nicht zu nahe an die Lampe kommt, damit das Paraffin nicht warm wird.

6. Einfluſz des Iſolators auf die Capacität des Condenſators.

. Wenn man auch im elementaren Unterricht nicht auf das Verhalten der Iſolatoren im elek⸗ triſchen Felde eingehen wird, ſo empfiehlt es ſich doch wohl, zu zeigen, daß das Glas der Leydener Flaſche⸗ nicht nur die Rolle einer trennenden Schicht ſpielt. Man kann dazu die bekannte zerlegbare Flaſche benutzen, die zum Nachweis dient, daß die Ladung großentheils auf den Glasflächen ſitzt.

Man ſtellt den äußeren Beleg auf eine Paraffinplatte und verbindet ihn durch einen Draht mit einem Elektroſkop. Dann lädt man, bis das Elektroſkop einen ziemlich beträchtlichen Ausſchlag⸗