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oder Ziehen an dieſem Gewicht läßt ſich die Länge des von der Zinke frei herabhängenden Faden⸗ ſtückes leicht abändern, und die einmal eingeſtellte Länge bleibt in Folge der Reibung unverändert.
Streicht man nun die Stimmgabel mit dem Bogen an, ſo geräth der Faden in Transverſalſchwingun⸗ gen, da an dem Bleigewicht ebenſogut Reflexion eintritt, wie an den zur Befeſtigung dienenden Stellen der ge⸗ wöhnlich bei dieſem Verſuch angewandten Stative. An dem Bleigewicht liegt ſtets ein Knoten, man ändert nun in der oben angegebenen Art, während man die Gabel ſtreicht, die Länge des herabhängenden Fadens, bis auch an der Oeſe ein Knoten liegt. Nimmt man die Schwingungszahl der Gabel als bekannt an, ſo läßt ſich wie beim Kundtſchen Verſuch die Schallgeſchwindigkeit auf dem Faden nach der Formel v=n l beſtimmen.
Befeſtigt man denſelben mit den gleichen Gewichten belaſteten Faden, in derſelben Weiſe an einer anderen Stimmgabel mit der unbekannten Schwingungszahl“, ſo kann man aus der dann auf dem Faden gemeſſenen Wellenlänge!“ und der aus dem vorigen Verſuch beſtimmten Geſchwindig⸗ keit v die Schwingungszahl der Gabel n“ berechnen zu n/= v/1“.
Schwingungen des Fadens von der Schwingungszahl n/2 erzeugt man mit einer Gabel von n Schwingungen in der bekannten Weiſe, indem man die Gabel in einer ſenkrechten Ebene ſchwingen läßt. Die Wellenlänge iſt dann doppelt ſo groß, ein Beweis, daß die Geſchwindigkeit auf dem Faden ſich nicht geändert hat.
Bei wagrechter Lage der Schwingungsebene kann man durch beide Oeſen Fäden legen. Wir wählen zunächſt die beiden Fäden gleich, belaſten den einen jederſeits mit 1 Gewicht und gleichen die Länge des von der Zinke herabhängenden Endes ſo ab, daß gerade vier Bäuche auf dem Faden liegen. Den anderen Faden belaſten wir mit 4 Gevichten jederſeits, und machen ihn ebenſolang wie den ꝛerſten. Streichen wir jetzt die Gabel, ſo ſchwingen beide Fäden iſochron, auf dem mit 4 Gewichten geſpannten liegen aber nur zwei Bäuche. Der Verſuch zeigt auf einen Blick, daß die Wellenlänge und damit(bei gleicher Schwingungszahl) auch die Geſchwindigkeit der Quadrat⸗Wurzel aus der Spannung direkt proportional iſt.
Den mit 4 Gexichten geſpannten Faden erſetzen wir nun durch einen, deſſen Querſchnitt, reſp. deſſen Maſſe auf der Längeneinheit viermal ſo groß iſt. Man erhält ihn einfach, indem man vier Seidenfäden nebeneinanderlegt und an den Enden verknotet. Belaſtet man beide Fäden mit gleichen Gewichten, ſo findet man auf dem vierfachen Faden immer doppelt ſo viel Bäuche als auf dem einfachen: die Wellenlänge(und damit die Geſchwindigkeit) iſt der Quadratwurzel aus dem Quer⸗ ſchnitt umgekehrt proportional.
Um zu zeigen, daß es bei verſchiedenem Material nicht auf den Ouerſchnitt, ſondern auf die Quadratwurzel aus der Maſſe der Längeneinheit ankommt, müßte man zwei Fäden von verſchiedenem Material, aber entſprechendem Gewicht haben; bis jetzt konnte ich noch keine paſſenden Stoffe finden.
Zuletzt kann man noch zeigen, daß die Geſchwindigkeit ſich nicht ändert, wenn der Quotient: Wurzel aus Spannung durch Wurzel aus OQuerſchnitt gleich bleibt: man ſpannt den einfachen Faden mit einem Gewicht, den vierfachen mit 4 Gewichten, dann iſt die Wellenlänge auf beiden Fäden gleich.
Hat man keine paſſende Stimmgabel, ſo kann man einen einfachen Eiſenſtab benutzen. Ich habe die Verſuche außer mit Stimmgabeln von 285 Schwingungen auch mit einem eigentlich für ganz andere Zwecke beſtimmten Eiſenſtab von 349 mm Länge, 25 mm Breite und 4 mm Dicke gemacht, der in der Mitte durchbohrt war. Durch Verſuche mit aufgeſtreutem Sand ſtellte ich die Lage der Knoten feſt, wenn der Stab mit freien Enden und 2 Knoten, 3 Knoten und 4 Knoten ſchwang. Klemmt man den Stab nun zwiſchen zwei Brettchen, auf die je zwei dreikantige Gummi⸗ oder Kork⸗ prismen ſo aufgeleimt ſind, daß ihre freien Kanten den Stab gerade an den Knoten feſthalten, ſo kann man den Stab bequem befeſtigen und durch Streichen eines der beiden zwiſchen den Brettchen hervorragenden Enden zum Tönen bringen. Um die Enden legt man dann ähnliche Drahtöſen, wie ich ſie für die Stimmgabel beſchrieben habe und verfährt dann genau wie dort. Läßt man den Stab mit einer verſchiedenen Zahl von Knoten ſchwingen, ſo läßt ſich durch Meſſen der Wellenlängen auf dem gleichen, jedesmal gleich ſtark geſpannten Faden wohl auch die Schwingungszahl der Obertöne an⸗ nähernd beſtimmen; ich habe mit meinem Stabe die Verſuche nicht gemacht, weil die Abſtände der Knoten, wahrſcheinlich wegen der Durchbohrung in der Mitte nicht gleichmäßig waren; eine Vergleich⸗ ung der Verſuchsergebniſſe mit den berechneten Werthen wäre alſo doch nicht möglich geweſen.


