Aufsatz 
Physikalische Versuche / von August Köhler
Entstehung
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Fertigt man einen auf die offene Pfeife paſſenden, in der Mitte durchbohrten Deckel an aus zwei zuſammengeleimten Brettchen, von denen das eine gleich dem inneren, das andere gleich dem äußeren Querſchnitt der Pfeife iſt, in deſſen Bohrung das Glasrohr ziemlich gut hineinpaßt, ſo kann man auch die Knoten einer gedackten Pfeife nachweiſen. Eine gewöhnliche offene Pfeife iſt al⸗ lerdings dann zu eng im Verhältniß zu ihrer Länge und giebt deßhalb nicht ihren Grundton als ge⸗ dackte Pfeife, ſondern den erſten Oberton.

Geht das Glasrohr nur eben durch den Deckel, ſo zeigt die Bewegung der Flamme den Kno⸗ ten, liegt das Ende des Glasrohrs um ein Drittel der Länge der Pfeife vom geſchloſſenen Ende ent⸗ fernt, ſo iſt die Wirkung auf die Flamme gering, da hier ein Bauch liegt. Bringt man das Ende des Rohrs in eine Entfernung von ½ der Pfeifenlänge vom geſchloſſenen Ende, ſo läßt die Bewegung der Flamme den zweiten Knoten erkennen.

Stellt man den Apparat wieder ſo, daß das Ende des Glasrohrs eben in die Oeffnung der Pfeife hineinreicht und bläſt dann die Pfeife an, während der Deckel möglichſt weit von der Oeffnung weggeſchoben iſt, ſo hört man den Grundton der offenen Pfeife, und die Flamme bleibt ruhig, ſchiebt man den Deckel auf die Oeffnung, ohne ſonſt etwas zu ändern, ſo hört man den höheren Oberton (der gedackten Pfeife) und der Flammenzeiger wird weggeblaſen.

Es iſt zweckmäßig, den Flammenzeiger und das Rohr unverrückbar zu befeſtigen und über dem freien Ende des Rohres ein Pendelchen ſo aufzuhängen, daß man die Pfeife unter dem Pendel⸗ chen hindurch bequem über das Rohr ſchieben kann; das Pendelchen zeigt dann immer die Lage des offenen Endes des Glasrohrs in der Pfeife an.

2. Rundtſehe Staubſiguren.

Dieſe Figuren laſſen ſich in dem von Weinhold angegebenen 120 cm langen Rohr auch ganz gut mit einer kleinen zinnernen Pfeife von 34 cm Länge herſtellen, wenn man ſie ſo vor dem offenen Ende der Röhre anbläſt, daß der Luftſtrom nicht gerade in die Röhre hineingeht. Am offenen Ende der Röhre wird allerdings der Staub doch weggeblaſen, aber in der Nähe des geſchloſſenen Endes bekommt man hübſche Wellen, durch deren Meſſung man nachweiſen kann, daß die Länge des Pfeifchens ¼ 1 iſt. Die Holzkugel oder Erbſe, die gewöhnlich in den Pfeifchen liegt, entfernt man am beſten, um einen reinen Ton zu bekommen.

5. Chemiſche Parmonika.

Auch zu dieſem Verſuch kann man das oben erwähnte Rohr für die Staubfiguren benutzen. Man bringt es zum Tönen durch eine Gasflamme, die aus einem ca. 50 cm langen Rohr mit ½ ¾ mm weiter Ausſtrömungsöffnung herausbrennt. Schiebt man das Rohr weit über die Flamme, ſo hört man einen tiefen Ton, zieht man das Rohr in die Höhe, ſo kommt die Octave hinzu, was man auch im rotierenden Spiegel deutlich an den zwiſchen den großen auftauchenden kleinen Flam⸗ menbildern ſieht. Zieht man das Rohr noch weiter in die Höhe, ſo verſtummt der Grundton, man hört die Octave allein und im Spiegel erſcheinen lauter gleichgroße Flammenbilder. Die Höhe der Flamme ſei 1 ½ cm, wenn der Grundton ertönt.

4. Der Meldeſehe Stimmgabelverſuch.

Ueber die Zinken einer Stimmgabel werden kleine, rechteckige Drahtſchlingen mit einer Oeſe an der einen Schmalſeite geſchoben, die man aus 1 mm ſtarkem Meſſingdraht leicht paſſend biegen kann.

Die Gabel wird in die Doppelmuffe eines Bunſenſchen Stativs, das an den Diſch feſtge⸗ ſchraubt oder durch ein Gewicht beſchwert iſt, eingeklemmt, ſo daß die Schwingungsebene der Zinken horizontal liegt. Durch die Oeſe der einen Drahtſchlinge wird ein Seidenfaden gezogen, der an beiden Enden mit kleinen Schlingen verſehen iſt. In dieſe Schlingen hängt man beiderſeits kleine, mit Hacken verſehene, ca. 30 g ſchwere Bleigewichte. Das eine Ende des Fadens läßt man frei von der Oeſe herabhängen, das andere führt man parallel zur Gabel nach dem Stativ und legt es über die eine Schraubenſpindel der Doppelmuffe, dann läßt man es ebenfalls frei herabhängen. Durch Heben