Erſter Teil. Phyſikaliſche Verſuche.
Von Dr. A. Köhler.
Die Verſuche, die ich in den folgenden Zeilen mitzutheilen beabſichtige, ſind nur theilweiſe neu, ich veröffentliche aber auch die älteren, länger bekannten, weil vielleicht für den einen oder an⸗ deren Fachgenoſſen die Kenntnis der einfachen, leicht zu beſchaffenden Hilfsmittel von Intereſſe ſein könnte, die ich zu dieſen Verſuchen benutze. Wenn man keinen geübten Mechaniker bei der Hand hat, ſo muß man eben ſuchen, auf einfache Art ſich ſelbſt die weniger complicirten Apparate herzuſtellen, man hat dann noch den Vortheil, mehr für die Anſchaffung von Inſtrumenten anwenden zu können, deren eracte Ausführung nur mechaniſch geſchulten Kräften möglich iſt. Die meiſten beſchriebenen Apparate ſind ſo einfach, daß ſie auch ein Schüler, der etwas Handfertigkeit beſitzt, unter Anleitung des Lehrers oder nach einem vorgelegten Modell wird anfertigen können. Das Material, das zur Herſtellung dient, kann man, von Einzelnem abgeſehen, wohl auch an Orten bekommen, wo keine Ge⸗ ſchäfte ſind, die ſich mit der Anfertigung oder dem Verkauf phyſſikaliſcher Apparate beſchäftigen.
Bei der folgenden Beſchreibung beginne ich mit den Verſuchen über den Schall, dann folgen die aus dem Gebiete der Optik, die aus dem Gebiet der Electricitätslehre und ſchließlich einige Ver⸗ ſuche aus der Wärmelehre.
1. Ein TSplerſeher Flammenzeiger.
Ein Glasrohr von 5—6 mm Weite und der anderthalbfachen bis doppelter Länge der zu benutzenden Orgelpfeife wird an dem einen Ende in eine Spitze von ca. 1 mm Weite aus⸗ gezogen. Es wird dann auf einem Brett mit zwei Drähten in magerechter Lage ſo befeſtigt, daß an dem nicht zugeſpitzten Ende ein Stück von der Länge der Pfeife frei über das Brett hinausſteht. Vor die Spitze kommt dann ein kleiner Gasbrenner, der aus einem rechtwinklig geboge⸗ nen Glasröhrchen beſteht, das mittels eines Korks auf einem mit Blei beſchwerten Brettchen befeſtigt iſt. Der ſenkrecht ſtehende Theil des Röhrchens iſt in eine Spitze von ca. 3 mm Durchmeſſer aus⸗ gezogen, aus der die Flamme herausbrennt. Man läßt nun die Flamme 1—2 em hoch brennen und ſtellt den Apparat ſo auf, daß die Oeffnung des Brenners etwas tiefer ſteht als die Spitze des langen Glasrohrs, der Abſtand beider Spitzen ſoll ca. 5 mm betragen. Schiebt man nun die Pfeife ſo über das Glasrohr, daß deſſen offenes Ende in die Mitte der Pfeife kommt, ſo wird die Flamme, wenn die Pfeife ihren Grundton giebt, ſtark zur Seite geblaſen, ruft man durch ſtarkes, ſtoßweiſes Blaſen den Oberton hervor, ſo bleibt die Flamme faſt in Ruhe. Schiebt man die Pfeife ſoweit zu⸗ rück, daß das Ende des Glasrohrs gerode in das offene Ende der Pfeife zu liegen kommt, ſo wird die Flamme durch den Grundton und den Oberton nur wenig beeinflußt, weil beide hier Bäuche ha⸗ ben. Auch auf die Knoten des erſten Obertons kann man das Ende der Glasröhre einſtellen und zeigen, daß die Flamme dann weggeblaſen wird.
Daß die Bewegung der Luft an den Schwingungsbäuchen die Flamme nicht merklich beein⸗ flußt, zeigt man, indem man den Brenner ohne das lange Rohr dicht vor das offene Ende der Pfeife ſtellt.
Auch den Knoten am geſchloſſenen Ende des Reſonanzkaſtens einer Stimmgabel n= 256) kann man mit dem Apyarat leicht nachweiſen, wenn auch die Flamme nicht ſo ſtark wie bei der Pfeife weggeblaſen wird.


