An die Eltern unſerer Schüler.
Eigentlich könnten wir jedes Jahr das, was in der vorjährigen Einladungsſchrift zu den Eltern geſprochen war, der Hauptſache nach wiederholen. Denn bei dem theilweiſen Wechſel unſerer Schüler ſind es immer wieder andere Eltern, mit welchen wir durch die gemeinſame Sorge für die Kinder in Verbindung treten; und außerdem dürfte für manche Eltern eine ſolche Wiederholung nicht unangemeſſen ſein. Wir könnten alſo immer wieder ſagen, wie wichtig es ſei, daß die Eltern die Schule und ihre Einrichtungen achten und auch ihren Kindern Achtung davor einflößen; wie viel von einem regelmäßigen Schulbeſuche abhänge; wie es die Ehre der Eltern ſelbſt erfordere, darüber zu wachen, daß ihre Kinder ſich überall anſtändig und geſittet betragen; wie ſich um der Kinder willen die Eltern um die Schularbeiten auf die rechte Weiſe kümmern ſollen. Ich will aber diesmal nur Weniges hervorheben.
Es wäre für die Kinder gut, wenn ein beſtändiger Verkehr zwiſchen Eltern und Lehrern ſtattfände. Man hat wohl an manchen Orten verſucht, einen ſolchen zu Stande zu bringen, durch Herausgabe von Zeitſchriften für die Eltern der Schüler beſtimmter Schulen, durch regelmäßige Zu⸗ ſammenkünfte, durch mancherlei andere Mittel. Es will dies auf die angegebene Weiſe nicht recht gelingen. Aber wir haben etwas, das dieſen beſtändigen Verkehr vermitteln kann. Es ſind dies die häuslichen Arbeiten der Kinder. Wenn wir die Arbeiten der Schüler durchſehen, ſo deuten wir— abgeſehen davon, daß wir die einzelnen Fehler, zum Theil durch Zeichen, mit Bemerkungen verſehen— unſer Geſammturtheil durch ein Zeichen, eine Nummer, ein Wort an. Wir bemerken außerdem ſchriftlich, ob etwas nicht ganz in der Ordnung ſei, ob die Ablieferung zu ſpät ſtattgefunden habe u. ſ. w.— Wenn Sie nun, geehrte Eltern unſerer Schüler, ſich die Arbeiten Ihrer Kinder regelmäßig zeigen laſſen, ſo ſehen Sie an unſeren Bemerkungen bald, ob die Schule mit Ihren Kindern zufrieden iſt oder nicht. Und wenn die Schule Grund zur Unzufriedenheit hat, dann iſt es Ihre Sache, dem abzuhelfen. Wenn Sie wirklich das Wohl Ihrer Kinder im Auge haben, ſo ſcheuen Sie dieſe Mühe nicht. Es iſt Ihnen damit nicht zugemuthet zu ſorgen, daß die Arbeit voll⸗ kommen richtig gemacht werde; das iſt die Sache der Kinder ſelbſt; ja es wäre gar nicht gut für dieſe, wenn Sie ihnen die Arbeit des Denkens abnehmen wollten. Alſo dafür, daß die Arbeit der Aufgabe gemäß gefertigt werde, laſſen Sie immerhin die Kinder ſelbſt ſorgen. Wenn Sie dies thun, ſo kann es vielleicht einmal vorkommen, daß uns eine Arbeit von vielen Schülern, auch von fleißigen, fehlerhaft geliefert wird; dann erkennen wir wohl, daß wir den Kindern mehr, als ſie leiſten konnten, zugemuthet haben, und wir machen es uns zur Pflicht, die Sache genauer zu erklären. Zu dieſer Erkenntniß würden wir nicht kommen, wenn Sie ſelbſt, ſtatt Ihrer Kinder, eigentlich die Verfaſſer der Arbeit geweſen werden. Aber das müſſen wir, zum Beſten Ihrer Kinder, wünſchen, daß Sie, wo eine äußere Unordnung— ſchlechte Schrift, Verunſtaltung durch Flecken, zu ſpätes Abliefern— gerügt i*ſt, mit allem Ernſt ſorgen, daß dieſe nicht wieder vorkomme. Die Bemerkung„zu ſpät abgeliefert“
dürfte unter zwei unmittelbar nach einander im Hefte ſtehenden Arbeiten nicht zu finden ſein.— Mittlere Bürgerſchule. 4


