Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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ſagt(vgl. Lisco) Luther:Daß ihr meinet, je mehr ihr arbeitet, je mehr ihr haben werdet, das iſt verloren, denn es muß es doch Gottes Segen thun; und ſeinen Lieben gibt er's wie im Schlafe; er läßt ſie wohl arbeiten und fleißig ſein, doch ſo, daß ſie nicht ſorgen, noch ſich ver⸗ meſſen, ſondern gehen dahin fröhlich, laſſen's ihm befohlen ſein, und leben dahin fein ſtill und mit ruhigem Herzen.

1. Petr. 5, 7 leſen wir ein ſchönes Wort des Apoſtels, das gewiß ſchon viele Tauſende von Chriſten getröſtet und zur That erkräftigt hat, nämlich:Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er ſorget für euch.

Es iſt klar, daß hier die beiden Worte nicht ganz dieſelbe Bedeutung haben. Was euch bekümmert(was dein Herze kränkt. P. Gerhardt), das werfet auf ihn, das befehlet ihm an, denn er hat ein Herz für euch, er nimmt ſich liebend eurer an, er wird euch geben, was euch noth thut. Wirklich ſtehen auch im Griechiſchen hier Wörter von verſchiedenem Stamme, zuerſt ε ρρμναάν (dasſelbe Wort, das öfters für auch thatloſe ängſtliche Sorge gebraucht wird), dann uei, er kümmert ſich um euch).*)

Auch hier könnte jemand meinen, es ſei der Thatloſigkeit, demblinden Vertrauen das Wort geredet. Wer etwa dies vermuthen ſollte, den bitten wir, den erſten Brief des Petrus auf⸗ zuſchlagen und zu prüfen, ob wohl derſelbe Apoſtel, der(Kap. 4) ſagt, die Menſchen ſollten einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen habe, dienen; der ferner Anweiſung gibt, in welchem Sinne man ein Amt führen ſoll: ob wohl derſelbe zur Unthätigkeit könne aufgefordert haben. Nein! Eure Sorge werfet auf den Herrn, das heißt: den Erfolg eurer ernſten Sorgen und redlichen Bemühungen überlaßt vertrauensvoll Gottes Fügungen.

So ſingt Paul Gerhardt nach Pſ. 37, 5:

Befiehl du deine Wege, Und was dein Herze kränkt, Der allertreuſten Pflege Des, der den Himmel lenkt.

Die Wege werden gegangen, zurückgelegt; dieſes Gehen iſt ein Handeln, nicht ein Unthätigſein. Alſo der Erfolg des Handelns, Wirkens, Strebens, nicht des Müßiggangs, der That⸗ loſigkeit wird dem Herrn anbefohlen.

Ähnlich ſagt Flemming:

In allen meinen Thaten Laß ich den Höchſten rathen, Der Alles kann und hat.

In meinen Thaten, alſo nicht in meiner Unthätigkeit.

In dieſen Liederverſen ſowie in vielen Bibelſprüchen iſt von zweierlei die Rede, vom Handeln und vom Glauben. Es entſpricht dies demBete und arbeite; es entſpricht dem, daß der Menſch ſowohl ein ſinnliches als ein ſittlich⸗geiſtiges Weſen iſt.

*) Ebenſo V.: sollicitudinem cura. F.: déchargeant tous vous soucis sur lui: car il a soin de vous. Dagegen E.: casting all your care upon him, for he careth for you. A. wörtlich wie Luther.