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ſolle beſtändig Gebete ſprechen und Andachtsübungen vornehmen, ſondern daß dieſes Trachten nach dem Reiche Gottes in unſerm ganz gewöhnlichen Leben, in den Beziehungen, die wir in der mannig⸗ fachſten Weiſe zu andern. Menſchen haben, in der Ausführung der Geſchäfte unſeres irdiſchen Berufs geſchehen könne: wer möchte daran zweifeln? Alſo nochmals: daß wir dieſe Geſchäfte vernachläſſigen ſollen, iſt durchaus hier nicht geſagt.
Wir müſſen das Wort ſorgen genauer betrachten. Seine Bedeutung verzweigt ſich in zwei verſchiedene; es heißt erſtens: denken und handeln, damit etwas geſchehe, erreicht werde, zu Stande komme; und zweitens: im Geiſte darüber in Unruhe ſein, ob etwas, das wir im Sinne haben, auch wirklich geſchehe, erreicht werde, zu Stande komme. Ein Handeln iſt bei der erſten Bedeutung nothwendig, bei der zweiten ausgeſchloſſen: ja das Sorgen in der zweiten Bedeutung iſt einem that⸗ kräftigen Handeln eher im Wege. Zu der erſten Bedeutung gehören z. B. Sorgfalt, Fürſorge, Beſorgung, ſorgſam, zur zweiten z. B. Beſorgniß.*)
Die erſte Bedeutung finden wir z. B. in dem Gellert'ſchen Liede„Auf Gott und nicht auf
meinen Rath“ in den Worten: b „Du ſorgſt für mich Stets väterlich; Nicht was ich mir erſehe, Dein Wille, Herr, geſchehe!“
Dagegen die zweite z. B. bei Paul Gerhardt(in„Befiehl du deine Wege“): „Mit Sorgen und mit Grämen Und mit ſelbſteigner Pein Läßt Gott ihm gar nichts nehmen, Es muß erbeten ſein.“
Ferner bei Sirach(30, 26):„Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit.“ Übrigens gehen die beiden Bedeutungen vielfach in einander über; manchmal wird ſorgen allerdings ähnlich mit befürchten, ſich ängſtigen gebraucht, ſo daß aber doch äußere Thätigkeit nicht völlig ausgeſchloſſen iſt. So, wenn ich nicht irre, bei Paul Gerhardt(in„Wie ſoll ich dich empfangen?“):
„Ihr dürft euch nicht bemühen Noch ſorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht.“
Ebenſo bei Flemming(in„In allen meinen Thaten“): „Nichts iſt es ſpat und frühe Um alle meine Mühe, Mein Sorgen iſt umſonſt.“**)
So auch bei Herder in dem Gedichte:„Das Kind der Sorge.“ *) Nach dem heutigen Sprachgebrauche nämlich. Daß dieſer nicht von jeher galt, lernen wir aus zwei Stellen, die Grimm im Wörterbuche(S.„Beſorgen“ u. ſ. w.) anführt. C. F. Weiße(1726—1804):„Künftig werde ich ihm die Beſorgniß meines ganzen Vermögens anvertrauen.“ Und Leſſing(1729— 1781):„Der Grieche martert uns mit der gräulichen Beſorgung, der arme Philoktet werde ohne ſeinen Bogen auf der wüſten Inſel bleiben und elendig umkommen müſſen.“ **) Im Frankfurter Geſangbuche lauten dieſe Verſe anders.


