Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

zu Gottes Reich und Herrlichkeit(1. Theſſ. 2, 12); nicht zur Unreinigkeit, ſondern zur Heiligung (1. Theſſ. 4, 7); zur Seligkeit in der Heiligung des Geiſtes und im Glauben der Wahrheit(2. Theſſ. 2, 13. 14); zum ewigen Leben(1. Tim. 6, 12); dazu, heilig zu ſein in allem ihrem Wandel (1. Petr. 1, 15); zur ewigen Herrlichkeit in Chriſto Jeſu(1. Petr. 5, 10); weg von der Finſterniß (der Unwiſſenheit und Sünde) zu Gottes wunderbarem Lichte(1. Petr. 2, 9); zum Abendmahl des Lammes, wie ſich in bildlicher Rede Johannes ausdrückt(Offenb. 19, 9). Auch daß ſie wohl, nach dem Vorbilde Chriſti ſelbſt, unſchuldig Leiden ertragen, liegt in ihrem Berufe, oder iſt Folge des von Gott an ſie ergangenen und von ihnen gehörten Rufes(1 Petr. 2, 21).

Röm. 11, 29.Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht gereuen. Paulus drückt hier die Hoffnung aus, daß die Juden, obwohl ihrer jetzt viele nicht glaubten, dennoch, da Gott ihnen ſo große Gaben(Geſetz und Verheißung) gegeben und ſie zur Kindſchaft berufen habe (Kap. 9, 4), einſtens auch zum Glauben und zur Seligkeit gelangen werden.. 3

1. Kor. 1, 26.Sehet an, lieben Brüder, euren Beruf: nicht viel Weiſe nach dem Fleiſch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle(ſind berufen)*). Vs. 27.Sondern was thöricht iſt vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weiſen zu Schanden mache.

Auch hier iſt der Beruf nicht vom Stande oder bürgerlichen Gewerbe zu verſtehen. Der Apoſtel vertheidigt ſeine Lehrweiſe gegen eine Partei in Korinth(die Apolliſchen), welcher dieſelbe als zu einfach erſchien. Er ſagt an unſerer Stelle: Sehet an, an was für Leute der Ruf Gottes er⸗ gangen iſt; es ſind nicht viele Gelehrte, Mächtige, Vornehme dabei.

Eph. 1, 18.Daß ihr erkennen möget, welche da ſei die Hoffnung eures Berufs. Paulus bittet Gott, er möge den Gemeinden, an welche dieſer Brief gerichtet iſt, erleuchtete Augen ihres Verſtändniſſes geben, daß ſie erkennen mögen, welche Hoffnung mit der Annahme des an ſie er⸗ gangenen göttlichen Rufes verbunden ſei.

Eph. 4, 1.So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie ſich's gebühret eurem Beruf, darin ihr berufen ſeid. Nachdem der Apoſtel im erſten Theile dieſes Sendſchreibens von den Segnungen des Evangeliums, von der Gnade Gottes, von dem Glauben an Jeſus als an den Meſſias(Chriſtus) geſprochen hat, geht er im zweiten Theil auf den eines Chriſten würdigen Lebenswandel über. Er beginnt dieſen zweiten Theil mit den oben angeführten Worten. Der Ruf dies iſt der Sinn, der von Gott an euch ergangen iſt, legt euch Ver⸗ pflichtungen für euer Leben und Handeln auf; erfüllet ſie!

Eph. 4, 3.Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt, durch das Band des Friedens. Vs. 4.Ein Leib und Ein Geiſt, wie ihr auch berufen ſeid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ihr Chriſten alle, wie verſchieden ihr auch im übrigen ſein möget ehemalige Juden oder ehema⸗ lige Heiden, mit dieſen oder mit jenen beſondern Geiſtesgaben ausgeſtattet, macht ein Ganzes aus, ſeid geiſtig ſo eng mit einander verbunden wie körperlich die Glieder eines Leibes(vgl. 1. Kor. 12, beſonders Vs. 5. 6. 12. 13. 27); in der Hauptſache ſeid ihr gleich, nämlich in der Hoffnung, die euch durch den göttlichen Ruf gegeben iſt.

*) Die eingeklammerten Worte ſtehen nicht im griechiſchen Urtexte; ſie ſind von Luther, wohl des leichteren Ver⸗

ſtändniſſes wegen, zugeſetzt. Mittlere Bürgerſchule. 3