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nichts zurück, was ihm wichtig war; er geſteht nur zu, daß es von der allgemeinen Regel, in ſeiner äußeren Lage zu bleiben, unter Umſtänden auch Ausnahmen geben könne.*)
Bs. 22.„Denn wer ein Knecht berufen iſt in dem Herrn, der iſt ein Gefreiter des Herrn; desſelbigen gleichen wer ein Freier berufen iſt, der iſt ein Knecht Chriſti.“
Wer als ein Sklave vom Herrn den Ruf, zu ihm zu kommen, empfangen hat, der iſt dadurch — zwar in menſchlichen Verhältniſſen nicht freier als zuvor, aber— frei von der Herrſchaft der Sünde, frei durch den Herrn, ein Freigelaſſener des Herrn. Und wer als ein Freier jenen Ruf empfangen hat, der iſt, eben durch jenen Ruf, gebunden, gehalten, verpflichtet, ſich dieſem Rufe ge— mäß auch im Leben zu bewähren. Beide ſind ſie gleichmäßig— und die Verſchiedenheit ihrer äußeren Lage bedingt darin keinen Unterſchied— Freigelaſſene des Herrn(durch den Herrn aus den Feſſeln des Irrthums und der Sünde befreit) und Diener des Herrn.
So, ſcheint mir, ſind hier die Worte Beruf und berufen zu faſſen. Und ähnlich an vielen andern Stellen des N. T.—
Auch im A. T. kommt das Wort berufen öfters vor, in der Bedeutung von Zuſammenrufen oder herrufen, damit die Berufenen oder Gerufenen entweder eine Botſchaft oder einen Rath anhören (1. Moſ. 49, 1; 4. Moſ. 10, 2; Joſ. 23, 2) oder damit ſie einen Auftrag empfangen (2. Moſ. 31, 2; 35, 30; 2. Kön. 3, 21; Jeſ. 41, 9; 48, 12.) Im Hebräiſchen ſtehen da meiſt Formen von 8 5(vielleicht, da ja in den Sprachen r und 1 häaufig wechſeln, ſtammverwandt mit
*◻.mισν). Im N. T.**) finden wir dieſe Bedeutung Matth. 2, 7 und etwa auch Mark. 6, 7. An allen übrigen Stellen iſt ein Ruf gemeint, der von Gott an Menſchen— an einen einzelnen oder
an viele— ergangen. Matth. 20, 16:„Viele ſind berufen“(haben von Gott den Ruf empfangen, zu ihm zu kommen),„aber Wenige ſind auserwählt.“ Ebenſo Matth. 22, 14. Vgl. Röm. 8, 28. 30; 9, 24; 2. Tim. 1, 9; Hebr. 3, 1; 5, 4; 9, 15.— Am Anfange von mehreren ſeiner Briefe(Röm. 1, 1; 1. Kor. 1, 1) hebt Paulus hervor, er ſei zum Apoſtel berufen; er will damit ſagen, nicht ſeine eigene Wahl oder Willkür habe ihm dieſes Amt gegeben. Gal. 1, 15 rühmt er, er ſei durch Gottes Gnade von ſeiner Geburt an ausgeſondert und berufen. Diejenigen, an welche die Briefe gerichtet ſind, werden wohl(Röm. 1, 7; 1. Kor. 1, 2; vgl. auch Röm. 1, 6 und Jud. 1.) die berufenen Heiligen genannt, d. h. die von Gott dazu berufen ſind, ſich zu heiligen. Die Chriſten ſind berufen zur Gemeinſchaft Jeſu Chriſti(1. Kor. 1, 9); durch die Gnade Chriſti(Gal. 1, 6: 6 Jägert XGονꝙα); zur Freiheit(Gal. 5, 13; nämlich zur Freiheit von den Beſtimmungen des jüdiſchen Geſetzes. Dieſe Stelle ſchließt ſich an die oben beſprochene vom Aergerniß des Kreuzes);
*) Es iſt mir wohl bekannt, daß, nach dem Vorgange des Chryſoſtomus, manche Erklärer(z. B. O. v. Gerlach und H. A. W. Meyer) dieſe Stelle anders faſſen und glauben, Paulus rathe den Sklaven, ſelbſt wenn ſie frei werden könnten, lieber Sklaven zu bleiben. Ich kann mich mit dieſer Anſicht nicht befreunden. Ich folge den meiſten Ueber⸗ ſetzern(V.: sed et si potes liber fieri, magis utere könnte, wie das Griechiſche, auf beiderlei Art verſtanden werden; nicht aber F.: mais aussi si tu peux etre mis en liberté, profites-en.— E.: but if thou mayest be made free, use it rather.— A.: aber wenn du frei werden kannſt, ſo mache dirs um ſo mehr zu Nutz) und Erklärern, z. B. Olshauſen, Lisco, Allioli. Letzterer ſagt zu dieſer Stelle:„Kannſt du indeß deinen äußeren Zuſtand verbeſſern, ſo magſt du es immer thun; benütze aber die neue Lage um ſo mehr dazu, in der Vollkommenheit zu wachſen.“
**) Hier haben wir überall Formen von.α.με*, manchmal verſtärkt durch Zuſammenſetzung mit α ο¶(Matth. 6, 7) oder mit 90%(Ap. Geſch. 16, 10). V.: vocare, F.: appeler, E.: to call, A.: berufen.


