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neuen Menſchen anzuziehen“(Eph. 4, 22. 24), dies zu menſchlich auffaſſen und meinen, ſie müßten nun auch ihre äußeren Verhältniſſe ändern. Dies ſcheint vorzüglich bei Solchen der Fall geweſen zu ſein, die mit heidniſchen Frauen oder Männern verheirathet waren; manche von ihnen glaubten wohl, ſie müßten ſich, da ſie nun Chriſten geworden, von dieſen trennen. Paulus tritt dieſer Mei⸗ nung entgegen und empfiehlt, auch in dieſem Falle die Ehe nicht aufzuloſen; nur wenn der heidniſche Theil ſelbſt es wolle oder darauf dringe, ſolle man ſich trennen. Nun ſetzt er(Vs. 15) hinzu: „Im Frieden aber hat uns Gott berufen,“ d. h. der Ruf, der an uns ergangen, ſoll bewirken, daß wir mit andern Menſchen im Frieden leben; dies würde aber nicht der Fall ſein, wenn der chriſtliche Theil den heidniſchen zwingen wollte, gegen ſeinen Willen mit ihm zu leben.
Daran knüpft Paulus Vs. 17 die allgemeine Weiſung:„Doch wie einem Jeglichen Gott hat ausgetheilet; ein Jeglicher, wie ihn der Herr berufen hat, alſo wandle er.“ Das heißt: In jeder Lebenslage, in die Gott euch verſetzt hat, könnt und ſollt ihr ſeinem Rufe getreu bleiben; ihr braucht nicht, um dies zu können, eure äußere Lage zu verändern. Vs. 20 iſt oben ſchon angeführt. Auch hier wieder derſelbe Gedanke: Ein Jeglicher bleibe, welches auch ſeine äußere Lage ſei(dies iſt an unſerer Stelle nicht ausgedrückt, wohl aber in Gedanken zu ergänzen), dem Rufe, mit welchem Gott ihn gerufen hat, treu.
Derſelbe Gedanke iſt nochmals wiederholt Vs. 24:„Ein Jeglicher, lieben Brüder, worinnen er berufen iſt, darinnen bleibe er bei Gott.“ Nur iſt hier noch zugeſetzt„bei Gott,“ d. h. nach Gottes Willen und Anordnung.
Die mehrfachen Wiederholungen zeigen uns, daß es dem Apoſtel wichtig erſcheint, dieſen Ge⸗ danken recht eindringlich auszuſprechen.
So ſcheint denn alſo doch der Rath des Apoſtels Paulus derſelbe zu ſein, den Sirach gibt, nämlich in ſeiner äußeren Stellung, bei ſeinen äußeren Geſchäften zu verbleiben? Dieſer Rath iſt allerdings auch hier zu finden; aber während er bei Sirach die Hauptſache iſt und Sirachs Gründe wohl Gründe der Klugheit und Angemeſſenheit ſind, liegt bei Paulus der Hauptnachdruck auf dem Gedanken: In jeder äußeren Lage könnt ihr dem Rufe Gottes folgen, ihr habt alſo, um dieſem zu folgen, nicht nöthig, die äußere Lage zu verändern.— Wollten wir die Stellen in Sirach und die im Korintherbriefe ganz auf gleiche Linie mit einander ſtellen, ſo wären wir in Gefahr, die tiefere Bedeutung des Wortes ⸗souts, das Luther mit Beruf überſetzt, zu verkennen.
Daß übrigens Paulus nicht verlangt, der Chriſt ſolle unter allen Umſtänden in ſeinen äußeren Verhältniſſen beharren, ergibt ſich aus Vs. 21,— wenn wir dieſen nämlich richtig verſtehen. Es heißt da:„Biſt du ein Knecht berufen“(d. h. haſt du als ein Sklave den Ruf Gottes erhalten); und nun fährt Paulus nicht etwa fort:„So bleibe ein Knecht;“ ſondern er ſagt:„Sorge du nicht,“*) d. h. ſei nicht in Beſorgniß, als könnteſt du in dieſer äußeren Lage weniger gut als ein Anderer ein Bürger ſeines Reiches, ein Kind Gottes und Miterbe Chriſti(Röm. 8, 17) ſein.— Dann fährt er fort:„Doch kannſt du frei werden, ſo brauche das viel lieber.“ Wenn der Apoſtel, wie Manche glauben, in dieſen Verſen hauptſächlich den Rath gäbe, in ſeiner äußeren Stellung zu bleiben, ſo würde er ja mit dieſen letzten Worten jenen Rath wieder zurücknehmen. Er nimmt aber hier
*) V.: non tibi sit curae.— F.: ne t'en fais point de peine.— E.: care not for it.— A.: ſo laß dich's nicht kümmern.


